Pressemeldung vom 05.02.2026

BIHK-Konjunkturumfrage: Bayerische Wirtschaft bleibt im Tiefflug

Die erhoffte Trendwende in der bayerischen Wirtschaft lässt weiter auf sich warten. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zum Jahresbeginn 2026. Der Stimmungsindex steigt lediglich um zwei Punkte auf 107 Zähler und bleibt damit klar unter dem langjährigen Durchschnitt von 112 Punkten. Trotz des leichten Anstiegs ist von einer echten Erholung keine Spur.

Stimmungsbarometer verharrt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt

„Die bayerische Wirtschaft bewegt sich weiter im Tiefflug. Steigende Arbeitskosten, hohe Bürokratielasten, fehlende Reformen und eine anhaltend schwache Nachfrage drosseln die Schubkraft“, sagt BIHK‑Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Die heimischen Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage mit 10 Saldopunkten weiterhin deutlich schlechter als im langjährigen Mittel, das 17 Punkte beträgt. Gegenüber der vorherigen Erhebung im Herbst 2025 gibt es kaum Bewegung.

Die Dienstleistungsbranche verzeichnet als einziger Wirtschaftszweig einen klar positiven Saldo der Lageurteile. In der Industrie sind positive und negative Beurteilungen erstmals seit längerem wieder ausgeglichen, was auf eine leichte Stabilisierung hindeutet. Im Baugewerbe ist die Lage ähnlich unentschieden, mit rückläufiger Tendenz. Im Tourismus und im Handel überwiegen dagegen weiterhin die unzufriedenen Stimmen.

Auch die Geschäftserwartungen bleiben zurückhaltend. Der entsprechende Indikator erreicht lediglich 4 Punkte und liegt damit seit fast vier Jahren unter seinem Durchschnittswert von 7 Punkten – so lange wie nie zuvor. Zwar blicken die Dienstleister optimistisch nach vorn, während Industrie und Großhandel von stabilen Geschäften ausgehen. Dennoch herrscht insgesamt eine gedämpfte Stimmung, da sich der erhoffte Aufwärtstrend nicht durchsetzt.

„Ohne eine Belebung der privaten Investitionen kann es keinen nachhaltigen Aufschwung geben. Dafür gibt es aber keine Anzeichen, im Gegenteil: Die schon chronische Investitionszurückhaltung der Unternehmen setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2026 fort“, sagt Gößl. Besonders die Industrie plant unterm Strich erneut weniger Ausgaben am heimischen Standort und richtet ihren Blick wieder zunehmend auf das Ausland, so die Ergebnisse der Umfrage. Ein Drittel der im Ausland aktiven Industriebetriebe beabsichtigt, Kapazitäten aus Bayern abzuziehen.

Als Folge bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Die Zahl der Erwerbstätigen in der bayerischen Wirtschaft wird noch weiter sinken. Alle Branchen planen per Saldo mit weniger Beschäftigung. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend im Tourismus und in der Industrie. Neben der schwachen Nachfrage wirken vor allem die steigenden Arbeitskosten belastend, die einen neuen Höchststand bei der Risikowahrnehmung der Betriebe erreichen.

Die Unternehmen sehen sich mit einer ungewöhnlich hohen Zahl an Belastungs-faktoren konfrontiert. Die Arbeitskosten werden so häufig als Geschäftsrisiko genannt wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012“, betont BIHK-Chef Gößl. „Gleichzeitig besteht bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen unverändert höchster Handlungsbedarf. Hinzu kommen die anhaltend schwache Nachfrage im In- und Ausland sowie branchenspezifische Herausforderungen wie Energie- und Rohstoffpreise sowie in 4 von 10 bayerischen Unternehmen ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.“

Für eine wirtschaftliche Belebung fordert der BIHK klare politische Maßnahmen. Dazu gehören eine dauerhafte Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge bei höchstens 40 Prozent der Bruttoverdienste, der Schutz von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer sowie die konsequente Verwendung des schuldenfinanzierten Sondervermögens für wachstumsfördernde Investitionen. Ohne massiven Rückbau der Bürokratiebelastung in den Betrieben wie auch bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren werden die vorhandenen Investitionsmittel des Staates weiterhin nicht vollständig abfließen können.

Von der EU-Kommission fordert der BIHK, konzentriert Hürden im Binnenmarkt abzubauen, statt immer weitere Regulierungen zu erfinden. Auch müsse die EU-Kommission zusätzliche Handelsabkommen mit Unterstützung des EU-Parlaments vorantreiben. „Unsere Unternehmen brauchen mehr denn je verlässliche Signale und entschlossene Reformschritte, um ihr Vertrauen in den Standort zurückzugewinnen“, sagt Gößl.

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