Von Gabriele Lüke, IHK-Magazin 1-2/2026
Klare Ansage: Oberbayern ist ein guter Wirtschaftsstandort. Und doch muss sich einiges verbessern. Dies ergab die inzwischen 5. IHK-Standortumfrage 2025. Dabei beurteilten 4 von 5 Unternehmen München und Oberbayern auf einer Schulnotenskala zwischen 1 und 5 mit „gut“ oder „sehr gut“. Unterm Strich ergibt dies – das 4. Mal in Folge – die Gesamtnote 2,0. Ganze 83 Prozent der Befragten würden sich mit ihrem Betrieb erneut hier niederlassen.
Grundsätzlich ein Top-Standort
„Oberbayern ist bei Betrachtung aller Faktoren ein Top-Standort, der Unternehmen auch im internationalen Vergleich grundsätzlich gute Bedingungen bietet“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Insbesondere schätzen die Unternehmen die stabile Energieversorgung, die gute Anbindung an das regionale und das Fernstraßennetz und die medizinische Versorgung.
Firmen fühlen sich belastet
Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn zugleich sehen die Betriebe einigen Handlungsbedarf. Insbesondere beim Bürokratieabbau, beim Wohnraumangebot und bei den Gewerbe- und Grundsteuern. „Knapp 30 Prozent der Unternehmen geben an, dass derartige Standortmängel bereits ihre Entwicklung beeinträchtigen“, sagt Annette Hilpert, IHK-Referatsleiterin Stadt- und Regionalentwicklung, Standortberatung, Mobilität. „Unser Standort hat kein Attraktivitäts-, sondern ein Belastungsproblem.“
Hinweise für die Politik
Mit rund 3.700 teilnehmenden Unternehmen aller Branchen und Größen hat die Standortumfrage eine repräsentative Basis. Insgesamt wurden 49 Standortfaktoren untersucht. „Ziel der Umfrage ist es, die Einschätzungen der Unternehmen zum Wirtschaftsstandort zu ermitteln und Verwaltung und Politik Hinweise auf die wichtigsten Handlungsfelder zu geben“, erklärt Chiara Wahler, IHK-Referentin Standortberatung.
Weitere Details zu den Bewertungen:
- Beim Punkt bürokratiearme Verwaltung erreicht die Note mit 3,6 einen Tiefpunkt. Unternehmen beklagen vor allem die langwierigen Genehmigungsverfahren.
- Das Wohnraumangebot erhält ebenfalls nur die Note 3,6. Auch weil fehlender Wohnraum den Fachkräftemangel verschärft und negativ auf die Mitarbeiterbindung wirkt.
- Hohe Energiepreise (3,2), steigende Personalkosten (3,2) und hohe Gewerbeflächenpreise (3,6) stellen eine weitere starke Belastung für die Unternehmen dar.
- Die Fachkräftesituation wird mit der Note 3,0 zwar minimal besser bewertet als vor zwei Jahren. Dennoch bleibt das Angebot an beruflich qualifizierten Fachkräften (3,2) und Azubis (3,3) ein Engpass.
- Im Feld Infrastruktur sind die Unternehmen wenig zufrieden mit der Anbindung an den Schienengüterverkehr (3,6), der öffentlichen E-Ladestruktur (3,4) und alternativen Mobilitätsangeboten wie Sharing-Modellen (3,6). Ebenfalls nur mäßig bewerteten sie die Breitbandversorgung (2,6) und die Mobilfunkabdeckung (2,7).
Sorge um Investitionen
Auch der Blick auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe unterstreicht den Handlungsbedarf. Noch ist das Vor-Corona-Niveau nicht wieder erreicht. Der Anteil der Unternehmen, die ihren Standort in den vergangenen 3 Jahren erweitert oder umfangreich in diesen investiert haben, sank noch einmal von 21 Prozent 2023 auf jetzt 17 Prozent. Zum Vergleich: Vor der Pandemie 2019 investierten 29 Prozent der Unternehmen erheblich in den Standort.
Ebenfalls ernüchternd fällt der Blick nach vorn aus. Die Investitions- beziehungsweise Erweiterungsbereitschaft für die kommenden 3 Jahre nahm erneut deutlich ab: von 26 Prozent 2019 über 17 Prozent 2023 auf aktuell 15 Prozent. Das ist der geringste Wert, seit die Frage nach der Investitionsbereitschaft 2017 erstmals gestellt wurde.
„Hausaufgaben machen und dranbleiben“
Die Forderungen an die Politik sind entsprechend klar: Bürokratie abbauen, bezahlbaren Wohnraum bereitstellen, Planungs- und Genehmigungsverfahren optimieren, Verfügbarkeit von Arbeitskräften sicherstellen und das Mobilitätsangebot verbessern. „Der Standortwettbewerb wird international immer intensiver, gerade auch bei Themen wie Energiekosten, Gewerbesteuern und digitaler Verwaltung“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Gößl. „Insofern müssen wir unsere Hausaufgaben machen und dranbleiben.“