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Filialen in 12 Ländern – Stefan Tewes, Gründer von Coffee Fellows

Filialen in 12 Ländern – Stefan Tewes, Gründer von Coffee Fellows

© Coffee Fellows

Schwarz, stark, schnell

Kaffeebars haben Konjunktur, immer mehr Unternehmen eröffnen Filialen. Auf den wachsenden Wettbewerb haben sie sehr unterschiedliche Antworten.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026

Mitte Oktober 2025 ist wieder ein neuer – und außerordentlich prominenter – Anbieter hinzugekommen: Das alteingesessene Kaffee- und Spezialitäten-Unternehmen Dallmayr startete seinen „Coffee Club“. Direkt neben dem Stammhaus in der Münchner Dienerstraße hat es ein To-go-Konzept umgesetzt: Kaffee und Matcha für unterwegs.

Der Coffee Club soll die Brücke schlagen „zwischen unserer Tradition und einem urbanen Publikum, das Qualität und Lifestyle miteinander verbinden möchte“, erklärt Caroline Epping, Head of Marketing & Communications bei Dallmayr, die Idee. „Mit dem Coffee Club ergänzen wir unser bisheriges gastronomisches Angebot um ein modernes, junges Format.“

Coffeeshops: Wie Pilze aus dem Boden

Mit diesem Konzept stößt Dallmayr in einen Markt, der enorm in Bewegung ist: Die Zahl der Kaffeebars, auch Coffeeshops genannt (siehe Kasten unten), ist zuletzt deutlich gewachsen. Sie bieten Kaffeespezialitäten zum Mitnehmen, setzen auf Selbstbedienung – und versuchen gerade, sich mit unterschiedlichen Konzepten von der großen Anzahl der Wettbewerber abzuheben.

Wer unterwegs einen schnellen Kaffee trinken will, hat in Großstädten wie München eine beachtliche Auswahl. Da ist zum Beispiel der US-Riese Starbucks, der in der bayerischen Landeshauptstadt etwa ein Dutzend Filialen betreibt. Oder der italienische Kaffeespezialist Segafredo mit rund 10 Kaffeebars. Neben internationalen Konzernen gibt es aber auch heimische Unternehmen, wie zum Beispiel die 1999 gegründete Coffee Fellows GmbH, die in München mit etwa 10 Filialen vertreten ist.

Preiskampf um den Kunden

Seit Kurzem drängen außerdem Firmen auf den Markt, die mit günstigeren Preisen werben und etwa für einen Americano nicht 3,50 Euro, sondern 2 Euro verlangen. Vor allem die Berliner LAP Coffee und Plex Coffee haben München aufgemischt und 5 (LAP Coffee) beziehungsweise 4 Standorte eröffnet. Hinzu kommen noch die unzähligen Bäckereien und Backshops, die fast alle mittlerweile Kaffee zum Mitnehmen anbieten, ebenfalls meist günstiger als bei Starbucks, Coffee Fellows & Co.

Warum eröffnen trotz des schon vorhandenen gewaltigen Angebots nach und nach immer weitere Kaffeestationen? Geben Markt und Nachfrage das her? Belastbare Zahlen zum Markt existieren bisher nicht, aber Zahlen zur Nachfrage kann der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern liefern: 17 Prozent der Bevölkerung sagen laut einer Umfrage, dass sie Kaffee zum Mitnehmen kaufen. In der Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen sind es sogar 26 Prozent.

Mitarbeiter im Dallmayr Coffee Club bedient Kasse vor Menütafel mit Kaffeeangebot

Neu eröffnet – auch Dallmayr hat jetzt einen Coffee Club

Protein und Kollagen für die Jugend

Kein Wunder also, dass viele der Kaffeebarketten erkennbar auf Jüngere als Hauptzielgruppe abzielen: Die Designs der Shops sind modern-minimalistisch, in den Läden und auf den Webseiten wird fröhlich geduzt. Bei den Produkten stehen Sonder- und Saison-Kreationen im Mittelpunkt, etwa Protein- oder Kollagen-Varianten sowie das Trendgetränk Matcha.

Bei Dallmayr etwa gibt es einen „Bio Ceremonial Matcha“ und das klare Bekenntnis, ein junges Publikum ansprechen zu wollen. Unterstrichen wird die Ausrichtung durch den bereits im Namen verankerten Club-Gedanken: Es gibt ein „Community-Angebot“, das mit einer App einhergeht und Kurse wie „How to Latte Art“ (das Verzieren von Milchkaffeeschaum mit Mustern) beinhaltet.

„Wir sind Community getrieben“

Auch Ralph Hage (36), Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Micro Retail Technologies MRT GmbH, die LAP Coffee betreibt, betont: „Wir sind Community-getrieben.“ Der Kerngedanke: „priced to cost, not to status“ – die Preise richten sich nach den Kosten, nicht nach dem Status. Dafür nimmt das Unternehmen eine geringere Marge hin. Hage: „Wir verdienen mit jeder Tasse, aber eben ein bisschen weniger als andere.“

Um sich von den Wettbewerbern abzusetzen, müssen sich Anbieter etwas einfallen lassen. Sie verwenden etwa Siebträgermaschinen für eine besonders hochwertige Zubereitung und nicht Vollautomaten wie günstigere Anbieter. Nicht nur, aber auch damit richten sie sich an ein kaufkräftigeres Publikum.

Ältere ansprechen, Konkurrenz meiden

Stefan Tewes (58), Gründer und Geschäftsführer der Coffee Fellows GmbH und mit mittlerweile rund 300 Filialen in 12 Ländern vertreten, spricht explizit auch ältere Besucher an. „Wir haben neben Sofas auch Stühle in unseren Cafés. Ältere bevorzugen Stühle, sie kommen aus den tiefen Polstern doch kaum mehr raus.“

Außerdem orientiert sich Tewes hin zu weniger konkurrenzgefährdeten Standorten. So lagen die letzten Neueröffnungen fast ausschließlich an Autobahnen. Coffee Fellows findet man auch in kleineren Städten, in Oberbayern zum Beispiel in Starnberg und Bad Tölz. Daneben baut das Unternehmen ein weiteres Standbein auf und betreibt Hotels, selbstverständlich mit einem Coffeeshop, um Synergien zu nutzen.

Nische schützt nicht vor Kostendruck

Ein besonderes Nischenkonzept verfolgt die 2003 gegründete Münchner chicco di caffè GmbH. Sie setzt den Fokus auf Kantinen in Firmen, Universitäten und Krankenhäusern. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtung ist allen Anbietern eines gemeinsam: Sie haben mit den stark gestiegenen Rohkaffeepreisen zu kämpfen. Die wachsenden Kosten können sie, gerade wegen des Konkurrenzdrucks, kaum an die Kunden weitergeben.

„Wir haben die Preise etwa anderthalb Jahre stabil gehalten“, sagt Coffee-Fellows-Chef Tewes, der fast ausschließlich mit Franchisenehmern zusammenarbeitet. „Das geht selbstverständlich zulasten der Profitabilität.“

Stichwort: Coffeeshop

Kaffeebars beziehungsweise Coffeeshops unterscheiden sich von klassischen Cafés vor allem in 2 Punkten: Erstens haben Kaffeebars keine Küche, bieten also, wenn überhaupt, nur kleine Snacks wie Bagels oder Cookies an.

Zweitens müssen sich die Kunden ihren Kaffee an der Bar bestellen und abholen. Sie werden nicht am Platz bedient. Manche Coffeeshops haben Sitzmöglichkeiten und wollen auch eine besondere Atmosphäre vermitteln. Andere konzentrieren sich ausnahmslos auf das To-go-Geschäft. Bei ihnen gibt es keine oder nur wenige, rudimentäre Sitzgelegenheiten wie zum Beispiel Barhocker.