Protein und Kollagen für die Jugend
Kein Wunder also, dass viele der Kaffeebarketten erkennbar auf Jüngere als Hauptzielgruppe abzielen: Die Designs der Shops sind modern-minimalistisch, in den Läden und auf den Webseiten wird fröhlich geduzt. Bei den Produkten stehen Sonder- und Saison-Kreationen im Mittelpunkt, etwa Protein- oder Kollagen-Varianten sowie das Trendgetränk Matcha.
Bei Dallmayr etwa gibt es einen „Bio Ceremonial Matcha“ und das klare Bekenntnis, ein junges Publikum ansprechen zu wollen. Unterstrichen wird die Ausrichtung durch den bereits im Namen verankerten Club-Gedanken: Es gibt ein „Community-Angebot“, das mit einer App einhergeht und Kurse wie „How to Latte Art“ (das Verzieren von Milchkaffeeschaum mit Mustern) beinhaltet.
„Wir sind Community getrieben“
Auch Ralph Hage (36), Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Micro Retail Technologies MRT GmbH, die LAP Coffee betreibt, betont: „Wir sind Community-getrieben.“ Der Kerngedanke: „priced to cost, not to status“ – die Preise richten sich nach den Kosten, nicht nach dem Status. Dafür nimmt das Unternehmen eine geringere Marge hin. Hage: „Wir verdienen mit jeder Tasse, aber eben ein bisschen weniger als andere.“
Um sich von den Wettbewerbern abzusetzen, müssen sich Anbieter etwas einfallen lassen. Sie verwenden etwa Siebträgermaschinen für eine besonders hochwertige Zubereitung und nicht Vollautomaten wie günstigere Anbieter. Nicht nur, aber auch damit richten sie sich an ein kaufkräftigeres Publikum.
Ältere ansprechen, Konkurrenz meiden
Stefan Tewes (58), Gründer und Geschäftsführer der Coffee Fellows GmbH und mit mittlerweile rund 300 Filialen in 12 Ländern vertreten, spricht explizit auch ältere Besucher an. „Wir haben neben Sofas auch Stühle in unseren Cafés. Ältere bevorzugen Stühle, sie kommen aus den tiefen Polstern doch kaum mehr raus.“
Außerdem orientiert sich Tewes hin zu weniger konkurrenzgefährdeten Standorten. So lagen die letzten Neueröffnungen fast ausschließlich an Autobahnen. Coffee Fellows findet man auch in kleineren Städten, in Oberbayern zum Beispiel in Starnberg und Bad Tölz. Daneben baut das Unternehmen ein weiteres Standbein auf und betreibt Hotels, selbstverständlich mit einem Coffeeshop, um Synergien zu nutzen.
Nische schützt nicht vor Kostendruck
Ein besonderes Nischenkonzept verfolgt die 2003 gegründete Münchner chicco di caffè GmbH. Sie setzt den Fokus auf Kantinen in Firmen, Universitäten und Krankenhäusern. Trotz der unterschiedlichen Ausrichtung ist allen Anbietern eines gemeinsam: Sie haben mit den stark gestiegenen Rohkaffeepreisen zu kämpfen. Die wachsenden Kosten können sie, gerade wegen des Konkurrenzdrucks, kaum an die Kunden weitergeben.
„Wir haben die Preise etwa anderthalb Jahre stabil gehalten“, sagt Coffee-Fellows-Chef Tewes, der fast ausschließlich mit Franchisenehmern zusammenarbeitet. „Das geht selbstverständlich zulasten der Profitabilität.“