6 Fachbodenkilometer historische Akten
Seit das BWA 1994 als Gemeinschaftseinrichtung der bayerischen IHKs (BIHK) aus der Taufe gehoben wurde, sind seine Mitarbeitenden in ganz Bayern auf der Suche nach historischen Zeugnissen unternehmerischen Schaffens. Mehr als 6 Fachbodenkilometer an historischen Akten und vergleichbaren Unterlagen aus Unternehmen, IHKs und Wirtschaftsverbänden aus dem Freistaat werden in den Magazinen des BWA inzwischen verwahrt – ein großartiger Fundus für die historische Forschung.
Im Rahmen des bundesweiten „Tages der Archive“ präsentiert das BWA eine Auswahl seiner eindrucksvollsten Ehrenurkunden in einer Ausstellung auf dem IHK Campus unweit des Münchner Ostbahnhofs (siehe Kasten unten). Im Zentrum stehen Urkunden als Form des Ausdrucks einer besonderen Wertschätzung individueller oder unternehmerischer Tätigkeit.
Urkunden als Spiegel der Zeit
Was zunächst unspektakulär klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als eine besondere Form der grafischen Kunst. Die optische Gestaltung einer Auszeichnung ist dabei abhängig sowohl vom Aussteller des Dokuments als auch vom Empfänger, an den es jeweils gerichtet ist. Natürlich spielt auch die Entstehungszeit eine Rolle, denn jedes ausgefertigte Stück ist ein Produkt seiner Zeit und spiegelt gewisse ästhetische Vorstellungen der jeweiligen Gegenwart.
So zeichnen sich vor allem die Urkunden der großen internationalen Ausstellungen aus der 2. Hälfte des 19. bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts durch eine besondere Form der historisierenden Darstellung aus. In unterschiedlicher Weise sind Kunst und Gewerbe durch antike Frauen- oder Männergestalten symbolisiert, Ehrenkränze werden vor der Kulisse antiker Bauwerke angereicht. Den optischen Rahmen bilden oftmals rankendes Blattwerk und Blüten, die ihrerseits für die Lebendigkeit des gewerblichen Fortschritts stehen.
Motive variieren je nach Gewerbe
In Auszeichnungen von speziellen Fachausstellungen oder anlässlich individueller Ehrungen für langjährige Beschäftigte finden hingegen regelmäßig Motive Eingang, die dem jeweiligen Gewerbezweig entstammen, etwa typische Werkzeuge, Kleidungsstücke, Endprodukte oder vergleichbare Objekte.
Daneben gibt es den 2. großen Bereich der Urkunden, die auf optische Motive weitestgehend verzichten, sich aber durch eine kunstvolle Kalligrafie auszeichnen. Dieser Typus erscheint vor allem im Zusammenhang mit individuellen Auszeichnungen einzelner Personen. Dazu zählen etwa das Arbeitsjubiläum, die Verabschiedung in den Ruhestand oder die Verleihung eines Titels wie des eines Hoflieferanten, eines Kommerzienrats oder eines Ehrenbürgers.
Auszeichnung als Teil des Marketings
Für ein Unternehmen stellte eine solche Ehrung eine gern genutzte Möglichkeit der Eigenwerbung dar. Besonders Ehrenmedaillen von Ausstellungen, neben den Urkunden eine weitere Form der Auszeichnung, wurden in diesem Zusammenhang verwendet. Auf Firmenbriefbögen, Werbedrucksachen, Briefumschlägen oder Etiketten von Verpackungen wurden die errungenen Auszeichnungen abgebildet oder zumindest erwähnt.
Damit sollten Geschäftspartner und Kunden von der „ausgezeichneten“ Qualität der eigenen Produkte überzeugt werden. Oft präsentierten Unternehmen ein Exemplar der meist großformatigen, edel gerahmten Urkunden auch im Eingangsbereich, in einem Besprechungsraum oder einem Wartebereich für auswärtige Gäste.
Auch in Social Media gern gesehen
Bis in die Gegenwart hat sich an der Freude über ein Lob für eine erfolgreiche Tätigkeit nichts geändert. Wenn heute Unternehmen oder Einzelpersonen auf Websites und Social-Media-Kanälen stolz einen jüngst errungenen „Award“ präsentieren, stehen sie damit in einer langen Tradition.