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Anerkennung vom Betrieb – Ehrenurkunde der IHK München von 1954 für Therese Hartmann für 25 Jahre „in Treue geleistete Mitarbeit“ bei der Firma Friedrich Oeffner

Anerkennung vom Betrieb – Ehrenurkunde der IHK München von 1954 für Therese Hartmann für 25 Jahre „in Treue geleistete Mitarbeit“ bei der Firma Friedrich Oeffner

© BWA

Ausgezeichnete Arbeit!

Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeigt in einer Ausstellung zum bundesweiten „Tag der Archive“ kunstvolle historische Urkunden zu Ehren von Beschäftigten und Firmen.

Von Harald Müller, IHK-Magazin 1-2/2026

Im Jahr 1891 präsentierte sich das Deutsche Reich mit seinen führenden „Kunst- und Industrie-Erzeugnissen“ auf einer großen Ausstellung in London. Auch die Münchner Brauerei von Gabriel Sedlmayr nahm daran teil. Und das sehr erfolgreich. Denn für die „vollkommene Reinheit im Geschmack und im Gehalt und Wohlbekömmlichkeit“ ihres Bieres sowie „für das beste Münchener Lagerbier“ erhielt die Spatenbrauerei ein „Ehrendiplom 1. Classe“.

Historische Urkunde von 1891 mit antiker Frauengestalt und Westminister-Palast, Ehrendiplom für Brauerei Gabriel Sedlmayr in London

Prämiert in London – die Brauerei von Gabriel Sedlmayr erhielt bei der „Ausstellung Deutscher Kunst- und Industrie-Erzeugnisse“ 1891 ein „Ehrendiplom 1. Classe“

Dokumentiert wurde diese Ehrung durch eine prachtvolle Urkunde (Bild rechts). Unter dem gekrönten Reichsadler kündet die Flügel tragende antike mythologische Frauengestalt der Fama mit einer Fanfare von der Auszeichnung; den Ehrenkranz hat sie ebenfalls dabei.

Am Fuß der Urkunde erhebt sich hinter verschiedenen Insignien der Kunst und des Gewerbefleißes der Westminister-Palast am Ufer der Themse in London, dem Ort der Ausstellung. Erhalten hat sich dieses außergewöhnliche und eindrucksvolle Stück im Bayerischen Wirtschaftsarchiv (BWA).

6 Fachbodenkilometer historische Akten

Seit das BWA 1994 als Gemeinschaftseinrichtung der bayerischen IHKs (BIHK) aus der Taufe gehoben wurde, sind seine Mitarbeitenden in ganz Bayern auf der Suche nach historischen Zeugnissen unternehmerischen Schaffens. Mehr als 6 Fachbodenkilometer an historischen Akten und vergleichbaren Unterlagen aus Unternehmen, IHKs und Wirtschaftsverbänden aus dem Freistaat werden in den Magazinen des BWA inzwischen verwahrt – ein großartiger Fundus für die historische Forschung.

Im Rahmen des bundesweiten „Tages der Archive“ präsentiert das BWA eine Auswahl seiner eindrucksvollsten Ehrenurkunden in einer Ausstellung auf dem IHK Campus unweit des Münchner Ostbahnhofs (siehe Kasten unten). Im Zentrum stehen Urkunden als Form des Ausdrucks einer besonderen Wertschätzung individueller oder unternehmerischer Tätigkeit.

Urkunden als Spiegel der Zeit

Was zunächst unspektakulär klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als eine besondere Form der grafischen Kunst. Die optische Gestaltung einer Auszeichnung ist dabei abhängig sowohl vom Aussteller des Dokuments als auch vom Empfänger, an den es jeweils gerichtet ist. Natürlich spielt auch die Entstehungszeit eine Rolle, denn jedes ausgefertigte Stück ist ein Produkt seiner Zeit und spiegelt gewisse ästhetische Vorstellungen der jeweiligen Gegenwart.

So zeichnen sich vor allem die Urkunden der großen internationalen Ausstellungen aus der 2. Hälfte des 19. bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts durch eine besondere Form der historisierenden Darstellung aus. In unterschiedlicher Weise sind Kunst und Gewerbe durch antike Frauen- oder Männergestalten symbolisiert, Ehrenkränze werden vor der Kulisse antiker Bauwerke angereicht. Den optischen Rahmen bilden oftmals rankendes Blattwerk und Blüten, die ihrerseits für die Lebendigkeit des gewerblichen Fortschritts stehen.

Motive variieren je nach Gewerbe

In Auszeichnungen von speziellen Fachausstellungen oder anlässlich individueller Ehrungen für langjährige Beschäftigte finden hingegen regelmäßig Motive Eingang, die dem jeweiligen Gewerbezweig entstammen, etwa typische Werkzeuge, Kleidungsstücke, Endprodukte oder vergleichbare Objekte.

Daneben gibt es den 2. großen Bereich der Urkunden, die auf optische Motive weitestgehend verzichten, sich aber durch eine kunstvolle Kalligrafie auszeichnen. Dieser Typus erscheint vor allem im Zusammenhang mit individuellen Auszeichnungen einzelner Personen. Dazu zählen etwa das Arbeitsjubiläum, die Verabschiedung in den Ruhestand oder die Verleihung eines Titels wie des eines Hoflieferanten, eines Kommerzienrats oder eines Ehrenbürgers.

Auszeichnung als Teil des Marketings

Für ein Unternehmen stellte eine solche Ehrung eine gern genutzte Möglichkeit der Eigenwerbung dar. Besonders Ehrenmedaillen von Ausstellungen, neben den Urkunden eine weitere Form der Auszeichnung, wurden in diesem Zusammenhang verwendet. Auf Firmenbriefbögen, Werbedrucksachen, Briefumschlägen oder Etiketten von Verpackungen wurden die errungenen Auszeichnungen abgebildet oder zumindest erwähnt.

Damit sollten Geschäftspartner und Kunden von der „ausgezeichneten“ Qualität der eigenen Produkte überzeugt werden. Oft präsentierten Unternehmen ein Exemplar der meist großformatigen, edel gerahmten Urkunden auch im Eingangsbereich, in einem Besprechungsraum oder einem Wartebereich für auswärtige Gäste.

Auch in Social Media gern gesehen

Bis in die Gegenwart hat sich an der Freude über ein Lob für eine erfolgreiche Tätigkeit nichts geändert. Wenn heute Unternehmen oder Einzelpersonen auf Websites und Social-Media-Kanälen stolz einen jüngst errungenen „Award“ präsentieren, stehen sie damit in einer langen Tradition.

IHK-Info: Ausstellung „Ausgezeichnete Arbeit!“ am 7. März 2026

Beim bundesweiten „Tag der Archive“ am 7. März 2026 von 10 bis 17 Uhr präsentiert das Bayerische Wirtschaftsarchiv in München, Campus der IHK für München und Oberbayern, Orleanstraße 10–12, Ehrenurkunden für herausragende Leistungen von Unternehmen und Mitarbeitenden. Der Eintritt ist frei.