Die Einführung und das weitere Ausrollen von Wero sind somit in erster Linie der Versuch, sich unabhängig von den USA zu machen und eine souveräne europäische Alternative anzubieten. „Der europäische Zahlungsverkehr darf nicht dauerhaft von außereuropäischen Anbietern abhängig sein“, sagt SVB-Präsident Dießl. „Deshalb bauen wir in Europa mit Wero eine eigene starke Lösung auf.“
Geld in Echtzeit an Familie und Freunde
Die ersten Schritte sind durchaus geglückt. Private mobile Geldtransfers werden bereits getätigt. Laut dem Sparkassenverband Bayern hat Wero europaweit rund 45 Millionen Nutzer, davon 1,3 Millionen bei den deutschen beziehungsweise rund 200.000 bei den bayerischen Sparkassen.
Die Kunden setzen Wero ein, um Freunden oder Familienmitgliedern Geld in Echtzeit zu überweisen. Nach spätestens 10 Sekunden ist die Transaktion erfolgt. Dass Wero in diesem Segment einen Punkt machen konnte, liegt womöglich auch daran, dass der US-Anbieter PayPal, der eine vergleichbare Geldsendefunktion in Echtzeit anbietet, die Verbraucher zwischenzeitlich mit einer Sicherheitslücke verunsichert hatte.
Erste Händler starten
Wero soll nun in der nächsten Stufe im Einzelhandel zum Einsatz kommen, vorerst im E-Commerce, später dann auch in stationären Geschäften. In den vergangenen Wochen sind erste Händler wie der Discountriese Lidl und die Drogeriemarktkette Rossmann als Wero-Partner gestartet. Andere wie etwa die MediaMarktSaturn Retail Group in Ingolstadt haben Interesse bekundet, aber noch kein genaues Datum genannt.
Und mehr und mehr weitere Unternehmen kommen hinzu. Im Januar 2026 zum Beispiel auch der Feinkostspezialist Käfer – zunächst im Onlineshop und später in allen anderen Bereichen. „Schon bei der ersten Vorstellung von Wero durch die Hausbank waren wir begeistert von der Initiative, eine europäische Alternative zu den amerikanischen Zahlungsdienstleistern zu schaffen. Käfer hat sich entschieden, sich als deutsches Unternehmen in Europa dem anzuschließen“, sagt Michael Käfer (67), Vorstand der Käfer AG. Wero biete einen zusätzlichen Service für die Kunden, das Unternehmen wiederum erwarte eine hohe Kosteneffizienz.
Pluspunkt: Daten bleiben in Europa
Für Firmen liegt ein großer Vorteil von Wero in den Kosten des Zahlungsdienstleisters. Die angeschlossenen Händler können sehr wahrscheinlich mit niedrigeren Transaktionsgebühren rechnen, erwartet Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern e.V. (HBE). Das liegt nicht nur daran, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Beim neuen Anbieter Wero wird die Zahlung, anders als beispielsweise bei den Wettbewerbern Visa oder PayPal, nicht über eine 3. Instanz abgewickelt, sondern direkt mit dem Konto verbunden. Ein weiteres Pro-Argument Ohlmanns: „Die Daten bleiben in Europa.“
Eine nennenswerte Kostenersparnis kann ein starker Treiber für Neuerungen sein. Das ist bei Wero nicht anders als bei anderen Technologien. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob sich die Kosten tatsächlich deutlich verringern lassen. Schließlich erfordert die Einführung von Wero ebenfalls Geld, besonders die Implementierung in der IT-Umgebung und die damit verbundenen Schulungen für die Mitarbeiter.
Zeit zum Amortisieren
„Vor allem am Anfang werden die Erträge noch niedrig sein, es wird einige Jahre dauern, bis sich die Investitionen amortisiert haben“, erwartet ibi-research-Experte Wittmann. Die entscheidende Frage lautet seiner Meinung nach: Wann sind die Erträge hoch genug, dass sie die Ausgaben rechtfertigen?