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Bezahlen auf Europäisch – Wero will Privatpersonen bald EU-weit seine Dienste anbieten

Bezahlen auf Europäisch – Wero will Privatpersonen bald EU-weit seine Dienste anbieten

© insta_photos/Adobe Stock

Konkurrenz für PayPal & Co.

Das neue europäische Bezahlsystem Wero soll eine Alternative zu den großen US-Zahlungsdiensten bieten – die Erwartungen sind hoch.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026

Es soll die europäische Antwort auf US-Giganten wie PayPal oder Visa sein: das Bezahlsystem Wero des Bankenbündnisses European Payment Initiative, kurz EPI. Der Bezahldienst startete im Sommer 2024, ist bislang in Deutschland, Frankreich und Belgien verfügbar und bietet mobile Geldzahlungen zwischen Privatpersonen an.

Im Herbst 2025 wurde das System nun auf den Onlinehandel ausgedehnt. Zunächst in Frankreich, danach in Belgien und Deutschland. Der Ticketanbieter CTS EVENTIM zum Beispiel führte Wero als Zahlungsmöglichkeit Anfang November 2025 ein. In einem weiteren Schritt, wahrscheinlich in diesem Sommer, sollen Verbraucher auch Zahlungen im stationären Einzelhandel über Wero abwickeln können.

Gemischte Erfolgsprognosen

Zunächst aber geht es für den neuen Bezahldienst darum, sich auf dem Markt zu behaupten. Der Sparkassenverband Bayern (SVB) erwartet, dass Wero ein Erfolg wird. „Es wird sich nach und nach etablieren“, sagt Präsident Matthias Dießl (50). Zu einem anderen Schluss kommt hingegen das Forschungs- und Beratungsinstitut ibi research an der Universität Regensburg GmbH in einem aktuellen Report. Die Experten sagen Wero einen schweren Stand voraus.

„Wero löst kein akutes Problem“, begründet Georg Wittmann (47), Geschäftsführer von ibi research, diese Einschätzung: Sowohl für Händler als auch für Endkunden stünden aktuell etliche Zahlungsmöglichkeiten bereit. Ein neues System finde daher nur schwerlich ausreichend Akzeptanz.

Marktmacht eindämmen

Fakt ist: Wero ist vor allem eine Kampfansage an die großen US-Zahlungsdienstleister. Die Mega-Player, von Apple Pay über PayPal bis Visa, sind auch in Europa die vorherrschenden Bezahldienste. Sie bestimmen die Preise und könnten ihre Marktmacht womöglich missbrauchen.

Porträt von Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Befürworter von Wero

© SVB

Der europäische Zahlungsverkehr darf nicht dauerhaft von außereuropäischen Anbietern abhängig sein.

Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern

Die Einführung und das weitere Ausrollen von Wero sind somit in erster Linie der Versuch, sich unabhängig von den USA zu machen und eine souveräne europäische Alternative anzubieten. „Der europäische Zahlungsverkehr darf nicht dauerhaft von außereuropäischen Anbietern abhängig sein“, sagt SVB-Präsident Dießl. „Deshalb bauen wir in Europa mit Wero eine eigene starke Lösung auf.“

Geld in Echtzeit an Familie und Freunde

Die ersten Schritte sind durchaus geglückt. Private mobile Geldtransfers werden bereits getätigt. Laut dem Sparkassenverband Bayern hat Wero europaweit rund 45 Millionen Nutzer, davon 1,3 Millionen bei den deutschen beziehungsweise rund 200.000 bei den bayerischen Sparkassen.

Die Kunden setzen Wero ein, um Freunden oder Familienmitgliedern Geld in Echtzeit zu überweisen. Nach spätestens 10 Sekunden ist die Transaktion erfolgt. Dass Wero in diesem Segment einen Punkt machen konnte, liegt womöglich auch daran, dass der US-Anbieter PayPal, der eine vergleichbare Geldsendefunktion in Echtzeit anbietet, die Verbraucher zwischenzeitlich mit einer Sicherheitslücke verunsichert hatte.

Erste Händler starten

Wero soll nun in der nächsten Stufe im Einzelhandel zum Einsatz kommen, vorerst im E-Commerce, später dann auch in stationären Geschäften. In den vergangenen Wochen sind erste Händler wie der Discountriese Lidl und die Drogeriemarktkette Rossmann als Wero-Partner gestartet. Andere wie etwa die MediaMarktSaturn Retail Group in Ingolstadt haben Interesse bekundet, aber noch kein genaues Datum genannt.

Und mehr und mehr weitere Unternehmen kommen hinzu. Im Januar 2026 zum Beispiel auch der Feinkostspezialist Käfer – zunächst im Onlineshop und später in allen anderen Bereichen. „Schon bei der ersten Vorstellung von Wero durch die Hausbank waren wir begeistert von der Initiative, eine europäische Alternative zu den amerikanischen Zahlungsdienstleistern zu schaffen. Käfer hat sich entschieden, sich als deutsches Unternehmen in Europa dem anzuschließen“, sagt Michael Käfer (67), Vorstand der Käfer AG. Wero biete einen zusätzlichen Service für die Kunden, das Unternehmen wiederum erwarte eine hohe Kosteneffizienz.

Pluspunkt: Daten bleiben in Europa

Für Firmen liegt ein großer Vorteil von Wero in den Kosten des Zahlungsdienstleisters. Die angeschlossenen Händler können sehr wahrscheinlich mit niedrigeren Transaktionsgebühren rechnen, erwartet Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern e.V. (HBE). Das liegt nicht nur daran, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Beim neuen Anbieter Wero wird die Zahlung, anders als beispielsweise bei den Wettbewerbern Visa oder PayPal, nicht über eine 3. Instanz abgewickelt, sondern direkt mit dem Konto verbunden. Ein weiteres Pro-Argument Ohlmanns: „Die Daten bleiben in Europa.“

Eine nennenswerte Kostenersparnis kann ein starker Treiber für Neuerungen sein. Das ist bei Wero nicht anders als bei anderen Technologien. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob sich die Kosten tatsächlich deutlich verringern lassen. Schließlich erfordert die Einführung von Wero ebenfalls Geld, besonders die Implementierung in der IT-Umgebung und die damit verbundenen Schulungen für die Mitarbeiter.

Zeit zum Amortisieren

„Vor allem am Anfang werden die Erträge noch niedrig sein, es wird einige Jahre dauern, bis sich die Investitionen amortisiert haben“, erwartet ibi-research-Experte Wittmann. Die entscheidende Frage lautet seiner Meinung nach: Wann sind die Erträge hoch genug, dass sie die Ausgaben rechtfertigen?

Porträt von Georg Wittmann, Geschäftsführer von ibi research, kritische Einschätzung zu Wero

© ibi research

Es wird einige Jahre dauern, bis sich die Investitionen amortisiert haben.

Georg Wittmann, Geschäftsführer ibi research

Damit sich Wero bei den Nutzern durchsetzen kann, müssen außerdem möglichst viele Banken den Bezahldienst unterstützen. Bislang haben sich nicht alle deutschen Kreditinstitute dem Bankenbündnis EPI angeschlossen. Die Commerzbank AG und die DKB AG beteiligen sich beispielsweise noch nicht. Treiber von Wero sind vor allem die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken.

Die Konsumenten entscheiden

Unterstützung gibt es von der Bundesbank. Sie ist ein starker Befürworter des digitalen Euro und begrüßt die Entstehung von Wero ausdrücklich. Dies stärke Wettbewerb und Innovation im Binnenmarkt und unterstütze das Ziel des Eurosystems von mehr Autonomie und Resilienz im europäischen Zahlungsverkehr, heißt es in einem Statement für das „IT-Finanzmagazin“. Von dem neuen Bezahldienst könnte auch ein digitaler Euro profitieren, er ließe sich in die Wero-Wallet integrieren, so die Bundesbank.

Am Ende liegt es an den Konsumenten, ob sich das neue System durchsetzt. Nehmen sie Wero an oder ist ihnen ein Umstieg zu aufwendig, da sie bisher mit anderen Zahlungsdiensten gut zurechtgekommen sind? Möglicherweise, so ibi-research-Experte Wittmann, kommt es auf die Höhe der Anreize an: Vielleicht werde ein 5-Euro-Gutschein für den ersten Einkauf per Wero dem neuen Bezahlsystem zum Durchbruch verhelfen.