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Beste Werkstoffprüferin Kunststofftechnik – Carolin Pauli mit Ausbilder Thomas Haitzmann

Beste Werkstoffprüferin Kunststofftechnik – Carolin Pauli mit Ausbilder Thomas Haitzmann

© Thorsten Jochim

Wie Leidenschaft Leistung schafft

Zum 20. Mal wurden die besten Auszubildenden Deutschlands in Berlin geehrt. 2 der Top-Azubis und ihre Ausbilder aus Oberbayern berichten, wie solche Spitzenergebnisse zustande kommen.

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026

Sie strahlten um die Wette auf der großen Bühne in Berlin – und hatten auch allen Grund dazu. Die rund 200 ehemaligen Azubis sind die Bundesbesten in ihrem Beruf: Sie erzielten unter allen Teilnehmenden der Winter- und Sommerprüfungen des Jahrgangs 2025 in ihrem Ausbildungsberuf den besten Abschluss.

Dafür wurden sie auf einem Event mit rund 1.000 Gästen im Dezember 2025 auf der 20. Nationalen Bestenehrung im ECC Estrel Congress Center ausgezeichnet. Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), überreichte ihnen ihre Urkunden und Trophäen. „Wer etwas Handfestes kann, der hat eine gute berufliche Zukunft vor sich“, so Adrian. Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) würdigte in ihrer Festrede ebenfalls die Spitzenleistungen der Top-Absolventen.

Duale Ausbildung als Win-win

An diesem Abend wurde der Stellenwert der dualen Ausbildung in Deutschland wieder einmal überaus deutlich. „Sie lohnt sich für die Auszubildenden ebenso wie für die ausbildenden Betriebe“, betont Katharina Pointner, IHK-Expertin für Berufsbildung. Die jungen Leute erhalten ein starkes Fundament für ihren weiteren Berufsweg sowie gute Aufstiegsmöglichkeiten und verdienen früh ihr eigenes Geld. Die Arbeitgeber wiederum gewinnen die Fachkräfte, die sie in Zukunft benötigen.

„Wir bilden für den eigenen Bedarf aus“, bestätigt Thomas Haitzmann (40), Leiter Qualitätssicherung und Ausbilder bei der NOWOFOL Kunststoffprodukte GmbH & Co. KG in Siegsdorf. Das Unternehmen, das Hightech-Folien produziert und knapp 200 Mitarbeitende beschäftigt, hat in den vergangenen 9 Jahren 3 junge Menschen als Werkstoffprüfer ausgebildet. „Alle 3 sind im Unternehmen geblieben“, so Haitzmann. Einer habe sich 2 Jahre extern zum Techniker weitergebildet und sei danach wieder zu NOWOFOL zurückgekehrt.

Befähigen und machen lassen

Nun kommt mit Carolin Pauli die bundesbeste Werkstoffprüferin in der Fachrichtung Kunststofftechnik aus dem Unternehmen. Wie sie die Top-Leistungen erreicht hat? Ihr Ausbildungsleiter sei jederzeit für sie da gewesen, sagt Pauli. „Er hat mich viel selbst machen lassen und mir gleichzeitig viel beigebracht“, so die 22-Jährige.

Hinzu kommt die hohe Motivation der jungen Frau. Pauli ließ sich nicht davon abschrecken, dass sie etwa 300 Kilometer von Siegsdorf entfernt zur Berufsschule nach Selb in Franken fahren musste. Dort lebte sie insgesamt 13 Wochen pro Jahr in Blöcken von 2 bis 3 Wochen in einem Wohnheim. Auch ein Autounfall und eine Operation während der Lehrzeit hinderten sie nicht daran, die Prüfung als Beste ihres Jahrgangs zu bestehen.

Mit Kopf und Herz dabei

Sie brenne für den Beruf – und habe deshalb alles, was ihr beigebracht wurde, begierig aufgesaugt. „Wenn ich einmal etwas höre, habe ich es sofort verinnerlicht“, erklärt sie ihre sehr guten Leistungen.

Ihr Ausbilder Haitzmann nickt zustimmend, während Pauli erzählt. Dass sie sehr leistungsfähig sei. Dass sich die Mitarbeiter viel Zeit für die Auszubildenden nehmen würden. Dass sie ihnen frühzeitig kleine, spannende Projekte gäben, die die Azubis eigenverantwortlich umsetzten. Haitzmann betont aber auch, dass das Unternehmen bei der Auswahl der Azubis kritisch sei: „Wir stellen nur solche Schulabgänger ein, die sich mit dem Beruf und unserer Firma auseinandergesetzt haben, die echtes Interesse zeigen.“

Jonas Filgertshofer und Stephan Wiesböck vor großen Edelstahltanks in der Fruchtsaftproduktion

Beste Fachkraft für Fruchtsaftlogistik – Jonas Filgertshofer (l.) mit ORO-Chef Stephan Wiesböck

„Aushängeschild der Firma“

Mit Begeisterung ist auch Jonas Filgertshofer bei der Sache. Der 21-Jährige hat vor wenigen Monaten seine Ausbildung als Fachkraft für Fruchtsaftlogistik bei der ORO Obstverwertung eG in Rohrdorf beendet – als Bester in seinem Ausbildungsberuf. Kurz nach Ende der bestandenen Ausbildung wechselte Filgertshofer in den elterlichen Betrieb in Lenggries.

Für das Unternehmen sei die Ausbildung immer ein Gewinn – auch wenn ein Azubi nach der Lehre gehe. So sieht es Stephan Wiesböck (33), Filgertshofers Ausbilder und Vorstandschef der ORO Obstverwertung: „Die Azubis sind das Aushängeschild der Firma.“

Er verweist auf die Besonderheiten der heimischen Keltereien: In der Branche kenne und helfe man sich, Konkurrenzdenken liege den Betrieben fern. Hinzu kommt: Der Beruf ist selten. Für die gesamte Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol gibt es pro Jahr nur 2 Berufsschulklassen mit jeweils 15 bis 17 Teilnehmern. Die Berufsschule findet im Blockunterricht in Hessen statt. Die Ausbildung ist daher schon wegen der langen Wochen, Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt, eine Herausforderung.

Fragen erwünscht

ORO hat bereits 2 bundesbeste Auszubildende hervorgebracht. Wiesböck sieht einen Grund darin, dass die jungen Menschen im Unternehmen früh eigenverantwortlich arbeiten dürfen. Sein ehemaliger Azubi bestätigt das. „Von Anfang an konnte ich alle Abteilungen kennenlernen, von der Herstellung übers Lager bis hin zur Abfüllung.“ Und Filgertshofer nutzte seine Chance: „Ich konnte immer Fragen stellen“, sagt er, „und bekam immer Antworten.“