Von Daniel Boss, IHK-Magazin 1-2/2026
Herr Klein, was genau ist der Bayerische KI-Innovationsbeschleuniger?
Er ist unsere praxisnahe Antwort auf den AI Act aus Brüssel, die wir gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Digitales ins Leben gerufen haben. Diese EU-Gesetzesinitiative zur Regulierung von künstlicher Intelligenz sehen weite Teile der Wirtschaft mit Sorge: Gerade kleine und mittlere Firmen befürchten einen großen bürokratischen Aufwand, verbunden mit entsprechenden Kosten und dem Einsatz personeller Ressourcen.
Wir wollen Unternehmen dabei helfen, die neuen Vorgaben zu erfüllen, ohne dabei überfordert zu werden. Denn am schlimmsten wäre es, wenn Unternehmen nun eine Vermeidungsstrategie fahren würden und das Thema KI – und seine zweifellos großen und vielfältigen Chancen – aufgrund der regulatorischen Hürden vernachlässigen oder sogar ganz ignorieren würden.
Zu komplex für einen Nachmittag
Wie unterstützen Sie die Unternehmen?
Wichtig ist zu betonen, dass wir keine Rechtsberatung bieten und auch nicht jeden Einzelfall im Detail behandeln können. Es geht um die Vermittlung von methodischem Wissen, um Unternehmen in die Lage zu versetzen, selbst das Thema KI-Regulierung durch die EU anzugehen. Der AI Act ist umfangreich und zeichnet sich durch eine hohe Komplexität inklusive juristischer Sprache auf vielen Seiten aus. Das ist nichts, was man mal so nebenbei an einem Nachmittag durcharbeitet.
Welche Inhalte vermittelt der KI-Innovationsbeschleuniger?
Wir haben unsere Aufgabe in 3 große Bereiche unterteilt: Bildung, Tools und Methoden sowie Vernetzung und Veranstaltungen. Im Bereich Bildung vermitteln wir vor allem Grundlagen, technische Informationen sowie wichtige Hinweise dazu, wie man die Konformität Schritt für Schritt erreichen kann. Dabei setzen wir unter anderem auf Online-Live-Trainings mit unseren Expertinnen und Experten des appliedAI Institute for Europe, bei denen sich Unternehmen kostenlos „aufschlauen“ können.
Open-Source-Lösungen nutzen
Im Bereich Tools und Methoden geht es um Robustheit und Vertrauenswürdigkeit auf der technischen Ebene. Wir zeigen bewährte Praktiken für die Entwicklung von KI und gehen auf die Frage ein, wie man den regulatorischen Anforderungen mit Open-Source-Lösungen begegnen kann.
Und der 3. Bereich?
Durch Veranstaltungen vor Ort bringen wir die verschiedenen Perspektiven auf KI und die EU-Regulatorik zusammen. Bereits nach einem Jahr ist ein beachtliches Ökosystem entstanden, das kaufmännische, technische und juristische Aspekte mit den Nutzerbedürfnissen auf einer Plattform vereint. Der Austausch von Wissen in dieser stetig wachsenden Community ist sehr wertvoll. Weitere Veranstaltungen für 2026 sind in Planung.
Welche Zielgruppe haben Sie?
Wir wenden uns in erster Linie an Mittelstand, Start-ups und den öffentlichen Sektor. Ganz wichtig: Betroffen vom AI Act sind nicht nur Unternehmen und Institutionen, die eigene KI-Lösungen entwickeln, sondern auch solche, die vorhandene Lösungen für ihre Dienstleistungen, Produkte und internen Prozesse nutzen. Die Zielgruppe ist also sehr groß, hat aber – im Vergleich zu Konzernen – in der Regel nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung, um neben dem Alltagsgeschäft die KI-Regulatorik zu meistern.