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Digitalisierung – eine Chance für Effizienzgewinne

Digitalisierung – eine Chance für Effizienzgewinne

© industrieblick/Adobe Stock

Effizienter, mit weniger Fehlern

Digitale Prozessoptimierung: 3 Beispiele aus Oberbayern zeigen, wie innovative Lösungen die industrielle Fertigung verbessern können

Von Sabine Hölper, IHK-Magazin 1-2/2026

Märkte wandeln sich, neue Technologien kommen auf, Kundenbedürfnisse verändern sich – diesen Wandel können Unternehmen mit Innovationen aktiv gestalten und so langfristig wettbewerbsfähig bleiben. Neuartige Ideen und Lösungen sind ein wichtiger Faktor für Wachstum, Effizienz und nachhaltigen Erfolg. Das gilt nicht nur für Geschäftsmodelle und Produkte von Unternehmen, sondern auch für ihre Fertigungsprozesse.

Um die Abläufe effizienter, sicherer und fehlerärmer zu gestalten, ist die Digitalisierung der industriellen Prozesse entscheidend. Firmen sollten dabei nicht in erster Linie darauf schauen, welche Lösungen technologisch möglich sind, rät Birgit Petzold, Referentin Innovation und Industrie bei der IHK für München und Oberbayern. Stattdessen sollten sie im ersten Schritt genau überlegen, „wo im oder rund um den Fertigungsprozess Schwachstellen liegen, und dafür eine Lösung suchen“.

Innovationen für Industrieprozesse

Unterstützung bietet dabei eine Reihe von Anbietern, die sich auf die Digitalisierung und Optimierung von Produktionsprozessen spezialisiert haben. Wie das in der Praxis konkret aussehen kann, zeigen hier exemplarisch 3 Unternehmen aus Oberbayern, die interessante Innovationen für industrielle Prozesse entwickelt haben. 2 der Unternehmen waren außerdem für den Innovationspreis Bayern 2024 (siehe auch Infokasten unten) nominiert.

NEXUSTEC GmbH: Abweichungen in Echtzeit erkennen

Innovative Prozesse steigern die Effizienz, sie minimieren den Ausschuss und sind die „große Chance, international wieder wettbewerbsfähiger zu werden“. So formuliert es Maximilian Kaltenecker (43), Geschäftsführer der Münchner NEXUSTEC GmbH. Seine Firma ist auf KI-gestützte Qualitätskontrolle spezialisiert. Sie hilft Unternehmen etwa aus der Automobilindustrie oder der Medizintechnik, digitaler, nachhaltiger und effizienter zu werden.

Kern der Lösung ist dabei die von den Münchnern entwickelte KI-basierte Software „TRiMiTi“, die Kameradaten und weitere Datenquellen integriert und die Produktionsprozesse in Echtzeit auf Prozesskonformität überprüft. Damit soll es möglich werden, eine fehlerfreie Fertigung und Logistik zu etablieren – und zwar sowohl bei automatisierten als auch bei manuellen Abläufen.

Maximilian Kaltenecker, Geschäftsführer der NEXUSTEC GmbH, vor Messanlage mit TRiMiTi-Software

Auf KI-gestützte Qualitätskontrolle spezialisiert – Maximilian Kaltenecker, Geschäftsführer NEXUSTEC

KI und Kameras

Ein Anwendungsbeispiel: Der Automobilzulieferer Schaeffler Technologies AG & Co. KG aus Herzogenaurach wollte die Fehlerquote bei einem bestimmten Bauteil reduzieren. „Wir haben daraufhin an einer voll automatisierten Montagelinie eine End-of-Line-Prüfung mit insgesamt 5 Kameras installiert“, erläutert NEXUSTEC-Chef Kaltenecker. 2 weitere Kameras überwachen die manuelle „Just-in-Sequence-Verpackung“.

Das Ergebnis: „Wir konnten die internen Produktionsfehler zu 100 Prozent identifizieren und die Fehlerquote der ans Band des Kunden gelieferten Bauteile auf null senken“, sagt Kaltenecker. „Und das bei einer Produktionsmenge von mehr als 1,5 Millionen Teilen.“

Automation W+R GmbH: Die Qualität im Blick

Die in München ansässige Automation W+R GmbH entwickelt und baut Prüfsysteme für die industrielle Qualitätssicherung. Der Mittelständler stellt vor allem automatisierte Lösungen zur optischen Inspektion von Oberflächen, Schweißnähten und zur Inline-3D-Vermessung her. „Wir verleihen den Robotern Augen“, so beschreibt es Geschäftsführer Paul Gruber (39).

Engineering, Hard- und Software, Robotik und Service kommen aus einer Hand, das ermögliche eine nahtlose Integration in bestehende Produktionslinien, verspricht er. Dabei liegt der Fokus auf sicherheitskritischen Bauteilen und Anwendungen, bei denen hohe Qualität, Reproduzierbarkeit und Kosteneffizienz gefragt sind.

Roboter wachen über Bauteile

Die Kunden sind vor allem Unternehmen aus der Automobilbranche wie zum Beispiel die BMW Group, ferner Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Hersteller von Schienenfahrzeugen. In diesen Sektoren müssen zentrale Bauteile – etwa Bremsscheiben im Auto oder Turbinen von Flugzeugen – streng auf sicherheitsrelevante Merkmale überprüft werden.

Ein wachstumsstarkes Geschäftsfeld ist für Automation W+R die Prüfung von Batterien für Elektrofahrzeuge. „Diese Batterien enthalten zahlreiche Schweißverbindungen und müssen extrem hohe Anforderungen erfüllen – sowohl in puncto Sicherheit als auch bei der Effizienz“, erklärt Geschäftsführer Gruber. „Unsere Prüfsysteme sichern konstant hohe Qualität bei höchster Taktzeit und minimaler Fehlertoleranz.“

Porträt von Paul Gruber, Geschäftsführer der Automation W+R GmbH, vor grauem Hintergrund

„Wir verleihen den Robotern Augen“, sagt Paul Gruber, Geschäftsführer von Automation W+R

Hochwertig, sicher, geringe Kosten

Unternehmen mit fast 50 Mitarbeitern nutzt hierfür auch künstliche Intelligenz. „Schon seit mehr als 8 Jahren“, sagt Gruber und nennt die Vorteile: eine effizientere und nachhaltigere Produktion, höhere Qualität, mehr Sicherheit und geringere Kosten.

Linexa GmbH: Back-up für die Produktion

Je stärker Systeme miteinander vernetzt sind, desto fataler wirken sich etwaige Störungen aus. Das Start-up Linexa stellt daher die Produktionsresilienz in den Mittelpunkt. Denn fällt eine Maschine aus – sei es durch einen Cyberangriff, ein defektes Teil oder eine Neukonfiguration –, kann dies eine Reihe weiterer Ausfälle nach sich ziehen.

Eine stillstehende Produktionsstraße sei immens teuer, das könne mit einer 6- bis 7-stelligen Summe zu Buche schlagen, sagt Linexa-Geschäftsführer Viktor Stryczek (32). Sein 2025 gegründetes Unternehmen hat eine KI-basierte Software entwickelt, die solche Ausfälle vermeiden hilft und die Sicherheit stärkt.

Porträt von Viktor Stryczek, Geschäftsführer der Linexa GmbH, im Freien mit unscharfem Hintergrund

Will vernetzte Systeme vor Störungen und ihren Folgen bewahren – Viktor Stryczek, Geschäftsführer Linexa

Cloudbasierte Lösung gegen Maschinenausfälle

„Wir stellen unseren Kunden ein effizientes Back-up- und Recovery-System der Steuerungen zur Verfügung. Es liest und analysiert alle wichtigen Informationen, ist immer auf dem aktuellsten Stand und zu 100 Prozent genau.“

Obwohl das Start-up erst kürzlich mit seiner Innovation auf den Markt gegangen ist, konnte es bereits einige namhafte Kunden, etwa aus der Lebensmittel- und Automobilzuliefererindustrie gewinnen. Die Investition in die cloudbasierte Lösung zahle sich eben sehr schnell aus, sagt Stryczek: „Schon bei einem Produktionsausfall erzielen unsere Kunden einen Return on Investment.“

IHK-Info: Innovationspreis Bayern – bis zum 25. Januar 2026 bewerben!

Der Innovationspreis Bayern prämiert herausragende Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie innovative technologieorientierte Dienstleistungen, die bereits einen ersten Markterfolg verbucht haben oder bei denen der Markterfolg absehbar ist. Die Auszeichnung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, der bayerischen IHKs (BIHK) sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern wird alle 2 Jahre in 5 verschiedenen Kategorien vergeben. Unternehmen können sich für den Innovationspreis Bayern 2026 noch bis zum 25. Januar 2026 online bewerben.