Starkes Finale
Letzte Sitzung des IHK-Verkehrsausschusses in dieser Wahlperiode: großer Abschied für Georg Dettendorfer, Mitglieder mit Ausschuss-Arbeit super zufrieden
Von Martin Armbruster
Es war ein gelungenes Finale nach fünf Jahren Ausschuss-Arbeit: Am 4. Februar tagte im IHK-Börsensaal zum letzten Mal in der ablaufenden IHK-Wahlperiode von 2021 bis 2026 der IHK-Verkehrsausschuss. Zum Abschluss standen zwei spannende Themen auf der Agenda: die Folgen des autonomen Fahrens für den Versicherungsschutz von Lkws und Firmenflotten und die digitale Lösung eines chronischen Problems – der Mangel an Park- und Standplätzen für Lkws.
Jan-Hendrik Wolf, Produktentwickler bei der R+V Versicherung, machte in seinem Vortrag klar, dass seine Branche die „Vision Zero“, also ein Straßenverkehr, in dem es überhaupt keine Unfälle mehr gibt, für eine Illusion hält. Wolf erklärte, es gebe fünf Stufen autonomen Fahrens und bis zur letzten Stufe sei es noch ein weiter Weg. Wolf verwies auf einen Unfall, den eine Woche vor der Sitzung ein Robotaxi von Waymo verursacht hatte. Ein Kind wurde zum Glück nur leicht verletzt. Wolf sagte, es werde weiter Versicherungsschutz brauchen.
Mit dem Thema fehlende Standplätze für Lkw hatte sich der Ausschuss regelmäßig beschäftigt. Die Digitalisierung könnte dieses Problem zumindest entschärfen. Das erklärte Thorsten Gutmann, Projektleiter des Unternehmens KRAVAG Truck Parking. Die Idee ist simpel: Speditionen, die freie Parkflächen haben, weil ihre Lkws auf Tour sind, öffnen die für andere Speditionen. Eine App übernimmt die Vermittlung. Allerdings müssen die Speditionen da auch mitspielen.
Im Mittelpunkt der Sitzung stand eine Personalie, ein großer Abschied. Georg Dettendorfer hat als Vorsitzender zum letzten Mal die Sitzung geleitet. Dettendorfer sprach von einem „emotionalen Moment“, und das merkte man ihm auch an. „Es war eine schöne, wunderbare Zeit“, sagte der Spediteur. Er sei aber kein Mann, der an Ämtern klebe.
Dettendorfer war 16 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender und als Vorsitzender für den Ausschuss aktiv. Er sagte, private Gründe hätten ihn bewogen, das Amt aufzugeben. Zudem täte dem Ausschuss eine neue Frau oder ein neuer Mann an der Spitze sicher gut. Dettendorfer ließ in Schlaglichtern seine Amtszeit Revue passieren: Bahn-Privatisisierung, der verpatzte Start der Lkw-Maut mit Toll Collect, das Scheitern der Pkw-Maut. Dettendorfer sagte, er habe noch Zeiten erlebt, in denen Verkehrsprojekte fristgerecht gebaut und finanziert wurden.
Dettendorfer fragte sich vor dem Ausschuss selbstkritisch, ob er Spuren hinterlassen habe. Seinen Worten zufolge war er bei 60 Ausschuss-Sitzungen dabei, hat neun Bundesverkehrsminister und acht bayerische Verkehrsminister erlebt. Aber eines, stellte er fest, habe sich nie geändert: die wachsende Kluft zwischen Anspruch und Realität deutscher Verkehrspolitik, die er als Spediteur täglich spüre.
In 16 Jahren, rechnete Dettendorfer vor, habe es das Land nicht geschafft, die Schlüsselprojekte Brenner-Nordzulauf, die Schienen-Ausbaustrecke München-Mühldorf-Freilassing (ABS 38) und den Ausbau der A 8 zu realisieren. Man kämpfe immer noch mit Tiroler Fahrverboten und Blockabfertigung. Das Kernziel der Verkehrspolitik, die Verlagerung der Gütertransporte auf die Schiene, habe man grandios verfehlt. „Die Verlagerung auf die Schiene war noch nie so schwierig wie heute“, stellte Dettendorfer fest.
In der Realität passiere das Gegenteil von dem, was die Politik erreichen wollte: „Es werden Gütertransporte auf die Straße rückverlagert“, berichtete Dettendorfer. Die Aussichten seien unverändert düster. Er rechnet damit, dass die geplanten monatelangen Vollsperrungen der Bahnstrecken Rosenheim – Salzburg und München – Rosenheim diesen Trend verstärken werden.
Die IHK, versicherte Dettendorfer, habe die Politik deutlich auf solche Fehlentwicklungen hingewiesen. Man habe auch vergeblich vor dem Fachkräftemangel gewarnt. Passiert sei nichts. Momentan sei die Lage noch schlimmer, als man befürchtet habe. Bundesweit fehlten 80.000 bis 100.000 Fahrer. Aber von Resignation hält der Spediteur gleichwohl nichts.
In der Corona-Zeit habe sich gezeigt, was man politisch erreichen könne. Wie Dettendorfer sagte, habe man mit einem Telefonat mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die geplante Vollsperrung des Verkehrs an der österreichischen Grenze verhindern können. Lkw-Fahrer konnten sich stattdessen an einem Test-Center an der Grenze freitesten lassen.
IHK-Bereichsleiter Martin Drognitz bedankte sich für Dettendorfers jahrelanges Engagement. Drognitz erinnerte an eine Veranstaltung im Oktober 2024 im Paulanter auf dem Nockherberg, zu der man den DIHK-Verkehrsausschuss eingeladen hatte. Laut Drognitz fanden die Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet die Diskussion mit Bayerns Verkehrsminister Andreas Benreiter (CSU) ganz interessant. Begeistert hätte sie aber das bayerische Bier und „Dettendorfers Stubn Musi“. „Das ist heute die Benchmark für DIHK-Veranstaltung“, sagte Drognitz.
Lob für seine Arbeit erhielt Dettendorfer auch von den Ausschuss-Mitgliedern. Demnach wirkt Dettendorfer mit seiner Bodenständigkeit und Nahbarkeit besonders überzeugend. „Für mich ist jede Sitzung ein Gewinn gewesen. Ich habe das, was ich da erfahren habe, an meine Mitarbeiter und andere Firmenchefs weitergegeben“, sagte ein Unternehmer.
Auch IHK-Referatsleiter Korbinian Leitner zog ein positives Fazit der Ausschuss-Arbeit. Man habe in den 14 Ausschuss-Sitzungen die Themen aufgegriffen, die die Unternehmen beschäftigt hätten. Die Palette habe vom Busverkehr über den Brenner-Transit bis zur Verkehrssteuerung mit KI gereicht. Zudem sei es über den DIHK in Berlin gelungen, IHK-Positionen auf Bundesebene zu hieven. „Das steht dann 1:1 im Koalitionsvertrag. So macht die Arbeit Spaß“, sagte Leitner.
Offenbar sehen das im Ausschuss alle so. Die Mitglieder hatten die Möglichkeit, die Ausschuss-Arbeit via Smartphone-Voting zu beurteilen. Das Ganze fiel sehr positiv aus. Drognitz sprach von einem super Ergebnis. Dettendorfer forderte die Mitglieder dazu auf, weiter auf die Politik einzuwirken. Das Ehrenamt gelte in der Debatte als besonders glaubhaft. Leitner betonte, die Arbeit des neuen Verkehrsausschusses beginne zwar erst im Oktober, gleichwohl sei jetzt schon sicher: „Es wird spannend bleiben.“
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem beigefügten Protokoll.