Neujahrsempfang von Wirtschaftsforum Oberland, IHK und Handwerkskammer
„Seit 2020 durchleben wir Zeiten voller Unwägbarkeiten, mit wirtschaftlichem Auf und Ab, besorgniserregenden Ereignissen im In- und Ausland, Zeiten voller unerledigter Aufgaben und einem politischem Reformstau sonders Gleichen“, erklärte Willibald. Besonders sorge ihn als Familienunternehmer in der vierten Generation die aktuelle Diskussion um die Erbschaftsteuer. Er bezeichnete die politische Debatte über die Besteuerung der Übertragung von Betriebsvermögen auf die nachfolgende Generation als schädlich und gefährlich, vor allem in einer Zeit ohne Wirtschaftswachstum und mit Arbeitsplatzabbau, in der es ohnehin schon schwierig sei, in der eigenen Familie Nachfolger zu finden. Willibald warnte: „Es sind die Familienunternehmen, die das Gros der Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Sie sind oft robuster und beständiger als große Industrieunternehmen und finden letztendlich kaum politische Beachtung. Unseren Nachfolgern könnte ein vernünftiger Start in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld durch hohe Erbschaftsteuerlasten unmöglich gemacht werden.“
In seiner Ansprache dankte der Aufsichtsratsvorsitzende weiterhin Landrat Josef Niedermaier für seine jahrzehntelange bürgernahe und unverschlüsselte politische Arbeit für die Region, Gesellschaft und Wirtschaft. Nach 18 Jahren an der Spitze des Landratsamts tritt Niedermaier nicht mehr zur Kommunalwahl an.
Der folgende Vortrag von Christian Stummeyer, Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt, über Künstliche Intelligenz (KI) und wie sie Prozesse in Unternehmen revolutionieren kann, traf den Nerv des Publikums. Stummeyer beeindruckte mit vielen Anwendungsbeispielen aus der Welt von Chat GPT & Co. Diese führten unmissverständlich die Leistungsfähigkeit der Sprachmodelle vor Augen. So bewältigen beispielsweise die meisten Lösungen inzwischen die Aufgaben aus dem bayerischen Abitur mit Bestnoten, und das in Sekundenschnelle. Zur Sprache kamen aber auch Gefahren und dunkle Seiten der KI wie sogenannte Halluzinationsrisiken, Datenschutzprobleme, die Gefahr von gefälschten Bildern, Avataren und Informationen.
„KI macht jedoch vieles leichter“, so Stummeyer. Sie verhelfe zu mehr Tempo und Effizienz im Arbeiten, zu höherer Produktivität und besserer Qualität der Ergebnisse. „Mitarbeiter und KI müssen zu einem Dreamteam werden. Mitarbeiter müssen lernen, die KI zu steuern, zu führen“, lautete sein Appell und damit Versuch, vereinzelt geäußerte Sorgen im Publikum zu beschwichtigen. Der KI-Experte stellte zudem einen weiteren für Unternehmer sehr entscheidenden Aspekt heraus: „Wenn Sie weiter erfolgreich sein wollen, müssen Sie mit Ihren Produkten und Lösungen in den Sprachmodellen auffindbar sein, denn Ihre Kunden sind dort schon längst unterwegs.“ KI im Unternehmen, so das Fazit des Abends, ist inzwischen keine Kür mehr, sondern Pflicht.
Bildunterschrift (Copyright: Arndt Pröhl): Viele Gäste waren der Einladung zum Neujahrsempfang ins Tölzer Kurhaus gefolgt.