Die Geschäftslage bricht regelrecht ein und erreicht das schlechteste Niveau seit Beginn der regionalen Aufzeichnung im Jahr 2015. Gute Geschäfte melden nur 21 Prozent der Betriebe, bei 36 Prozent der Unternehmen laufen sie schlecht. Die Belastung durch hohe Energiepreise steigt am energieintensiven Standort weiter an und wird von 63 Prozent als Problem genannt. Die schwache Nachfrage bleibt für 57 Prozent der Unternehmen ein Bremsfaktor. Hohe Preise bei Rohstoffen und Waren (54 Prozent) hemmen die Geschäfte deutlich öfter als noch im Herbst (38 Prozent). Jedes zweite Unternehmen in der Region sieht sich zudem von Handelshemmnissen wie etwa Zöllen beeinträchtigt.
Eine einsetzende Trendwende in den kommenden Monaten ist nicht absehbar, die Geschäftserwartungen lassen aber zumindest keine weitere Verschlechterung annehmen. 26 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, während 21 Prozent von schlechteren Geschäften ausgehen. Beim Blick auf die Risiken zeichnet sich ein sinkendes Vertrauen in den Standort ab: Drei von vier Unternehmen sehen inzwischen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Risiko. Vor einem Jahr waren es noch drei von fünf Betrieben. Die Arbeitskosten erreichen als Risiko mit 60 Prozent der Nennungen ein ebenfalls äußerst hohes Niveau. Energie- und Rohstoffpreise sowie eine schwache Nachfrage bereiten jeweils 57 Prozent der Unternehmen Sorge, während der Arbeitskräftemangel (41 Prozent) angesichts des schwachen Arbeitsmarkts an Bedeutung verliert.
Die Investitionspläne der regionalen Unternehmen bleiben verhalten. 23 Prozent wollen Investitionen steigern, 24 Prozent wollen ihre Investitionen zurückschrauben. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen stehen weiterhin klar im Zeichen von Stellenabbau: Nur 16 Prozent der Unternehmen planen einen Stellenaufbau, 28 Prozent wollen dagegen Stellen streichen.
Obermeier-Osl: Dem Standort läuft die Zeit davon
„Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage sind alarmierend und ein Warnsignal“, sagt Ingrid Obermeier-Osl, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Altötting-Mühldorf und IHK-Vizepräsidentin. „Eine solch lang anhaltende Talfahrt der heimischen Wirtschaft haben wir noch nicht erlebt. Die Unternehmen in der Region kämpfen weiter mit einer Flut an Bürokratie, international nicht wettbewerbsfähigen Energiekosten, einer schwächelnden Konsumlaune und den weiter steigenden Lohnnebenkosten. Um aus dieser Situation herauszukommen und die Wirtschaft wieder zum Laufen zu laufen zu bringen, braucht es endlich Strukturreformen – und zwar jetzt.“
Obermeier-Osl macht deutlich: „Der Wirtschaft fehlt die Planungssicherheit, wir warten auf verlässliche Entscheidungen und spürbare Strukturreformen – bislang leider vergeblich.“ Die IHK-Regionalausschussvorsitzende fordert von der Bundespolitik, die steigenden Kosten für Sozialversicherungsbeiträge einzubremsen. „Die Menschen brauchen mehr Anreize, mehr zu arbeiten. Dazu dürfen die Arbeitskosten nicht weiter davon galoppieren. Es braucht an allen Ecken und Enden eine Entlastung der Wirtschaft. Die Politik muss mehr Unternehmertum fördern, Gründungen erleichtern und jungen – genauso wie alteingesessenen Unternehmen – das Leben einfach leichter machen. Wenn dann noch über vielen familiengeführten Mittelständlern das Damoklesschwert namens Erbschaftsteuer hängt, riskiert das nicht nur die Planungssicherheit der Firmen, sondern zwingt im schlimmsten Fall ganze Betriebe in die Knie. Unternehmen brauchen wieder mehr Beinfreiheit, verlässliche Entscheidungen und Planungssicherheit, sonst werden es harte Jahre für die Wirtschaft in der Region.“
Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht Anfang bis Mitte Januar zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Altötting und Mühldorf befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.