Von Manfred Gößl, IHK-Magazin 1-2/2026
Mit dem Titel „Versorgungstaat - der moderne Wahn“ ist das 12. Kapitel im Buch „Wohlstand für Alle“ überschrieben. Der Klassiker von Ludwig Erhard ist erstmals 1957 erschienen. Aber seine dort aufgeschriebenen Gedanken und Grundsätze zur Sozialen Marktwirtschaft sind zeitlos gültig. Erhard war zutiefst überzeugt, dass die Soziale Marktwirtschaft nicht funktionieren kann, wenn Selbstverantwortung und Leistungswillen durch vermeintlich soziale Maßnahmen unterdrückt werden. Hier kommt seine zentrale Botschaft:
Der Ruf dürfte nicht lauten: „Du, Staat, komm mir zu Hilfe, schütze mich und helfe mir“, sondern umgekehrt: „Kümmere du, Staat, dich nicht um meine Angelegenheiten, sondern gib mir so viel Freiheit und lass mir von dem Ertrag meiner Arbeit so viel, dass ich meine Existenz, mein Schicksal und das jenige meiner Familie selbst zu gestalten in der Lage bin.“
Ludwig Erhard warnte nachdrücklich vor der Gefahr einer „kollektiven Generalhaftung“, an deren Ende „natürlich immer die Allmacht des Staates“ stehe.
Wie recht er damit hat! Betrug die Sozialleistungsquote, also der Anteil aller öffentlichen Sozialleistungen am Bruttoinlandsprodukt, Ende der 1950er-Jahre rund 18 Prozent, so haben wir mittlerweile mehr als 31 Prozent erreicht. Tendenz weiter steigend. Über 500 Sozialleistungen, die auf Bundesebene geregelt sind, hat das ifo Institut erst kürzlich ermittelt – Überschneidungen, Definitionsund Zuständigkeitswirrwarr inklusive.
Ob diese Flut staatlicher Sozialleistungen überhaupt noch wirkt, lässt sich laut ifo schlichtweg nicht mehr messen. Was wir wissen, ist nur, dass Deutschland heute das Land mit der höchsten Prämie fürs Nichtarbeiten ist. Es kann nur ein Fazit geben: Der „moderne Wahn“ ist zum „Wahnsinn“ mutiert.
Wie Ludwig Erhard wohl den heutigen Zustand kommentieren würde?
Lassen wir ihn abschließend noch einmal selbst zu Wort kommen: Die Blindheit und intellektuelle Fahrlässigkeit, mit der wir dem Versorgungs- und Wohlfahrtsstaat zusteuern, kann nur zu unserem Unheil ausschlagen. Es ist allerhöchste Zeit, zur Besinnung zu kommen. Das neue Jahr bietet neue Gelegenheiten.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute im neuen Jahr: Gesundheit, Glück und Erfolg.