4. Bayerischer CSR-Tag

Lieferketten nachhaltig und transparent gestalten

Suche nach der richtigen Balance: Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Wunsch und Machbarkeit

Die Wirtschaft weiß heute sehr gut um die Bedeutung des Themas – das war das Fazit des 4. Bayerischen CSR-Tages, der unter dem Motto „Lieferketten nachhaltig und transparent gestalten“ am 5. Oktober in der Münchner IHK Akademie stattfand. Bayerische IHKs (BIHK) und das Staatsministerium für Arbeit und Soziales hatten zu dieser Veranstaltung geladen. Rund 90 Teilnehmer kamen, um sich über diesen zentralen Aspekt der Nachhaltigkeit zu informieren. Neben den Entwicklungen in der Weltpolitik habe insbesondere die Serie von Unglücken in Zulieferbetrieben westlicher Markenhersteller zu einer gesellschaftlichen Trendwende geführt. Das Thema sei auch auf die Agenda der Politik gerückt. Der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung wird derzeit mit Spannung erwartet. Manfred Gößl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, sagte, zum Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns gehöre heute auch die verantwortungsvolle Gestaltung des Lieferkettenmanagements. Gößl und Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller betonten, gerade Bayerns langfristig denkende Familienbetriebe seien dazu bereit – weil diese seit jeher im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns unternehmerisch verantwortungsvoll handeln. Kunden, Kooperationspartner und Gesellschaft legen immer mehr Wert auf nachhaltiges Wirtschaften, beurteilen Unternehmen danach und interessieren sich vermehrt dafür, unter welchen Bedingungen ein Produkt hergestellt wurde.

Zwischen Wunsch und Machbarkeit stehen reale Hürden

Zwischen Wunsch und Machbarkeit stehen jedoch reale Hürden, wie es der Unternehmer Christopher Haas erläuterte. Ein Mittelständler habe es schwer, wenn er mit Chinas Regierung über den Import Seltener Erden verhandelt. Und Audi-Manager Dr. Peter Faust räumte ein, selbst für einen Konzern sei es eine Herausforderung, Nachhaltigkeit in Lieferketten sicherzustellen. Das liege zum einen schon an der Vielzahl an 1st-tier-Lieferanten, zum anderen seien die Lieferketten vielstufig, sodass es schwierig sei, alle Unterlieferanten bis auf Rohstoff-Ebene überhaupt zu kennen. Bei Audi gehe man nun den Weg, Nachhaltigkeit bei den 1st-tier-Lieferanten nicht nur einzufordern, was man heute schon macht, sondern zukünftig vor Ort zusätzlich Checks durchzuführen. Erwartet werde, dass die 1st-tier-Lieferanten wiederum gleiche Maßstäbe bei ihren Lieferanten ansetzen. "Standards helfen, damit Nachhaltigkeits-Checks effektiv und effizient umgesetzt werden können", sagte Faust. Gertrud Oswald, CSR-Verantwortliche der IHK, meinte, die Gesellschaft dürfe die Unternehmen auch nicht mit Erwartungen überfordern. Wenn der Konsument mehr Transparenz in der Lieferkette wolle, müsse er auch im Kaufverhalten mitspielen. Zudem sei es Aufgabe der Politik, für faire Rahmenbedingungen des Welthandels zu sorgen. "Als IHK sehen wir uns in der Rolle des Bindeglieds zwischen Unternehmen und Politik", sagte Oswald.

Das Vertragsrecht kann ein wichtiger CSR-Hebel sein

Weitere Erkenntnisse der Veranstaltung: Das Vertragsrecht kann als wirksames CSR-Instrument dienen, etwa wenn weitreichende Kontrollen mit dem Zulieferer vereinbart werden. Und Alexander Kraemer, Chef eines gemeinnützigen Unternehmens zur Wiederverwertung ausrangierter Computer-Hardware, erklärte, eine Lieferkette sei nur dann nachhaltig, wenn sie Entsorgung und Recycling miteinbeziehe. „CSR bringt nichts, wenn am Ende die Kinder in Afrika giftige Wertstoffe aus unserem Elektroschrott kratzen“, so Kraemer. Müller und Gößl warnten davor, die Unternehmer zu überfordern. Beide sprachen sich gegen gesetzliche Regelungen aus. Gößl sagte, es gehe um die richtige Balance von Engagement und Bürokratie. Die Ministerin lobte die IHK ausdrücklich für ihre CSR-Initiative. Gemeinsam werde man einen Leitfaden erstellen und eine Online-Plattform starten, die den Betrieben den Einstieg in das Thema CSR erleichtern.

Tipps zum Nachhaltigen Lieferkettenmanagement

Programm 4. Bayerischer CSR-Tag