Nur knapp 30 Prozent der rund 420.000 IHK-Mitgliedsunternehmen in Oberbayern werden aktuell von Frauen geführt oder mitgeführt. (Stand: 31.12.2023). Unterm Strich liegt also noch viel weibliches Gründungs- und unternehmerisches Potenzial brach.

Aktuelle Situation: Unternehmerinnen in Oberbayern

33% der IHK-Unternehmen in Frauenhand

Der Wirtschaftsstandort Oberbayern ist wirtschaftlich sehr erfolgreich und weist auch bei den Unternehmensgründungen eine überdurchschnittliche Dynamik auf.

33 Prozent der rund 400.000 IHK-Mitgliedsunternehmen in Oberbayern werden aktuell von Frauen geführt oder mitgeführt. Bei den ins Handelsregister eingetragenen Unternehmen sind es 27 Prozent (Stand 31.06.2025). Bei den Gründungen liegt die Frauenquote seit Jahren bundesweit unverändert bei durchschnittlich rund 40 Prozent, bei Nebenerwerbsgründungen lag die Quote 2023 bei 46 Prozent (KfW-Gründungsmonitor 2024). Betrachtet man die Vollerwerbsgründungen ergibt sich allerdings eine schlechtere Bilanz. 2023 lag der Anteil der Frauengründungen im Vollerwerb bundesweit bei 40 Prozent (KfW-Gründungsmonitor 2024).

Noch eindeutiger fiel die Quote bei den Startups aus: hier wurden nur knapp 19 Prozent von Frauen gegründet oder mitgegründet (Deutscher Startup Monitor 2024). Damit liegt der Anteil nach wie vor weit hinter den männlichen Startup-Gründungen. Die technische Qualifikation von Frauen kann dafür nur bedingt als Erklärung dienen. Der Anteil von MINT-Studentinnen liegt mittlerweile bundesweit bei mehr als 34,5 Prozent (Statistisches Bundesamt).

Unterm Strich liegt also noch viel weibliches Gründungs- und damit unternehmerisches Potenzial brach – gerade auch im Technologiebereich.

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Dafür setzen wir uns ein: Unternehmerinnen stärken

Beschluss der Vollversammlung der IHK für München und Oberbayern am 26. Juni 2024

Die IHK für München und Oberbayern setzt sich ein für mehr Unternehmerinnen und spricht sich für Folgendes aus:

1. Mehr Unternehmerinnen als Vorbilder und eine bessere Sichtbarkeit

Studien identifizieren als Ursachen für das risikoaverse Gründungsverhalten von Frauen vor allem das Fehlen von Vorbildern. Positive Rollenvorbilder geben Orientierung, beeinflussen Entscheidungen und machen Mut. Erfolgreiche Unternehmerinnen und Gründerinnen gerade auch im Startup-Bereich können als Role Models wichtige Impulse für mehr Gründung und mutige Wachstumsziele setzen. Hierfür braucht es:

  • die Auslobung eines bayerischen Unternehmerinnen- und Gründerinnenpreises mit Preisträgerinnen in jedem Regierungsbezirk,
  • ein gezieltes Sichtbarmachen von erfolgreichen Unternehmerinnen und Gründerinnen als positive Vorbilder in der Öffentlichkeit, u.a. auch in den öffentlich-rechtlichen Medien.

2. Verankerung des unternehmerischen Handelns in den Lehrplänen der Schulen

Auch bei der Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen spielen Vorbilder eine große Rolle. Eine stereotype und risikoaverse Erziehung von Mädchen führt zudem dazu, dass Frauen ihre eigenen Fähigkeiten häufig zu gering einschätzen, seltener naturwissenschaftliche oder technische Berufe wählen und die eigene Selbstständigkeit weniger im Kalkül haben. Um Schülerinnen zur späteren Gründung oder Nachfolge zu ermutigen, braucht es:

  • die Förderung der technischen und mathematischen Fähigkeiten und Interessen von Mädchen, um Gründungen im technisch orientierten und wachstumsintensiven Startup-Bereich zu stärken,
  • die Verankerung unternehmerischen Denkens als fester Bestandteil in den Lehrplänen an Mittel-, Realschulen und Gymnasien mit verpflichtenden Schulprojekten zur Gründung von Schüler/-innenunternehmen, Unternehmensbesuchen nach dem Vorbild des IHK-Girls‘Day “Ich werde Chefin” und Unternehmerinnenbesuchen an den Schulen.

3. Besserer Zugang zu Kapital für Gründerinnen und Unternehmerinnen

Die Finanzierung stellt für Frauen eine höhere Hürde dar als für Männer. Gründerinnen werden bei Investitions- und Finanzierungsentscheidungen durch Banken und Wagniskapitalgeber kritischer geprüft, was dazu führt, dass sie weniger externe Finanzmittel und vermehrt die Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis nutzen. Frauengeführte Start-ups erhalten von Venture-Capital-Gebern weniger häufig und geringere VC-Investitionen. Um Gründerinnen und Unternehmerinnen den Zugang zu Kapital zu verbessern, braucht es:

  • eine höhere Transparenz der Finanzierungsvorgänge bei Banken, öffentlichen Fördermittelgebern sowie Venture-Capital-Gebern durch Berichterstattungen über die Unterstützung von Gründerinnen und Unternehmerinnen. Hierdurch können Finanzierungshürden besser erkannt und abgebaut werden.
  • eine datenbasierte, an Kennzahlen orientierte Finanzierungs- oder Investitionsentscheidung. Hierdurch kann Geschlechtervorurteilen entgegengewirkt und der Zugang zu Kapital verbessert werden.
  • eine freiwillige Selbstverpflichtung von Banken, öffentlichen Fördermittelgebern sowie Venture-Capital-Gebern für mehr Frauen in Führungspositionen und Entscheidungs-Teams.

4. Mehr Investorinnen und weibliche Business Angels

Ein Großteil der Investorinnen und Investoren sind Business Angels. Bundesweit wie bayernweit sind lediglich 14 % der Business Angels Frauen. Ursachen für die geringe Anzahl von weiblichen Business Angels sind fehlende/mangelnde Zugänge zu Angel-Netzwerken und geringere Vermögenswerte von Investorinnen. Der niedrige Anteil an Angel-Investorinnen schränkt die Finanzierung von Gründerinnen ein, weil Frauen häufiger in Unternehmen investieren, die von Frauen geführt oder beliefert werden oder Frauen als Kundinnen adressieren. Studien belegen zudem, dass diverse Investorkreise mehr Ideen und unterschiedliche Standpunkte in das Unternehmen einbringen, was für den Unternehmenserfolg von Vorteil ist. Es gilt, gezielt das Engagement von Frauen als Business Angels und Venture-Capital-Geberinnen zu stärken. Hierzu braucht es:

  • die gezielte Ansprache und Gewinnung von weiblichen Business Angels durch Organisationen wie BayStartUP und die Förderung deren Sichtbarkeit als Vorbilder,
  • die Förderung des Zugangs von Frauen zu Angel-Netzwerken,
  • die Ergänzung bestehender Programme, wie beispielsweise „INVEST - Zuschuss für Wagniskapital“, um spezielle Angebote für weibliche Business Angels.

5. Mehr weibliche Nachfolge

Bei rund einem Drittel der bayerischen Familienunternehmen steht in den nächsten zehn Jahren die Nachfolge an. Meistens sind es Männer, die ein Unternehmen weiterführen. Damit mehr Frauen Firmen übernehmen braucht es:

  • das Sichtbarmachen von erfolgreichen weiblichen Nachfolgerinnen in der breiten Öffentlichkeit,
  • eine erhöhte Sensibilisierung bei Unternehmensübergaben, um die Rolle von Töchtern und Käuferinnen als potenzielle Nachfolgerinnen stärker zu betonen. Dies kann durch gezielte Mediations- und Beratungsangebote für Übergebende und potenzielle weibliche Nachfolgerinnen erreicht werden.

6. Gezielte Informations-, Beratungs- und Coachingangebote

Frauen bereiten sich auf die Gründung anders vor als Männer und wünschen sich eine intensivere Begleitung in der Gründungsphase. Sie setzen sich geringere Wachstumsziele und müssen daher zu größeren Gründungen ermutigt werden. Dazu benötigt es ergänzend zu den Hochschulangeboten für Gründerinnen und Beratende Zugang zu Wissen über Finanzierungsstrategien, Risikoabsicherungsmöglichkeiten sowie Trainings zum verbesserten Kapitalzugang. Auch Unternehmerinnen, die Wachstumspläne für ihr Unternehmen haben, benötigen Zugang zu spezifischem Wissen, um ihr Wachstumspotenzial voll auszuschöpfen. Hierzu braucht es:

  • eine Anpassung oder Ergänzung der bestehenden Plattformen für Gründerinnen und frauengeführte Unternehmen,
  • die Ergänzung bestehender Coachingangebote, wie beispielsweise das Vorgründungs- und Nachfolgecoaching Bayern sowie das BAFA-Coaching „Förderung von Unternehmensberatung für KMU“, um ein spezielles Angebot für Frauen, das insbesondere bei der Vorbereitung der Finanzierungsrunden bei Risikokapitalgebern unterstützt und die Sensibilisierung der beratenden Personen,
  • ein Förderprogramm nach dem Vorbild EXIST-Women, dass auch Frauen außerhalb von Hochschulen offensteht und Qualifizierung, Coaching, eine Betreuung durch eine erfahrene Mentorin und den Zugang zu bundesweiten Netzwerken von Gründerinnen bietet.

7. Ausreichend Care-Angebote

Gründung und Wachstum eines Unternehmens erfordert Zeit und Flexibilität. Gründerinnen und Unternehmerinnen mit Kindern haben jedoch deutlich weniger Arbeitszeit zur Verfügung und können Familie und Unternehmertum schwerer verbinden als Männer. Auch die Pflege von Angehörigen schränkt den unternehmerischen Handlungsspielraum ein. Gründerinnen mit Care-Aufgaben brauchen:

  • bedarfsgerechte, flexible und zuverlässige Kinderbetreuungsangebote auch in den Randzeiten nach 17 Uhr, an Wochenenden und in den Ferien sowie ein zuverlässiges Unterstützungsangebot bei der Pflege von Angehörigen,
  • bessere Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten rund um die Geburt eines Kindes und in der Elternzeit und wie man sich für diese Zeit gezielt absichern kann.

8. Bessere Vernetzungsangebote

Unternehmerinnen und vor allem Gründerinnen bewerten die Einbindung in Netzwerken als wertvoll. Damit sie ihre Erfahrungen austauschen können, Tipps und Anregungen erhalten, Kooperationspartner/innen finden und Investor/innen und Gründerinnen und Unternehmerinnen zueinander finden, braucht es:

  • eine breite Palette von regelmäßigen Vernetzungsangeboten,
  • eine Möglichkeit für Gründerinnen und Unternehmerinnen Kooperationspartner/-innen zu finden,
  • eine bessere Sichtbarkeit der vorhandenen Frauennetzwerke und deren Aktivitäten.

Unternehmerinnen und ihre Arbeit im Ausschuss

Der Ausschuss Unternehmerinnen der IHK für München und Oberbayern setzt sich aus rund 40 Unternehmerinnen aus ganz Oberbayern und aus allen Branchen und Betriebsgrößen zusammen. Der Auschuss setzt sich für die Interessen von Unternehmerinnen und deren Sichtbarkeit ein. Dabei werden fachliche Grundpositionen für die Vollversammlung erarbeitet und der Austausch mit Vertretern/-innen aus Politik und Verwaltung gesucht. Er versteht sich als Netzwerk oberbayerischer Unternehmerinnen und sucht den Austausch mit anderen Netzwerken.

Der Ausschuss Unternehmerinnen besteht seit 2021. Sein Vorläufer war der Arbeitskreis "Frauen in der Wirtschaft", dieser wurde 2015 ins Leben gerufen.
IHK-Ausschuss Unternehmerinnen

IHK Unternehmerinnentag

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Seit nunmehr 11 Jahren findet der IHK Unternehmerinenntag jährlich satt. Rund 250 Unternehmerinnen – von der Gründerin, Solopreneurin über die Mittelständlerin bis zur Konzernmanagerin – sind eingeladen und erhalten tiefe Einblicke und spannende Impulse zu Zukunftsthemen. Dabei wird der Fokus immer auf aktuelle Themen gelegt wie Zukunft der Arbeitswelt, KI oder Digitalisierung. Auch 2026 wird es um "Future Tech Trends" gehen, das Datum wird zeitnah veröffentlicht.

Den Nachbericht zum Unternehmerinnentag 2025 finden Sie unter IHK Unternehmerinnentag 2025 .

Unternehmerinnentag 2025

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Unter dem Motto "Women in AI" fand der Unternehmerinnentag 2025 statt. Rund 250 Unternehmerinnen und Gründerinnen beschäftigen sich an dem Tag mit KI im Marketing, Cyber Security, Feministischer KI und den Einsatz von KI in Unternehmen. Den Auftakt machte Dr. Kira Marrs mit einer Keynote zu KI und digitaler Transformation. Nach den Deep Dives zu verschiedenen Schwerpunkten machte Magdalena Rogl, Diversity Managerin von Microsoft die Abschlusskeynote zu KI und Empathie. Ein rundum gelungener Tag von und mit Unternehmerinnen und München und Oberbayern.

Lesen Sie den Nachbericht hier: Rückblick Unternehmerinnentag 2025

Unternehmerinnentag 2024

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Der 11. IHK-Unternehmerinnentag am 2. Juli 2024 war ein voller Erfolg.

Den IHK-Unternehmerinnentag gibt es seit 2013 - jedes Jahr treffen sich Frauen, um sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Sie sind Geschäftsführerinnen kleiner, mittlerer oder großer Unternehmen, Soloselbstständige oder Führungskräfte in Konzernen.

Das Motto in diesem Jahr lautete: "Zukunft aktiv gestalten". In einer Zeit, die vom Wandel geprägt ist, fokussieren wir gemeinsam den Weg in die Zukunft. Woraus können Wachstumsimpulse entstehen? Welche Schritte sind sinnvoll, was braucht es dazu? Wie können Innovationen die Zukunft absichern?

Lesen Sie den Bericht hier: Nachbericht Unternehmerinnentag 2024

Der Unternehmerinnentag am 7. Juli 2023 in der IHK war mit über 250 Teilehmerinnen gut besucht.

Das Motto lautete: "Unternehmerinnen - innovativ und erfolgreich". Wie entstehen Innovationen, welche brauchen wir überhaupt, wie sichern sie die Zukunft ab, in welche Richtung treiben Unternehmerinnen die Innovationen in ihren Unternehmen?

Den Nachbericht finden Sie unter Nachbericht Unternehmerinnentag 2023

Rund 250 Teilnehmerinnen kamen am 2022 am 1. Juli 2022 in das Forum der Münchner IHK Akademie, es gab zudem die Möglichkeit der virtuellen Teilnahme. Der Unternehmerinnentag fand unter dem Slogan „Fit für die Zukunft“ statt.

Es ging um die große Frage, wie sich Unternehmen technologisch und organisatorisch auf die heutigen Trends in der Wirtschaft einstellen müssen.

Lesen Sie der Bericht hier: Nachbericht Unternehmerinnentag 2022

Veranstaltungsreihe „Unternehmerinnen im Gespräch“

Gemeinsam mit dem Verband deutscher Unternehmerinnen besucht die IHK Unternehmerinnen, die ihr Unternehmen vorstellen, aber vor allem auch ihre Beweggründe, sich selbstständig zu machen, ihre Begeisterung für die Selbstständigkeit und ihre Führungsphilosophie erklären.

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Save the Date:
11. Mai 2026
Maria Neugschwender, Noxon Gmbh

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Uta Anders, Krones AG

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© Naumann Fotografie

"Unternehmerinnen digital"

Die LinkedIn‑Gruppe "Unternehmerinnen digital"vernetzt Unternehmerinnen und Gründerinnen in Bayern. Über 900 Mitglieder teilen hier Beiträge, News, Tipps, Projekte und Veranstaltungen.

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IHK-Girls'Day „Ich werde Chefin!“

Wir suchen Rolemodels! Werden Sie Gastgeberin und begeistern Sie Schülerinnen ab der 8. Klasse für die Selbstädigkeit!
Alle Infos zur Teilnahme finden Sie hier: IHK-Girls' Day „Ich werde Chefin!“ .

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"Unternehmerinnen machen Schule“

Sie kennen eine Schule, die das Thema Selbständigkeit in den Unterricht integrieren möchte oder möchten sich selbst gern beteiligen? Dann melden Sie sich bei girlsday@muenchen.ihk.de.
Unsere Berichte zu den Schulbesuchen finden Sie unter Unternehmerinnen machen Schule .

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Mentoringprogramm „TWIN–TwoWomenWin“ der Käte Ahlmann Stiftung

Im Mentoring-Programm TWIN TwoWomenWin unterstützen erfahrene Unternehmerinnen Mentees durch Einblicke in Unternehmensführung, wertvolle Kontakte und persönliche Begleitung.
Kontakt: Marlene Eder

IHK-Stand auf der herCAREER

Karrieremesse herCAREER

Besuchen Sie uns auf der herCAREER - Europas größte Karrieremesse für Frauen. Erfahren Sie praktische Tipps bei den IHK-Meetups oder werden Sie sichtbar mit unserer Fotoaktion. Wir freuen uns jetzt schon auf Ihren Besuch!
Die nächste herCAREER findet am 22. - 23. Oktober statt.

Frauen für die Wirtschaft

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Innovativ, engagiert, begeisterungsfähig – das ist Natascha Hoffner, Geschäftsführerin der messe.rocks GmbH in Feldkirchen und Initiatorin der Karrieremesse für Frauen „herCAREER“. Warum Sie die Unternehmerin unbedingt kennen sollten.

Herzlichen Glückwunsch. Die Frauenkarrieremesse herCAREER, die Sie ins Leben gerufen haben, wird zehn Jahre alt!

Vielen Dank. Ich bin stolz und glücklich. Als ich mit der messe.rocks GmbH gestartet bin, wollte ich eine erfolgreiche Messegesellschaft aufbauen und zugleich positiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Impact schaffen. Mir war es immer wichtig, mich für eine chancengerechte, faire Arbeitswelt, für Diversität, vor allem auch Genderequality einzusetzen. So entstand die herCAREER, die Karrieremesse für Frauen und weiblich gelesene Menschen.

Tatsächlich ist die herCAREER mehr als eine klassische Messe?

Die herCAREER bringt Angebot und Nachfrage zusammen: Arbeitgeber wissen inzwischen, wie sehr sie von diversen Belegschaften profitieren. Bei uns können sie unterstützt durch unser digitales Matching gezielt interessierte Frauen ansprechen. In diesem Sinne funktioniert die herCAREER wie jede Messe. Zugleich ist sie viel mehr. Wir wollen Frauen und weiblich gelesene Menschen für Karrieren empowern, müssen dafür aber auch über politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen diskutieren. Über Demokratie, Rechtsruck, Rassismus, Sexismus, Generationengerechtigkeit. Individuelle Karrieren werden immer im Kontext gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Entwicklungen stattfinden. Die Plattform herCAREER gibt weiblichen Perspektiven in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik eine Plattform um einen konstruktiven Dialog zwischen Unternehmen und Arbeitnehmerinnen zu fördern.

… und holt dazu auch die Männer an Bord?

Klares Ja. Wir sind keine „Only-female“-Veranstaltung. Männer sind Teil der Veränderung!

Zugleich haben Sie inzwischen ein ganzjähriges Angebot etabliert – auch das ist für Messen etwas Neues?

Dies erschien mir konzeptionell unbedingt erforderlich. Um den Impact zu erreichen, dem Thema kontinuierlich Sichtbarkeit zu geben, reichen zwei stationäre Messetage im Jahr nicht aus. Seit 2019 bauen wir die herCAREER als ganzjährige Plattform auf. Frauen können sich hier das ganze Jahr über informieren. In unserer Akademie, in Podcasts, Videos, Interviews mit Unternehmerinnen und Expertinnen oder über unsere Bücher. Sie können sich mit anderen Frauen vernetzen, Mentorinnen finden oder selbst Mentorin werden. So erreichen wir auch eine immer größere thematische Tiefe.

Auch Arbeitgebern machen Sie ein Angebot?

Ja, sie können die Plattform – wie ja auch die Messe – für ihr Employer Branding und selbstverständlich im Kontext des Recruitings nutzen. Sie präsentieren weibliche Rolemodels, zeigen ihre Genderaktivitäten, finden neue Mitarbeiterinnen. So ist eine lebendige, interdisziplinäre Community entstanden.

Apropos: Beunruhigt Sie der von den USA ausgehende Anti-Diversitäts-Diskussion?

Natürlich beobachte ich das aufmerksam. Einzelne Unternehmen folgen dem Trump-Kurs, andere stellen sich nun glücklicherweise umso mehr hinter die Idee der Diversität und zeigen Haltung.

Sie erzielen mit Ihrem Unternehmen bereits gesellschaftliche Wirkung. Warum engagieren Sie sich on top auch noch ehrenamtlich?

Ich sitze in der Jury des Münchner Unternehmerinnenpreises LaMonachia, bin Mitglied der IHK-Vollversammlung und des IHK-Ausschusses Unternehmerinnen. Gerade weil ich überzeugt bin, dass Unternehmen Wirtschaft und Gesellschaft besser machen sollten, engagiere ich mich ehrenamtlich – es gibt noch viele Baustellen. Im Ehrenamt erweitere ich meine Perspektiven, treffe Frauen und Männer, die meine Werte teilen, die die Wirtschaft wie ich gestalten und verändern wollen. Gemeinsam und kooperativ fällt das leichter. Bei der IHK gefällt mir zudem die Nähe zur Politik, ohne die Veränderung nicht geht.

Woher nehmen Sie den Schwung? Welche persönlichen Eigenschaften tragen Sie als
Unternehmerin, als Mensch – als Rolemodel?

Ich bin ein Mensch, der immer wieder aufsteht: Ich gehe meinen Weg mit Überzeugung, bleibe authentisch. Und wenn etwas nicht gelingt, mache ich einen weiteren Anlauf. Außerdem bin ich wirklich begeisterungsfähig, ziehe andere mit. Um unternehmerisch tätig zu sein, sind solche Eigenschaften ziemlich nützlich … Im Übrigen kann ich Frauen nur ermutigen, über die Selbstständigkeit nachzudenken. Unternehmerin zu sein ist wirklich herausfordernd, aber auch mit Einfluss verbunden.

Natascha Hoffner, danke für das Gespräch.

Die Karrieremesse herCAREER findet am 09. und 10. Oktober in München statt. Und wir sind auch mit dabei ! Das ganze Programm und Tickets gibts hier.

Autorin: Gabriele Lücke