Pressemeldung vom 06.03.2020

Coronavirus: Mehr als die Hälfte der Betriebe erwartet Umsatzrückgänge

HIV test at Pomerini in Tanzania - Africa - A doctor examines the blood to find out the positive to the AIDS virus

Die Coronavirus-Epidemie führt zu deutlichen Bremsspuren in der bayerischen Wirtschaft. Bei vielen Unternehmen sind durch Umsatzeinbrüche die Liquidität und damit auch Arbeitsplätze gefährdet. Über 80 Prozent der befragten Betriebe in Bayern erwarten in den kommenden Wochen Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäfte.

Zwei Drittel der Firmen plädieren für staatliche Unterstützungsmaßnahmen

Die Hälfte der Firmen rechnet mit teilweise empfindlichen Umsatzeinbußen fürs Geschäftsjahr 2020. Dies ergab eine Umfrage der IHKs, an der sich knapp 1.000 bayerische Unternehmen beteiligt haben.

„Die Firmen berichten uns, dass die Absagen von Messen und Veranstaltungen, Reiseeinschränkungen, sinkende Nachfrage und ausfallende Zulieferungen aktuell die größten Schäden verursachen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. Zwei Drittel der Unternehmen plädieren für staatliche Unterstützungsmaßnahmen, die vor allem schnell und unbürokratisch umgesetzt werden sollen.

Die Unternehmen treffen aber auch selbst Vorsorge: Drei Viertel der Firmen planen Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter oder haben diese bereits umgesetzt, indem sie Hygiene-Material beschaffen, Dienstreisen und Messeteilnahmen absagen sowie Home Office anbieten. Ein Viertel der Unternehmen hat einen Notfallplan, falls es zu Corona-Erkrankungen unter Mitarbeitern kommt. Informationsbedarf sehen die Firmen vor allem zum Umgang mit Verdachtsfällen und Infizierten im Betrieb sowie bei den Formalitäten zur staatlichen Lohnerstattung, falls Betriebe in Umsetzung des Infektionsschutz­gesetzes stillgelegt werden. Auch Details zu Storno- und Rücktrittsregeln sowie Kurzarbeitergeld und anderen Unterstützungsleistungen werden stark nachgefragt.

„Angesichts der zunehmenden Auswirkungen braucht die Wirtschaft jetzt eine schnelle und praxisnahe Umsetzung von Kurzarbeit inklusive der Übernahme des Arbeitgeber­anteils der Sozialversicherungsbeiträge durch die Arbeitsagentur. Auch allgemeine Steuerstundungen durch den Fiskus sind notwendig, um die Firmenkassen vorüber­gehend zu entlasten. Bei den Sozialbeiträgen sollte allgemein die 2006 eingeführte Vorfälligkeit der Abgaben aus demselben Grund wieder abgeschafft oder zumindest ausgesetzt werden“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Er begrüßt, dass Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) umgehend die Anregung der IHKs aufgegriffen hat, den aus der Finanzkrise bewährten Mittelstandsschirm mit Bürgschaften und Betriebsmittelkrediten wiederzubeleben.

In Oberbayern fallen die Rückmeldungen der Firmen wegen der Nähe zu Italien und der besonders durch Exporte und das Messegeschäft geprägten Wirtschaft etwas pessimistischer aus: Hier erwarten sogar 53 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge, mehr als ein Viertel sogar erhebliche Umsatzeinbußen von mehr als zehn Prozent.