24.10.2017

Einzelhandel in Oberbayern muss digitaler werden

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Der Einzelhandel in Oberbayern setzt auf Digitalisierung, im bayernweiten Vergleich besteht jedoch Aufholbedarf. Dieses Stimmungsbild zeichnet eine Umfrage unter oberbayerischen Einzelhändlern, die über den Einfluss der Digitalisie­rung auf den Handel befragt wurden. Insgesamt bleibt für den Einzelhandel in der Region die Bedeutung des stationären Geschäfts sehr groß. So verkauft der Großteil der befragten Händler (83 Prozent) seine Waren in der Filiale. Nur 22 Prozent verfügen über einen eigenen Online-Shop. Bayernweit sind das bereits deutlich über ein Drittel (36 Prozent). Gleichzeitig gaben 90 Prozent der Teilnehmer der Umfrage an, dass digitale Innovationen das Einkaufsverhalten der Kunden verändern und damit ein Umdenken erforderlich machen.

IHK-Umfrage: Investitionsbereitschaft in Digitalisierung noch zu verhalten ‎

In vielen Bereichen des Einzelhandels kommen digitale Technologien bereits zum Einsatz. So managen drei Viertel der Befragten ihren Warenbestand über ein compu­tergestütztes Warenwirtschaftssystem und zwei Drittel verwalten ihre Kunden digital. Auch das Kundenmarketing gestaltet sich zunehmend digitaler: 76 Prozent der Händler sprechen ihre Kunden über eine eigene Website an, fast zwei Drittel setzen auf Facebook und knapp die Hälfte auf Google Business-Einträge.

Insgesamt haben allerdings nur elf Prozent der oberbayerischen Händler ein eigenes Budget für weitere Digitalisierungsmaßnahmen vorgesehen. Im ganzen Freistaat sind es 19 Prozent. Auch plant lediglich die Hälfte, den Investitions­umfang in Digitalisie­rungsmaßnahmen in den kommenden drei Jahren zu erhöhen, bayernweit sind es etwa zwei Drittel. Viele geben als größte Hindernisse für die Umsetzung digitaler Projekte Zeitmangel, fehlende Kompetenzen bei den Mitarbeitern und hohe Investi­tionskosten an.

„Jeder Einzelhändler muss überlegen, wie er die digitale Herausforderung strategisch anpackt. Nahezu überall, sei es bei der Digitalisierung betrieblicher Abläufe, beim Kundenkontakt übers Internet oder in den sozialen Medien sowie beim Angebot von neuen digitalen Services im Geschäft vor Ort – überall besteht noch viel Luft nach oben“, betont Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. So ergab die Umfrage auch, dass sich viele Händler dessen gar nicht bewusst sind, welches Potenzial in neuen Services wie dem kontaktlosen Bezahlen, selbstständigen Einscannen von Waren an der Kasse oder dem Abholen online bestellter Einkäufe in der Filiale steckt. Zwar setzt der stationäre Einzelhandel für die Zukunft besonders auf die Stärkung des Einkaufserlebnisses vor Ort und die vielfältigen Beratungs- und Service­möglichkeiten in der Filiale, laut der Umfrage sind sich jedoch über 90 Prozent der Händler bewusst, dass langfristig vor allem diejenigen erfolgreich sein werden, die ihre Kunden über mehrere Kanäle ansprechen.

Damit Einzelhändlern der Einstieg in das digitale Zeitalter bestmöglich gelingt, bietet ihnen die IHK für München und Oberbayern neben einer E-Commerce-Checkliste vielfältige Services, Informationsveranstaltungen und Webinare. Angebote und Informationen darüber sind unter IHK-Services E-Commerce erhältlich.

Die Studie „Der deutsche Einzelhandel 2017“, die das Forschungsinstitut ibi research im Auftrag des DIHK durchgeführt hat, und in deren Rahmen auch über 100 Einzelhändler in Oberbayern befragt wurden, ist online abrufbar unter IHK-ibi-Handelsstudie.