22.10.2019 - Landsberg

Mehr Akzeptanz für Wirtschaft dringend notwendig ‎

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© IHK

Ob gesicherte Energieversorgung, klimaneutrale Wirtschaft, effizien­ter Umgang mit Flächen oder die Bewältigung des Strukturwandels in der Auto­mobilindustrie – zahlreiche brisante Themen kamen bei der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Landsberg mit IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, Landrat Thomas Eichinger (CSU) und Vertretern der Wirtschaftsförderung auf den Tisch.

IHK-Chef Manfred Gößl: „Die Energiewende kann nur mit der Wirtschaft gelingen“‎

Alfons Hätscher, Geschäftsführer von Hirschvogel Umformtechnik, war Gastgeber des Treffens zwischen den Unternehmern aus dem Landkreis und der Kommunalpolitik.

IHK-Chef Gößl verwies darauf, dass 96 Prozent der IHK-Mitgliedsunternehmen Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern seien, auch im Landkreis. In der Diskussion um den Bürokratieabbau wäre es deshalb „schon ein großer Wurf“, so Manfred Gößl, „wenn es mehr politischen Mut gebe, die kleineren Unternehmen gezielt von mehr Regelungen auszunehmen“.

Mit Blick auf Ausstieg aus Kohlestrom und Atomkraft sagte der IHK-Chef: „Die Energiewende funktioniert nur, wenn die Wirtschaft mit an Bord ist. Ohne die Investitionen der Betriebe und vor allem ohne die Innovationen aus der Wirtschaft wird sie nicht erfolgreich sein. Die Wirtschaft ist deshalb Teil der Lösung.“ Er betonte außerdem: „Gleichzeitig brauchen unsere Betriebe die Gewissheit, dass ihre Energieversorgung gesichert und vor allem bezahlbar bleibt. Bayerns Wirtschaft benötigt dringend wettbewerbsfähige Strompreise. Der Bau der beiden Stromtrassen von Nord nach Süd steht deshalb außer Frage.“

Ein weiteres Brennpunktthema, das Gößl ansprach, war der Umgang mit Flächen. Starre Flächenkontingente lehne die IHK ab, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Das bedeutet einen Eingriff in die kommunale Planungshoheit und beschwört Konflikte zwischen den Nutzungsarten auf.“ Stattdessen plädierte Gößl für eine effizientere Flächennutzung insbesondere bereits bebauter Flächen.

Zahlreiche Unternehmer äußerten in der Diskussionsrunde ihren Unmut vor allem über die Bürokratisierung ihres Unternehmeralltags, mehrjährige Wartezeiten beispielsweise auf Baugenehmigungen oder das Vorgehen von Deutschland bei der Umsetzung von EU-Regelungen in nationales Recht. Gößl bestätigte: „Kein Land setzt die EU-Regelungen restriktiver um als Deutschland. Das ist ein Thema, das wir gegenüber Landes- und Bundespolitik regelmäßig ansprechen.“

Landrat Eichinger forderte seinerseits, dass sich die Wirtschaft mit den Themen, die ihr unter den Nägeln brennen, vehementer in die öffentliche Diskussion einbringe. „Wohlstand und gute Zukunftsaussichten für Menschen und Kommunen sind eng mit einer starken Wirtschaft vor Ort verknüpft. Ohne eine funktionierende Wirtschaft würde unseren Gemeinden an allen Ecken und Enden einfach das Geld fehlen. Das muss den Menschen wieder bewusst werden. Leider finden Themen, die sich massiv auf unsere Zukunft auswirken, in der öffentlichen Wahrnehmung keinen Platz und keine Resonanz. Hier muss die Wirtschaft deutlich lauter werden. Sie darf nicht müde werden zu sagen, wo ihr der Schuh drückt.“

Die Sitzung des IHK-Regionalausschusses fand bei Hirschvogel Umformtechnik in Denklingen statt. Geschäftsführer Alfons Hätscher gab den Unternehmern bei einer Betriebsbesichtigung spannende Einblicke in die Stahlumformung und das Produktportfolio am Standort Denklingen, wo über 2.200 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Bildunterschrift: © IHK

Gruppenbild v.l.n.r.: Landrat Eichinger, IHK-Chef Manfred Gößl, Dr. Alfons Hätscher von Hirschvogel Umformtechnik und IHK-Ausschussvorsitzender Reinhard Häckl, Sitzung am 16.10.2019