30.08.2016 - Bad-Tölz-Wolfratshausen

Bewerberlücke erreicht Rekordniveau ‎

Die Betriebe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September sind noch 296 Lehrstellen frei. Damit zeichnet sich heuer eine Rekord-Bewerberlücke ab. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der unbesetzten Stellen noch einmal um über 20 zugelegt, so die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur. Da die Unternehmen im Landkreis in diesem Jahr 738 Lehrlinge einstellen wollten, sind vorerst noch etwa 40 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent, das entspricht einem Plus von 29 Stellen.

Über 290 freie Lehrstellen im Landkreis / Weit über ein Drittel der Ausbildungsplätze unbesetzt

„Angesichts der guten Konjunktur setzen die Betriebe stark auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, finden aber zu oft keine passenden Bewerber. Der Bewerbermangel macht dabei vor keiner Branche halt“, ‎sagt Reinhold Krämmel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen.

Insgesamt treten mit Beginn des Ausbildungsjahres 265 Jugendliche eine Lehre bei IHK-zugehörigen Unternehmen im Landkreis an, wie aus der Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern mit Stand Ende August hervorgeht. Der Zuwachs von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht einem Plus von 14 Ausbildungs­verträgen. Vor Jahresfrist meldete die IHK ein Plus bei den Verträgen von 5,3 Prozent. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind heuer Industriemechaniker, Einzelhandelskaufleute, Bankkaufleute, Kaufleute für Büromanagement und Industriekaufleute.

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses führt den Bewerberengpass auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent.

Das Image der Ausbildung muss dringend gestärkt werden, fordert Krämmel. Um das zu erreichen, ist auch an den Schulen eine bessere Berufsorientierung notwendig: „Schülern und auch ihren Eltern muss viel besser vermittelt werden, dass eine abgeschlossene Lehre deutlich mehr Karrierepotenzial bietet als ein abgebrochenes Studium. Schüler und Eltern sollen mit Recht darauf stolz sein können, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden.“

In einer IHK-Umfrage sagen 72 Prozent derjenigen Betriebe, die Probleme in der Ausbildung haben, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger das größte Hindernis seien. Die Unter­nehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Insgesamt gibt es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zurzeit 222 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, die ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse stehen.