03.12.2018 - Bad-Tölz-Wolfratshausen - Garmisch-Partenkirchen - Miesbach - Weilheim - Schongau

Nachhaltigkeit braucht Unternehmer als Vordenker und Vorreiter ‎

gruppenbild_ihk_talk_zugspitze
© IHK / Goran Gajanin

Wie Unternehmen nachhaltiger wirtschaften können und welchen Beitrag jeder Einzelne als Konsument leisten kann, darüber diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft der Region beim Jubiläums-Talk der IHK für München und Oberbayern. „Nachhaltigkeit erfordert Investitionen, die sich für einen Unternehmer nicht immer sofort auszahlen. Jedes familiengeführte Unternehmen denkt jedoch in Generationen. Nachhaltigkeit ist deshalb in seinem ureigensten Interesse, denn damit verbundene Investitionen sind Investitionen in die Zukunft“, mit diesen Worten eröffnete Eberhard Sasse, Präsident der IHK für München und Oberbayern, die Veranstaltung auf der Zugspitze.

‎175 Jahre IHK für München und Oberbayern: Jubiläums-Talk auf der Zugspitze ‎

ihk_talk_zugspitze
© IHK / Goran Gajanin Auch die Meinung des Publikums war gefragt....

Über den herausfordernden Spagat zwischen nachhaltigem Wirtschaften und dem Streben nach unternehmerischen Erfolg, der sich in der Regel an Verkaufszahlen bemisst, entspann sich eine vielschichtige Debatte. Gastredner Florian Kohler, Inhaber und Geschäftsführer von Gmund Papier am Tegernsee, forderte von allen einen ehrlicheren Umgang mit dem Thema. Er wandte sich ausdrücklich gegen Greenwashing und gefühlte Umweltfreundlichkeit. Vieles sei reine Augenwischerei wie beispielsweise der Verzicht auf Plastiktüten im Supermarkt, so Kohler. Wenn sich etwas ändern solle, dann müssten beide Seiten handeln – sowohl die Unternehmen als auch die Verbraucher.

Dieser Meinung schloss sich die ehemalige Mode-Bloggerin Dariadaria alias Madeleine Alizadeh an. Alizadeh, die mittlerweile nachhaltig produzierte Kleidung unter einem eigenen Label vertreibt, forderte: „Wir alle müssen raus aus der Komfortzone und Verzicht wagen, denn Verzicht ist Voraussetzung für mehr Nachhaltigkeit.“ Dafür sei das Durchbrechen von Kaufzyklen wichtig, was konsequenterweise auch die Rolle und das Selbstverständnis vieler Unternehmen in Frage stellen würde, so die Wienerin. Mit Verweis auf den
100. Geburtstag des Frauenwahlrechts sagte Alizadeh: „Nur wenn viele Menschen im Kleinen Veränderungen anstreben, kann Großes entstehen.“

Nicht jeden Berg zum Event machen

Welche Bedeutung nachhaltige Wirtschaftskonzepte sowie das Verhalten jedes Einzelnen haben, führte Tobias Hipp vom Deutschen Alpenverein vor Augen. Der Geograf stellte eindringlich dar, wie sich in den Alpen der Klimawandel zunehmend manifestiert. „Im Vergleich zu den 80-er Jahren des 20.Jahrhunderts sind ein bis zwei Grad höhere Durchschnittstemperaturen längst Realität. Seit 1850 ist das Eisvolumen der Gletscher um zwei Drittel zurückgegangen“, erläuterte Hipp. Gleichzeitig treffen auch künftig in den Alpen sehr unterschied­liche Interessen aufeinander. Ziel des DAV sei es deshalb, mit Hilfe des Alpenplans das Mosaik der existierenden unterschiedlichen Nutzungsarten – von intensiv bis extensiv – zu erhalten, so dass Entwicklungsräume für alle gegeben seien. Nachhaltigkeit muss sich gleichzeitig im bewussten Umgang der Bergsportler mit den Bergen zeigen. Dafür setze sich der DAV mit vielfältigen Lenkungsmaßnahmen ein, so Hipp.