20.11.2018 - Rosenheim

Mit mehr Kreativität gegen den Fachkräftemangel

Wie können die Betriebe neue Mitarbeiter gewinnen und bestehendes Personal halten? Angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels hat sich der IHK-Regionalausschuss Rosenheim bei seiner letzten Sitzung im Stellwerk 18 mit dieser Frage beschäftigt. Wie eine Abfrage per Handzeichen vor Ort ergeben hat, sucht die Hälfte der anwesenden Unternehmer nach Personal und bestätigt, dass offene Stellen verhältnismäßig lange unbesetzt bleiben.

Bensegger: „Ein „weiter so“ beim Recruiting funktioniert nicht mehr“‎

Dieses Ergebnis deckt sich mit der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage, in der 62 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Risiko nennen. Ausschuss-Vorsitzender Andreas Bensegger fasst das Dilemma zusammen: „Fehlen uns die Mitarbeiter, müssen wir zwangsläufig unsere Leistungen einschränken und können nicht mehr wachsen. Hinzu kommt: Ein leergefegter Arbeitsmarkt macht Personal deutlich teurer“. Sein Appell an die Betriebe: „Ein „weiter so“ funktioniert beim Recruiting nicht mehr. Stattdessen sind kreative Ansätze gefragt“.

Wie das aussehen kann, erklärte Svenja Jambo vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. „Personalpolitik muss Chefsache sein und strategisch betrachtet werden“, so die Expertin. Ein wichtiges Instrument dafür sei beispielsweise „Employer Branding“, um sich am Arbeitsmarkt gegenüber Mitbewerbern abzusetzen. „Der Außenauftritt muss aber zum Betrieb passen und darf nicht aufgesetzt wirken“, betont Jambo.

Unterstützung in der Personalfindung kommt auch von der Agentur für Arbeit. „Unsere Beratungstätigkeit gegenüber den Unternehmen wird immer wichtiger“, bestätigt Brigitte Lummer von der Rosenheimer Agentur-Niederlassung. Neben verschiedenen Förderangeboten oder Zuschüssen, um Arbeitnehmer zu beschäftigen, wird auch die Weiterbildung von Geringqualifizierten und älteren Mitarbeitern gefördert. „Wir haben damit gute Erfolge erzielt“, so Lummer. Die Nachfrage bei den Betrieben sei groß.

Große Hoffnung setzt die Rosenheimer Wirtschaft in das geplante Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz der Bundesregierung, an dessen inhaltlicher Entstehung auch die IHK maßgeblich mitgewirkt hat. Wie IHK-Experte Sebastian John erklärt, sieht der aktuelle Gesetzesentwurf einen einfacheren Eintritt von Ausländern auf den deutschen Arbeitsmarkt vor. „Gegen den Fachkräftemangel gibt es kein Patentrezept. Zum Lösungsansatz gehört aber auch, qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten die Beschäftigung in Deutschland zu erleichtern“, so John. Das Gesetz soll voraussichtlich Anfang 2019 vom Bundestag verabschiedet werden.