25.06.2018 - Erding-Freising

IHK-Vizepräsident Heinz: „ÖPNV muss mit Wachstum der Gemeinden Schritt halten“‎

Wie steht es um die Mobilität in den Landkreisen Erding und Freising, insbesondere im ländlichen Raum? Mit dieser Frage hat sich der IHK-Regionalausschuss Erding-Freising in seiner jüngsten Sitzung im Rathaus Fraunberg beschäftigt. „Ohne öffentlichen Personennahverkehr stehen nicht nur die Menschen still, sondern auch die Wirtschaft. Unsere Gemeinden wachsen beständig, deshalb muss sich auch das Angebot von Bus und Bahn weiterentwickeln“, erklärt Ausschuss-Vorsitzender und IHK-Vizepräsident Otto Heinz. Vor der Sitzung besuchte der Regionalausschuss das Busunternehmen Scharf.

IHK-Regionalausschuss im Austausch mit dem MVV

Die wichtigsten Zahlen und Fakten lieferte Christian Mayer, Prokurist und Bereichsleiter Regionalbus bei der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV). In beiden Landkreisen gibt es insgesamt 13 S-Bahn-Haltepunkte (sieben in Erding, sechs in Freising) sowie über 900 Regionalbushaltestellen. Die öffentlichen Verkehrsmittel seien nah bei den Bürgern, so Mayer: „Im Landkreis Erding wohnen 90 Prozent der Bürger innerhalb eines Kilometers zur nächsten Haltestelle, im Landkreis Freising sind es 87 Prozent“, so der MVV-Vertreter.

Insbesondere das Ruf-Taxi habe sich als ergänzendes Verkehrsmittel im Landkreis Erding gut entwickelt. Innerhalb von zehn Jahren sind die Fahrten von 2.100 auf über 11.500 gestiegen, die Anzahl der Fahrgäste ist von knapp 6.000 auf fast 40.000 in die Höhe geschossen. „Das Angebot wird von den Bürgern sehr gut angenommen“, so Mayer. IHK-Verkehrsexperte Gerhard Wieland ergänzte die Diskussion und fasste den verkehrspolitischen Maßnahmenkatalog aus der aktuellen Regierungserklärung zusammen. Unter anderem plant die bayerische Staatsregierung einen einheitlichen ÖPNV-Tarif sowie ein Ticketsystem für den gesamten Freistaat.

In der abschließenden Tischumfrage bestätigen die Mitglieder des Regionalausschusses die sehr gute wirtschaftliche Lage. Kritisch sehen viele Unternehmerinnen und Unternehmer jedoch die zunehmende bürokratische Belastung sowie die politische Lage auf internationaler Ebene. „Wie verlässlich die Politik im In- und Ausland für die Wirtschaft ist, wird uns die kommenden Jahre intensiv beschäftigen“, fasst Heinz die Stimmung zusammen.

Im Austausch mit den anwesenden Unternehmen lehnte Fraunbergs Erster Bürgermeister Johann Wiesmaier eine Obergrenze bei der Flächenausweisung angesichts der aktuellen Debatte rund um die Flächennutzung ab. „Als Kommune dürfen wir unsere Planungshoheit nicht aus der Hand geben.“ IHK-Vizepräsident Heinz teilt diese Meinung: „Unsere Gemeinden müssen auch in Zukunft flexibel auf die Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft eingehen können. Die Nutzungsarten Wohnen, Wirtschaft, Verkehr oder Freizeit dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden.“