International

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72.282 Ursprungszeugnisse ausgestellt

1. Virtuelles Zollforum mit 1.300 Teilnehmern

Webinar-Reihe über Exportgeschäft in der Pandemie

IHK-Leistungsbilanz in der Außenwirtschaft

Trotz Coronakrise weist die Leistungsbilanz der IHK Außenwirtschaft stolze Zahlen auf. So hat die IHK 72.282 Ursprungszeugnisse ausgestellt. Bemerkenswert: Das digitale Ursprungszeugnis hat mit einem Anteil von 86 Prozent die Papier-Variante fast schon abgelöst. Zudem hat die IHK 18.587 sonstige Bescheinigungen für den Außenwirtschaftsverkehr und 1.553 Carnets ausgestellt.

Service für bayerische Dienstleister im EU-Binnenmarkt

Sie tun sich unverändert schwer auf dem EU-Binnenmarkt: Bayerische Dienstleister, die ihren Service grenzüberschreitend anbieten wollen, kämpfen mit einem Dickicht an Vorschriften, Nachweispflichten und Regeln. Die bayerischen IHKs haben hierzu praxisgerechte Unterstützung angeboten – mit Checklisten zur Dienstleistungserbringung im EU-Binnenmarkt auf dem Portal www.weltweit-erfolgreich.de. Und zweitens mit dem www.dienstleistungskompass.eu. Diese WebSite informiert umfassend Mitarbeiter-Entsendung und Dienstleistungserbringung in Europa.

Serviceleistungen in der Außenwirtschaft

Das Corona-Jahr war ein schwieriges Jahr für die Außenwirtschaft – für Bayerns Exportbetriebe und die IHK-Außenwirtschaft. Ein großer Teil der IHK-Mitarbeiter war eingebunden in die neue Großaufgabe Überbrückungshilfen. Mit viel Einsatz, Engagement und Improvisationskunst ist es dem Team unter IHK-Außenwirtschaftschef Frank Dollendorf aber gelungen, für die Mitgliedsunternehmen ein umfangreiches Service- und Beratungsangebot zu ermöglichen. Im Fokus standen folgende Themen:

  • Länder und Märkte
  • Export und Import von Waren und Dienstleistungen, Schwerpunkt: Dienstleistungserbringung im Binnenmarkt, Arbeitnehmerentsendung, A1-Bescheinigung
  • Zoll- und Außenwirtschaftsrecht
  • Bescheinigungen im Auslandsgeschäft
  • Nebenabgaben und Verbrauchssteuer
  • Grenzüberschreitendes Umsatzsteuerrecht
  • Finanzierungsmöglichkeiten und Förderinstrumente

Elektronisches Ursprungszeugnis: im Lock-Down Gold wert

Im Pandemie-Jahr 2020 erwies sich das als Glücksfall: die eUZ-Anwendung. Dieses Tool hatte die IHK im September 2019 eingeführt mit dem Ziel, Ursprungszeugnisse in Papierform durch digitale Dokumente zu ersetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Weniger Papierkram in den Unternehmen und bei der IHK, Unternehmer müssen die Anträge nicht mehr Post verschicken oder persönlich zur IHK bringen. Das Ganze lässt sich jetzt einfach von jedem Firmen-PC aus kostenlos und ohne aufwendige Signaturkarte erledigen. Nach der digitalen IHK-Bewilligung können die fertigen Ursprungszeugnisse im Unternehmen ausgedruckt werden.

Die Unternehmen hatten diesen Service schon zu Beginn des Jahres 2020 gut angenommen. Der Anteil der digital beantragten Ursprungszeugnisse lag schon da bei 66 Prozent. Der Beginn des Corona-Lockdowns im März brachte einen zusätzlichen Digitalisierungsschub. Ungehindert von allen Kontaktbeschränkungen, konnten die elektronischen Ursprungszeugnisse beantragt und ausgestellt werden. Im Dezember lag die Digitalquote bei den in der IHK München beantragten Ursprungszeugnissen bei 95 Prozent.

1. Virtuelles Zollforum Bayern auf Anhieb ein Erfolg: 1.300 Teilnehmer

Das Zollforum Bayern gilt als eines der besten und erfolgreichsten Formate im IHK-Veranstaltungskalender. Im Corona-Jahr fand das Ganze erstmals mit dem Zusatz „DIGITAL“ statt. Bayerischen IHKs ‎und Handwerkskammern in Kooperation mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium stellten eine virtuelle Zollwoche auf die Beine. ‎Fünf Webinare in einer Woche – und der Zuspruch war enorm. Insgesamt 1.300 Teilnehmer loggten sich ein für die einstündigen Online-Sessions. Die Webinare boten den Mitgliedsunternehmen einen gelungenen Mix aus aktuellen Themen und „Dauerbrennern“, die die Betriebspraxis im Zollbereich nach wie vor prägen: Von den Corona-bedingten Einschränkungen bei der Zollabfertigung über Schwierigkeiten bei einer verzögerten Abwicklung von internationalen Verträgen bis hin zur Einfuhr einer Ware mit allen dazugehörigen zollrechtlichen Implikationen. Auch über den Stand der Brexit-relevanten Zollthemen wurde informiert. Ferner wurden als Specials die Lieferantenerklärung und die Erbringung von grenzüberschreitenden Dienstleistungen thematisiert. Der enorme Zuspruch zur Veranstaltung und das positive Feedback unterstrichen den Erfolg dieser Webinar-Reihe. Die Veranstalter planen die Fortführung dieses digitalen Formates.

China-Workshop informiert über Chancen bayerischer Mittelständler

Der China-Workshops der IHK am 17. Januar vermittelte den Teilnehmern eine klare Botschaft: China ist ein schwieriger Markt, dennoch kommt an China kein international tätiges Unternehmen mehr vorbei. AHK-Experte Jonathan Schoo betonte die riesigen Chancen, die China bayerischen Unternehmen biete. Schon 400 Millionen Chinesen seien in die Mittelschicht aufgestiegen. Deutsche Produkte stünden dort hoch im Kurs. Kein anderer Markt der Welt verspreche so viel Geschäft. Hinzu komme Chinas Erneuerungskurs der Wirtschaft, was bayerischen Mittelständlern etwa aus Umwelttechnik und Energieeffizienz super Chancen eröffne.

Zwiespältig äußerte sich Schoo über die Umsetzung chinesischer Reformversprechen in Sachen fairen Wettbewerbs und Marktöffnung. Einerseits gebe es klare Fortschritte: Die Liste der Branchen, in denen Firmen aus dem Ausland nicht investieren dürften, werde immer kürzer. Es gebe erste Versuche der chinesischen Regierung, ausländischen Mittelständlern den Marktzutritt zu erleichtern, auch der Schutz geistigen Eigentums habe sich verbessert. Allerdings hätten deutsche Firmen nach wie vor kaum Chancen, in China ihr Recht durchzusetzen. Dies gelte für Diebstahl geistigen Eigentums ebenso wie für weiter bestehende Marktbarrieren. Chinas Staatsaufträge würden grundsätzlich an chinesische Unternehmen vergeben, Chinas Banken finanzierten Chinas Staatsunternehmen. Deutsche Firmen hätten bei Großprojekten nur die Chance, als Zulieferer ins Geschäft zu kommen. Fortschritte sieht Schoo dagegen bei den großen chinesischen Handelsplattformen. Die würden sich als Folge gestiegener Qualitätsansprüche für hochwertige Lebensmittel, Kosmetik und Textilien deutscher und bayerischer Marken öffnen.

Info-Kampagne über Corona-Folgen für Bayerns Exportgeschäft

Webinar-Reihe „Auslandsgeschäfte in Zeiten von Corona“

Corona war ein Schock für Bayerns Exportwirtschaft. Der Warenverkehr in wichtige Zielmärkte kam phasenweise komplett zum Erliegen. Für die Unternehmen war es überlebenswichtig zu wissen, wo noch etwas geht, und wann Märkte wieder aus dem Lockdown öffnen. Die bayerischen IHKs haben mit der virtuellen Veranstaltungsreihe „Auslandsgeschäfte in Zeiten von Corona“ auf diesen Informationsbedarf reagiert. 30 Webinare schilderten die wirtschaftliche Lage der wichtigen Partnerländer und -regionen Bayerns. Experten der Auslandshandelskammern berichteten, wie das jeweilige Land auf die Coronakrise reagiert, und welche Folgen das für deutsche Unternehmen hat.
Alle Webinare sind als Videos hierabzurufen

Info-Ticker auf Außenwirtschaftsportal

Bayerischen Firmen bei der Erschließung neuer Märkte helfen – das ist die eigentliche Aufgabe des Außenwirtschaftszentrums Bayern (AWZ). In der Pandemie bot das AWZ, eine Gemeinschaftsinitiative der bayerischen IHKs und Handwerkskammern, einen zusätzlichen Service: Das AWZ bestückte einen Krisenticker, den Info-Kasten „Corona-Krise“ auf dem Außenwirtschaftsportal www.auwi-bayern.de. Dieser Info-Kasten wurde tagesaktuell gepflegt und bot eine schnelle Übersicht über die Corona-Lage in 84 Ländern und Regionen, Anlaufstellen, Regeln zur Einreise-Quarantäne und Einschränkungen für Geschäftsreisende.

Webinarreihe „Ready for Brexit“ – Was muss ich jetzt tun?

Für Bayerns Industrie und Exportwirtschaft war der letzte Tag des Jahres besonders wichtig. Der 31. Dezember, an dem das Undenkbare Realität wurde: Großbritannien ist offiziell aus der EU ausgetreten. Mit der Webinarreihe „Ready for Brexit“ bereiteten die bayerischen IHKs ihre Mitgliedsunternehmen darauf vor. Vom 21. Oktober bis 10. Dezember fanden neun Webinare statt. Behandelt wurden alle Aspekte, die auf das Geschäft mit Großbritannien Bedeutung haben: Zoll, Dienstleistungen, Transport, Steuern, Recht und Finanzierung. Die Webinare sind auf dem Außenwirtschaftsportal Bayern www.auwi-bayern.de immer noch abrufbar. Das Thema Brexit wird die bayerische Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter verfolgen. Die zentrale BIHK-Webseite zum Brexit ist abrufbar unter https://international.bihk.de/magazin/schwerpunktthemen/brexit.html

IHK-Position zum Handelsabkommen mit Großbritannien (TCA)

Das Zittern ging bis Weihnachten – dann haben EU und Großbritannien das gemeinsame Handels- und Kooperationsabkommens (TCA) gerade noch fristgerecht hinbekommen. Tenor der IHK-Position hierzu war dann auch Erleichterung. ‎Das TCA-Abkommen ist in jedem Fall viel besser als nichts, heißt es in dem Papier. Das Ganze sei aber nur ein Etappenziel, eine gute Basis weitere ‎Gespräche und Vereinbarungen. Als Hürde bezeichnete die IHK einen kaum lösbaren Grundkonflikt. Während die Briten auf mehr Souveränität pochten, wolle die EU in erster Linie die Integrität des Binnenmarkts schützen. Das erschwere Antworten auf viele wichtige Post-Brexit-Fragen der Wirtschaft. Die Palette reiche von Details im Zoll- und Warenverkehr über Vorschriften der Dienstleistungserbringung bis hin zum ewigen Thema Steuern.

Politikberatung auf europapolitischer Ebene

Seit Anfang 2020 sind die bayerischen IHKs (BIHK) im Transparenzregister der EU gelistet. Im Register sind Organisationen aufgeführt, die Einfluss auf die Rechtsetzung und Politikgestaltung der EU-Institutionen nehmen möchten. Das Register enthält nachvollziehbare Angaben darüber, welche Interessen von welcher Organisation und mit welchem finanziellen Aufwand verfolgt werden.

Der BIHK zeigt in Brüssel Präsenz mit dem Ziel, im Interesse des bayerischen Mittelstandes Einfluss zu nehmen auf Verordnungen, Richtlinien und Förderprogramme. Um mehr Schlagkraft zu erzeugen, setzt der BIHK seit Jahren auf das Teamwork mit verlässlichen Partnern – wie den bayerischen Handwerkskammern, der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Brüsseler Vertretung des Freistaats Bayern. Ein inhaltlicher Schwerpunkt war erneut das Dauerthema Bankenregulierung und Folgen für die Mittelstandsfinanzierung. Darüber diskutierte der IHK-Arbeitskreis Kreditwirtschaft am 21. Januar in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel mit EU-Abgeordneten und ‎Kommissionsvertretern. Nur einen Tag später, am 22. Januar, gab es ein Verbändefrühstück zum Thema „Sustainable Finance“ in der Brüsseler ‎WKÖ-Vertretung.

Parlamentarischer Abend in Brüssel zum Thema Sustainable Finance

Ein heißes Thema, ein bewährtes Format: Der Parlamentarische Abend am 21. Januar in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel erfüllte die Erwartungen, die der Titel versprach. „Herausforderungen für die Mittelstandsfinanzierung: Sustainable Finance, auch als Teil des Green Deals – Quo vadis?‎“ – mehr als 200 Teilnehmer wollten die Antworten darauf hören. Veranstalter waren die bayerischen IHKs (BIHK) und die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landesvertretung. Die Teilnehmer hatten die Chance, sich ein umfassendes Bild von dem Thema zu machen. Vertreter der Wissenschaft, EU-Kommission, der Wirtschaftskammern und der Politik kamen zu Wort. Prof. Klaus Josef Lutz, IHK-Vizepräsident und BayWa-Vorstandsvorsitzender, formulierte die Bedenken, die viele Unternehmer haben: Der grüne Wandel der Finanzbranche könnte die Finanzierung des Mittelstands gefährden.

Aufhalten lässt sich Sustainable Finance aber nicht. Es geht nur noch um die Umsetzung. Das machte Mario Nava klar. Nava, Direktor für Horizontale Angelegenheiten in der Generaldirektion FISMA der Europäischen Kommission, verwies auf den größeren Zusammenhang. Sustainable Finance sei Teil des Green Deals, mit dem die EU den Wandel der gesamten europäischen Wirtschaft vorantreibe. Klimaschutz sei oberstes Ziel, dem habe sich auch der Finanzsektor unterzuordnen. Nava sagte weiter, die Verhandlungen zwischen Parlament, Ministerrat und Kommission seien aus seiner Sicht ein Erfolg. Die Taxonomie – der Schlüsselbegriff der Debatte – werde sicher kommen. Gemeint ist ein Kriterienkatalog, der definiert, was unter guten, grünen und schlechten, braunen Geschäftsmodellen zu verstehen ist. Ziel der EU ist, das Kapital der Investoren in grüne Projekte zu lenken.

Dr. Christa Hainz vom Münchner ifo Institut kritisierte diesen Ansatz als grundfalsch. Sie stellte eine Studie ihres Hauses vor, die ein vernichtendes Urteil über Sustainable Finance fällt. Demnach bringt das Ganze dem Klimaschutz nichts, es schadet eher. Sustainable Finance bringe im Ergebnis eine ineffiziente Doppelregulierung. Die klassische Aufgabenteilung sei weit besser. Klimaschutz sei Aufgabe der Umweltpolitik, Zentralbanken und Bankenregulierung sich allein um Inflations- und Kreditrisiken zu kümmern. Dr. Ralf Kronberger, bei der WKÖ Leiter der Abteilung für Finanz- und Steuerpolitik, verwies auf drohende Risiken für die Mittelstandsfinanzierung. Er sagte, die Skepsis der Unternehmen gegenüber diesem EU-Vorhaben sei auch deshalb so groß, weil Mittelständler so gut wie keine Einflussmöglichkeiten hatten. Spitzengremien der EU hätten das ausgedealt.

IHK-Vizepräsident Lutz sprach von einer lebensfremden Überregulierung. Er warnte vor einem Horrorszenario, in dem Unternehmen vermeintlich oder tatsächlich schmutziger Branchen sich nicht mehr finanzieren könnten. Dann finde in der Industrie kein grüner Wandel statt, viele Unternehmen würden einfach abgewickelt. Lutz kündigte an, die IHK werde bei diesem Thema am Ball bleiben. Er hielt es nicht für ausgeschlossen, dass die EU hier weiter nachschärfe – etwa mit der zusätzlichen Prüfpflicht sozialer Kriterien bei großen Investitionen.

Podiumsdiskussion die „KMU-Strategie und der Corona Recovery ‎Plan“

Wie kommen Europas Mittelständler aus der Krise – und welchen Beitrag kann die EU dafür leisten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am 12. November die Online-Veranstaltung „KMU-Strategie und Recovery Plan – Herausforderungen für KMU“. Veranstalter waren bayerische IHKs (BIHK), Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Brüsseler Vertretung des Freistaats Bayern. Unterstützt wurde der Event durch das Enterprise Europe Networks (EEN). Mehr als 330 Teilnehmer loggten sich in den Live-Stream ein. In einem Punkt waren sich alle Referenten einig: Noch nie, wie jetzt in der Corona-Krise, waren gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen so entscheidend für Europas Mittelständler.

Der bayerische Wirtschafts-Staatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler) sagte, die EU habe mit ihrer KMU-Strategie und dem Recovery Plan große Weichen richtig gestellt – nur müssten Bayerns Mittelständler diese Fortschritte auch endlich spüren. Die Europaabgeordnete Angelika Winzig (CSU) argumentierte ähnlich. Wichtiger als Großvorhaben sei für Unternehmen in der Krise schnelle, einfache Hilfe. Hintergrund: Die KMU-Strategie soll den Unternehmen ermöglichen, was alle Referenten der Veranstaltung gut fanden: Unterstützung der digitalen und nachhaltigen Transformation, freie Geschäftsausübung im Binnenmarkt und über den Binnenmarkt hinaus und Verbesserung des Zugangs zu Finanzierungsmöglichkeiten. Über Recovery Plan und Wiederaufbau-Fonds sollen zwischen 2021 und 2023 insgesamt 750 Milliarden Euro in Regionen und Wirtschaftsbereiche fließen, die von der Coronakrise besonders hart getroffen wurden.

Ingo Schwarz, Vollversammlungsmitglied der IHK München, betonte, wer Unternehmen sicher aus der Krise bringen wolle, müsse sie mit weniger Bürokratie entlasten. Er forderte, die EU dürfe in den nächsten zwei Jahren keine neuen Regulierungen einführen. Die Wirtschaft brauche alle Kraft, um den Corona-Schock zu überwinden. Hilfestellungen bei der Digitalisierung des Mittelstandes – dafür plädierten Florian Frauscher, Sektionsleiter im österreichischen Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und KMU-Envoy, und Mariana Kühnel, Generalsekretär-Stellvertreterin der WKÖ. Nach Einschätzung Kühnels werde das die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen deutlich erhöhen. In Sachen Bürokratie-Abbau verwies sie auf die Fit-for-Future-Plattform im Rahmen des REFIT-Programms der EU, das die EU-Gesetzgebung erheblich vereinfachen könnte.

Kristin Schreiber, Direktorin für KMU-Politik bei der Europäischen Kommission, widersprach dem Vorwurf, die EU wirke in erster Linie als Belastung der Betriebe. „Mehr als die Hälfte der europäischen KMU hat bereits Hilfen aus dem EU Corona-Rettungsschirm abgefragt oder hat es vor zu tun“, sagte Schreiber. Die Kommission greife jeden Vorschlag der Unternehmen gerne auf. Nur müssten die Firmen diese Chance auch nutzen. Die Europaabgeordnete Henrike Hahn (Grüne) nannte diesen Dialog mit der Wirtschaft als entscheidend für die Umsetzung des „Green Deals“, mit dem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen der Klimaschutz voranbringen will. Hahn argumentierte, Unternehmen könnten sich schneller an neue Marktgegebenheiten anpassen als die Politik. Daher sei es sinnvoll, Industrie- und KMU-Strategie angesichts der Corona-Herausforderungen noch einmal zu überarbeiten – ein Vorschlag, dem sich alle Diskussionsteilnehmer anschließen konnten.

BIHK-Umfragen

Auswirkungen von Corona auf das Internationale Geschäft (Juli)

Welche Folgen hat die Corona-Krise für das internationale Geschäft? Dazu befragten die bayerischen IHKs im Juli ihren jeweiligen Außenwirtschaftsausschuss. Insgesamt nahmen 130 bayerische Unternehmen an dieser Umfrage teil. Das Fazit war für das Exportland Bayern alarmierend. Die international tätigen Unternehmen meldeten teilweise enorme Umsatzrückgänge. Komplette Lieferketten waren weggebrochen oder gestört, wichtige Investitionsstandorte und Absatzmärkte waren nur eingeschränkt zugänglich. Die Nachfrage im Ausland nach bayerischen Produkten brach weltweit ein. Bayerns Wirtschaft spürte diesen Einbruch besonders hart, weil die Exportquote von 54,3 Prozent (2019) über dem Bundesdurchschnitt liegt

"Der Brexit kommt. Sind Sie vorbereitet?" (November)

Unter dem Slogan „Der Brexit kommt: Sind Sie vorbereitet?“ befragten die bayerischen IHKs im November Mitgliedsunternehmen, die Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich unterhalten. Fast 400 Unternehmen nahmen teil. Das Ergebnis: Die Folgen der endlosen Brexit-Verhandlungen haben auch in Bayerns Wirtschaft zu großer Verunsicherung geführt. Knapp die Hälfte der befragten Firmen fühlte sich wenige Wochen vor dem EU-Austritt der Briten am 31. Dezember „noch nicht gut vorbereitet“ auf die Brexit-Folgen. Die Firmen fühlten sich von der Politik auch nicht gut informiert. Sie forderten, anstelle einer „Black Box“‎ müsse die Politik den Brexit-Prozess transparent darstellen. Die größten Risiken sahen die Unternehmen in Behinderungen des Warenverkehrs, Grenzkontrollen und Zollbürokratie. Top-Wunsch: Rechtssicherheit für das Geschäft mit Großbritannien. Dafür müsse geklärt werden, welche technischen Standards, Normen und Übergangsregelungen Bestand haben oder geändert werden.

IHK-Beteiligung an EU-Konsultationen

Die IHK für München und Oberbayern hat sich mit Stellungnahmen an folgenden Konsultationsprozessen der EU beteiligt:

  • KMU first – Proportionalität bei EU-Regulierungsvorhaben‎
  • Neue EU-Binnenmarktstrategie‎
  • Sustainable Finance‎
  • Überarbeitung der EU-Handelspolitik
  • Initiative zum Schutz und zur Erleichterung von Investitionen in der EU‎
  • Nachhaltiges Finanzwesen – EU-Klassifizierungssystem für grüne ‎Investitionen‎
  • Finanzielle Transparenz – einheitlicher ‎EU-Zugangspunkt für Unter‎nehmensinformationen