Weishäupl Werkstätten GmbH

Fließender Übergang

Lampen, Bauernmöbel, Futonbetten – Oskar F. Weishäupl probierte einiges aus, bis er sich auf Schirme und Outdoormöbel spezialisierte. Der Generationswechsel verlief dagegen ganz ohne Experimente. EVA ELISABETH ERNST

Ohne die hohe Brücke über dem Firmengelände, auf der ein Zubringer zur A8 verläuft, wäre die Idylle perfekt: Die Gebäude der Weishäupl Werkstätten GmbH in Stephanskirchen bei Rosenheim sind eingebettet in sanfte Hügel mit viel Grün und hohen Bäumen, in der Ferne zeigen sich die Alpen. In den hellen Werkstätten wird gesägt, geschreinert, zugeschnitten und genäht, bunte Stoffballen stapeln sich in den Regalen. Daneben stehen halbfertige Gartenschirme und -möbel. In der Startphase des Unternehmens sah das Sortiment allerdings noch ganz anders aus: Gedrechselte, vergoldete Lampen mit Seidenschirmen waren das erste Produkt, das Oskar F. Weishäupl auf den Markt brachte.

Der studierte Wirtschaftsingenieur startete die Weishäupl Werkstätten 1969. Im Laufe der Jahre entwickelte und produzierte das Unternehmen unter anderem Bauernmöbel, Futonbettsofas und Modulsessel. 1974 fielen Oskar Weishäupl in Verona die großen Marktschirme auf. „Für den privaten Gebrauch gab es damals nur billige Sonnenschirme mit kleinen Durchmessern“, erinnert sich der 74-Jährige. Mit den großformatigen, hochwertigen Schirmen, die er daraufhin produzierte, stieß er in eine Marktlücke. Er entwickelte die auch heute noch aktuelle Unternehmensvision vom Leben im Freien und stellte die Produktpalette nach und nach auf Schirme und Outdoormöbel um.

Erfolgreich in der Nische

Weishäupl-Schirme stehen heute zum Beispiel in Schloss Elmau, auf der Dachterrasse des Bayerischen Hofs in München oder im Coral Beach Club in Dubrovnik. Der Exportanteil liegt bei 30 Prozent, verkauft wird über ausgewählte Fachhändler. Bei größeren Objekten kommen die Architekten und Designer direkt auf das Unternehmen zu. Seit 2006 ist Weishäupl zudem Generalimporteur der Aluminium-Outdoormöbel des italienischen Herstellers FAST für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Holzmöbel und die Schirme werden nach wie vor ausschließlich in Stephanskirchen produziert – auch wenn es dort langsam eng wird. Aufgrund der heimischen Fertigung positionierte sich Weishäupl als Premiumanbieter – eine ausgesprochen erfolgreiche Strategie. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 60 Mitarbeiter. Beim Rundgang wird deutlich, dass der Begriff Manufaktur hier wirklich passt: Trotz modernem Maschinenpark wird hauptsächlich von Hand produziert. Außerdem fällt der freundliche Umgangston in den Werkstätten und Büros auf.

Die Stimmung der Mitarbeiter ist offenbar gut. Bei der Arbeit wird gelacht, in der Mittagszeit sitzen alle gemeinsam am Tisch. Auch im Gespräch mit Oskar Weishäupl und seinen Kindern Stefanie Weishäupl-Ehrl (43) und Philipp Weishäupl (40) sind schwelende Konflikte oder offene Irritationen nicht bemerkbar – auch wenn alle drei zugeben, dass sie durchaus intensive Gespräche führen, wenn sie nicht einer Meinung sind. „Allerdings waren die Differenzen nie so groß, dass wir uns richtiggehend gestritten hätten“, betont Oskar Weishäupl. Für Sohn und Tochter war schon früh klar, dass sie einmal ins Familienunternehmen einsteigen würden. „Als Kinder sind wir quasi im Betrieb aufgewachsen, in dem ja auch unsere Mutter beschäftigt war“, sagt Philipp Weishäupl. „Das war im Grunde unser Spielplatz: Da hat sich was gerührt, wir durften mit Holz basteln, hämmern und schleifen.“ Seine Schwester erinnert sich daran, dass sie und ihr Bruder als Kinder auch auf Messen dabei waren. „Und als ich etwas älter war, habe ich im Büro freiwillig die Ablage gemacht – und war ausgesprochen stolz auf meine Arbeit.“ Nach Abitur, einem Praktikum in einer Schreinerei, der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei einem Münchner Möbelhändler und einem Studium zur Möbelfachwirtin trat Stefanie Weishäupl-Ehrl 1998 ins Familienunternehmen ein.

Der Ausbildungsweg ihres Bruders Philipp verlief ähnlich: Er absolvierte Praktika in Metallbauunternehmen, schloss eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ab und arbeitet seit 2002 im Betrieb. Beide starteten zunächst als Sachbearbeiter. „Erst nach und nach haben wir zusätzliche Aufgaben übernommen“, sagt Stefanie Weishäupl-Ehrl. Sie kümmerte sich um Werbung, den Produktkatalog und Fotoshootings. Ihr Bruder konzentrierte sich auf Logistik und Produktion und sorgte unter anderem für die Einführung eines Warenwirtschaftssystems. „Für Computer habe ich mich persönlich nie so interessiert. Das habe ich gerne meinem Sohn überlassen“, sagt Oskar Weishäupl. Nachdem er gesehen habe, dass es mit den Kindern im Unternehmen wahrscheinlich gut funktionieren werde, gab er ihnen immer mehr Einblick und Freiheiten. „Der Übergang war fließend“, so der Seniorchef. Als Weishäupls langjähriger Freund und Co-Gründer Bob Arnold, der allerdings nie operativ im Unternehmen tätig war, 2010 seine Firmenanteile veräußern wollte, griff die Familie zu. „Das war ein finanzieller Kraftakt, den wir aber gemeinsam gestemmt haben“, sagt Oskar Weishäupl, der seither 55 Prozent an der Firma hält. Der Rest der Anteile liegt bei Stefanie und Philipp.

Auch wenn der Senior Mehrheitsgesellschafter ist, lässt er seinen Kindern bei der Führung des Unternehmens freie Hand – wie auch schon die Jahre davor. „Unser Vater hat sich relativ rasch aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen“, bestätigt Philipp Weishäupl. Allerdings schaut der Senior noch fast jeden Tag im Betrieb vorbei und bespricht zum Beispiel mit seiner Tochter das Design neuer Stoffe oder unterstützt seinen Sohn bei den Planungen für Abriss und Neubau einer Halle. „Ich sage zwar schon noch, was mir gefällt, aber die Entscheidungen treffen meine Kinder“, betont Oskar Weishäupl. Er kenne viele ältere Unternehmer, denen es schwerfalle, den Jungen das Ruder zu überlassen. „Damit habe ich keine Schwierigkeiten. Und mein Unternehmensanteil geht eines Tages sowieso auf die Kinder über.“ Bis dahin kümmert er sich auch gern um die fünf Enkel im Alter zwischen sieben und elf Jahren. So kommt es, dass mittlerweile bereits die dritte Generation im Familienbetrieb vorbeischaut.