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IHK Talk "Verantwortung"

IDEEN HABEN KRAFT ist das Motto einer inspirierenden Talk-Reihe.

Drei visionäre Querdenker präsentieren ihre Ideen zu den Themen verantwortungsvolles Unternehmertum und soziale Innovation. Sie geben Impulse für die zukünftige Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Freiheiz in München ging es um das Thema Verantwortung in der Wirtschaft.

  • Welche Rolle spielt das Thema Verantwortung in der Digitalisierung? Erfordert das Thema Künstliche Intelligenz mehr Augenmerk? Was kann die Digitalisierung im Sinne der Ethik leisten? Das waren die Fragen, mit denen sich Catalin Voss auseinandersetzte.
  • Diversität in der Belegschaft - was bringt das einem Unternehmen? Oder ist es eine Verpflichtung für ein Unternehmen, auch Personen zu beschäftigen, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Veronika Hackl gab dazu ihre Sicht der Dinge.
  • Prof. Julian Nida-Rümelin hat diese Fragen in einen größeren Kontext eingeordnet.

Verantwortung - essentieller Bestandteil der Wirtschaft

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© 2018 Isa Foltin Catalin Voss beim IHK-Talk Verantwortung

IHK-Präsident Eberhard Sasse spannte im Gespräch mit Moderatorin Karen Webb den großen Bogen, der schon im Veranstaltungsort angelegt ist: In unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Generatorenwerks der Bahn haben jetzt internationale Konzerne der digitalen Welt ihren Sitz. Im Gegensatz zu dem Kerngedanken von Karl Marx, dessen These, der Kapitalismus werde an seinen eigenen Widersprüchen scheitern, sei die Idee der IHK sei frisch und zeitgemäß. In der langen IHK-Geschichte habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, die gesellschaftlichen Koordinaten nicht aus den Augen zu verlieren. Die Veränderungen und Innovationen müssten allesamt „in das Flussbett des Ehrbaren Kaufmanns“ fließen.

Manager und Unternehmer müssen sich an Werten orientieren

Nida-Rümelin zeigte sich im Interview mit Leonhard Nima als Regulierungsskeptiker. Mit Hinweis auf die Finanzkrise und Dieselskandal sagte er, Manager und Unternehmer müssten sich wieder an Werten orientieren. Wenn die Gesellschaft nicht auseinander fallen solle, müsse man mit der Fixierung auf den Shareholder Value und Profitmaximierung brechen. Es gehe darum, eine neue Vertrauenskultur in der Wirtschaft aufzubauen. Die überschäumende Debatte über die sozialen Folgen der Digitalisierung kritisierte der Philosoph als wenig hilfreich. Die Gesellschaft habe gelernt, technische Umbrüche zu meistern. Was man dringend brauche, sei mehr Gelassenheit.

Catalin Voss: Wir vergessen den Menschen nicht

Der junge Deutsche und Stanford Absolvent gilt als eines der aufregendsten Talente des Silicon Valleys, der sich mit starkem technischen Fokus sozial stark engagiert. Der deutsche Star der Startup-Szene arbeitet aktuell daran, den Rassismus im US-Justizsystem nachzuweisen. Dabei unterzieht er die Bögen aus Gesprächen, ob eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt, einer statistischen Analyse. Ausgangspunkt ist dieTatsache, dass Afroamerikaner in den USA ein doppelt so hohes Risiko haben, im Gefängnis zu landen, als weiße US-Bürger. Voss entwickelt ferner eine technische Lösung, die kleinen Einzelhändlern Afrikas neue Finanzierungsquellen erschließt. Mit dem Beispiel seines Projekts für autistische Kinder lieferte Voss den Beweis, dass es Gründer mit anderen Zielen gibt, als schnellen Profit oder den millionenschweren Exit.

Businesstalk auf Bayerisch: „Servus, I bin der Franz“

Veronika Hackl, Geschäftsführerin von „Franz der Bettenbauer“, begeisterte mit dem Bericht ihrer Unternehmensgründung das Publikum. „Servus, I bin der Franz.“ - so führt sich jeder Mitarbeiter des Unternehmens grundsätzlich ein. Noch ehe sie einen Euro verdient hatten, waren sie sozial engagiert und wollten tolle Betten mit Geflüchteten als Mitarbeitern bauen. „Wer seine Heimat liebt, der intergiert!“, lautet der Slogan der Hackls. Veronika Hackl beschönigte nichts. Weder fehlende handwerkliche Begabung einiger Geflüchteter noch den Bürokratie-Wahnsinn, mit dem sie an der Integrationsfront zu kämpfen hat. Ihr vielleicht schönstes Beispiel: Ihre Mitarbeiter „mit Migrationshintergrund“, wie es in der Amtssprache heißt, hatten Probleme, in der Wirtschaft um die Ecke zum Mittagessen zu gehen. Grund: Das Wirtshaus liegt auf österreichischer Seite, ein Besuch wäre ein illegaler Grenzübertritt gewesen. Mit solchen Geschichten schaffte es Franz der Bettenbauer trotz fehlenden Umsatzes in die bundesweiten Medien. Nachdem selbst die Tagesthemen berichtete hatten, haben die Hackls dann tatsächlich die ersten Betten verkauft. Obwohl die Franz-Betten im Vergleich zu den Möbel-Discountern "sauteuer" sind, haben sie inzwischen ihre Fans und Kunden.