IHK Position

Krise bewältigen – Eigenkapital stärken

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"Mittelstandslücke“ bei den Eigenkapitalstärkungsmaßnahmen schließen

In Krisenzeiten wird häufig das Eigenkapital, das als Risikopuffer dient, geschmälert. Die Corona-Pandemie hat völlig unerwartet und in voller Wucht durch Schließungen etc. zu Verlusten und damit auch bei rund 30 % der Unternehmen zu einem deutlichen Rückgang des Eigenkapitals geführt, was wiederum die Kreditfinanzierungsmöglichkeiten limitiert. Die Stützungsmaßnahmen des Bundes und der Länder in Form von Bürgschaften, Rekapitalisierungen und Beteiligungen werden begrüßt, allerdings besteht eine nicht gerechtfertigte "Mittelstandslücke" bei der Eigenkapitalfinanzierung. Folgende Maßnahmen werden von IHK, Handwerkskammern und den bayerischen Banken vorgeschlagen, um zur Stärkung der Eigenkapitalsituation im Mittelstand beizutragen:

  • Steuerliche Verlustberücksichtigung auf mindestens 10 Mio. Euro erhöhen und mindestens für die letzten 3-5 Jahre ermöglichen, weitere steuerliche Maßnahmen zur Eigenkapitalstärkung umsetzen.
  • Regulatorische Vorgaben bei den Eigenkapitalanforderungen in Bezug auf Unternehmen praxisgerecht ausgestalten, v.a. die EU-Definition "Unternehmen in Schwierigkeiten".
  • Ein kreditnahes Produkt mit Nachrang- bzw. Eigenkapitalcharakter auflegen, z. B. durch eine Anpassung und praxisnahe Gestaltung der Zugangskriterien für das KfW-Programm "ERP-Mezzanine für Innovation" sowie für das KfW-Programm "ERP-Kapital für Gründer".
  • Zukunftsfähige Restrukturierungen auch für kleine Unternehmen ermöglichen, insbesondere durch die Umsetzung der EU-Restrukturierungsrichtlinie in nationales Recht bis 31.12.2020.

Zum Positionspapier „Mittelstandslücke“ bei den Eigenkapitalstärkungsmaßnahmen schließen

ifo: Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise sollten Strukturwandel fördernd begleiten

Eine "ifo Kurzexpertise" im Auftrag der IHK für München und Oberbayern kommt zu folgendem Fazit: Auch wenn der aktuelle politische Fokus auf der Abmilderung der mittelfristigen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie liegt, sollte die Politik bei der Wahl ihrer Maßnahmen auch den Strukturwandel im Blick haben. Wenn durch staatliche Gelder Branchen und Unternehmen unterstützt werden, deren Geschäftsmodelle nur noch geringe Zukunftschancen haben, dann besteht die Gefahr, dass Strukturen künstlich am Leben gehalten werden; die bereinigende Funktion des Marktes wird abgeschwächt oder ganz außer Kraft gesetzt.

Ein ideales Maßnahmenpaket sollte daher einen effektiven Beitrag zur Überwindung der Wirtschaftskrise leisten und gleichzeitig den Strukturwandel möglichst nicht behindern. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht kommt es dabei vor allem darauf an, Unternehmen und deren Belegschaft auf den Strukturwandel vorzubereiten. Das kann mit Hilfe von Weiterbildungsmaßnahmen geschehen oder durch die Förderung von Neueinstellungen, sodass neues Wissen und Humankapital ins Unternehmen gelangen. In Bezug auf steuerpolitische Maßnahmen können Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung dazu beitragen, Unternehmen künftig krisensicherer zu machen und gleichzeitig den Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland zu stärken. Staatliche Finanzierungsprogramme sollten hingegen nur Unternehmen gewährt werden, die ein tragfähiges Geschäftsmodell vorweisen können und lediglich durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Turbulenzen geraten sind. Im Hinblick auf das Insolvenzrecht ist eine Aussetzung durchaus als sinnvoll zu bewerten, um Behörden zu entlasten und Insolvenzverfahren häufiger durch Gläubiger-Schuldner Verhandlungen zu lösen.

Zur "ifo Kurzexpertise": Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronakrise im Zeichen des Strukturwandels