Pressemeldung vom 15.02.2023

IHK fordert mehr Rückenwind für Selbstständige nach Corona-Einbrüchen

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© Andreas Gebert

Die IHK für München und Oberbayern weist auf die schwierige Situation vieler Solo-Selbstständigen nach Ende der Corona-Pandemie hin. „Viele Selbst­ständige haben in der Corona-Krise besonders unter Geschäftseinbrüchen gelitten. Ganze Branchen wie Messen, Veranstal­tungen, Fitness und Tourismus fielen mehr als zwei Jahre als Auftrag­geber aus. Danach führten Krieg, Energie- und Rohstoffkrise, Inflationsschock und Rezessionsängste ins nächste Stimmungstief. Umso wichtiger ist jetzt wirtschaftspolitischer Rückenwind, da immer noch viel zu viel Bürokratie und praxisferne Vorschriften unsere Einzelkämpfer belasten“, sagte IHK-Hauptgeschäfts­führer Manfred Gößl gestern bei der Eröffnung des IHK-Selbstständigentags 2023.

Gößl: „Bürokratie und praxisferne Vorschriften belasten viele unserer Einzelkämpfer“

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© Andreas Gebert

„Solo-Selbstständige sind für unsere hochgradig spezialisierte Wirtschaft von großer Bedeutung. Gut 60 Prozent aller Mitglieder der IHK München sind Ein-Personen- oder Kleinstunternehmen“, betonte Gößl. „Ihnen fällt es als Solisten besonders schwer, neben dem Tagesgeschäft alle Vorschriften und Gesetze umzusetzen oder sie überhaupt zu kennen. Der ständig anwachsende und immer komplexere Grundstock an Bürokratie verursacht anteilig umso höhere Kosten, je kleiner ein Unternehmen ist. Die Solo-Selbstständigen leiden so gesehen am stärksten an Bürokratie“, so der IHK-Chef weiter. Obwohl Solo-Selbstständige die größte Gruppe aller Betriebsgrößen bilden, nehme die Politik in ihren Gesetzesvorhaben viel zu wenig Rücksicht auf deren besondere Belange.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) kritisierte besonders die hohe Steuerbelastung für Selbstständige: "Unternehmertum lohnt sich in Deutschland nicht genug. Wir brauchen mehr gesellschaftlichen Respekt gegenüber den Selbstständigen und weniger Abgaben und Auflagen. Es ist höchste Zeit, dass der Bund die Steuer­schraube nach unten dreht. Den Unternehmern muss mehr Geld in der Kasse bleiben."

Als Alarmsignal wertet die IHK die jüngsten Zahlen zur Entwicklung der Selbstständigen­quote: Diese ist von 2017 bis 2021 in Bayern von 10,5 auf 9,5 Prozent geschrumpft, die Zahl der Selbstständigen ist trotz Zuwächsen bei der erwerbstätigen Bevölkerung im gleichen Zeitraum von 790.000 auf 730.000 zurückgegangen. 2011 lag der Anteil von Selbst­ständigen an allen Erwerbstätigen noch bei 12,3 Prozent. Die Existenzbedrohung der Selbstständigen ist laut aktuellem ifo-Index dreimal höher als in der Gesamt­wirtschaft. Die IHK für München und Oberbayern plädiert daher für eine aktive Wirtschaftspolitik, die auf die besonderen Bedürfnisse der Selbstständigen eingeht und keine weitere Verunsicherung schafft, insbesondere bei den Themen Scheinselbst­ständigkeit und Altersvorsorgepflicht.

Am IHK-Selbstständigentag nahmen rund 250 Unternehmerinnen und Unternehmer teil. Auf dem Programm standen eine Paneldiskussion zur Zukunft der Selbstständigkeit sowie Fachvorträge zu Geschäftsstrategien und Marketing.

Bildunterschriften:
Bild Gößl/Aiwanger: IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl (r.) und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) beim IHK-Selbstständigentag 2023 am
14. Februar in der IHK München.
Bild Panel: (v.l.n.r.) Moderatorin Vera Cornette, Andreas Lutz, Geschäftsführer des Verbands der Gründer und Selbstständigen (VGSD), Stephanie Schuhknecht (Grüne, Landtagsabgeordnete und Fraktionssprecherin für Start-Ups und Gründerszene) und Matthias Henze (Geschäftsführer von jimdo) sprechen über aktuelle Herausforderungen für Gründer und Selbstständige.

Freie Verwendung beider Bilder für Pressezwecke. Fotograf: Andreas Gebert für die IHK München.