18.03.2019

Flächendebatte sauber führen

Flächennutzung in Bayern
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In der Debatte um die Flächennutzung im Freistaat fordert der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) eine sachliche und faktenbasierte Debatte. „Das Bevölkerungswachstum und die langfristig guten Wirtschaftsperspektiven erfordern mehr Flächen für bezahlbaren Wohnraum, für Gewerbe und Mobilität. Statt eines starren und praktisch nicht umsetzbaren Richtwerts setzt die Wirtschaft auf mehr Effizienz bei der Flächennutzung“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl anlässlich der heutigen Auftaktveranstaltung zur Flächensparoffensive der Staatsregierung.

Starre Richtgröße ist der falsche Weg / Englischer Garten zählt als Siedlungsfläche

„Eine Richtgröße schafft mehr Probleme als sie löst“, so der BIHK-Chef. Es sei vollkommen unklar, nach welchen Kriterien Flächenkontingente regional und zeitlich verteilt werden sollen. Die Wirtschaft befürchte daher ein neues Bürokratie-Monster, das die Kommunen in ihrer Planungshoheit lähmen würde. Gößl kritisiert außerdem, dass selbst umweltfreundliche Projekte wie mehr Radwege oder Sport- und Erholungsflächen unter die Obergrenze fallen würden. „Es ist absurd, dass Fußballplätze oder Parkflächen wie der Englische Garten in München statistisch zur Siedlungsfläche zählen. Noch dazu setzen viele den Begriff Siedlungsfläche fälschlicherweise mit ‚versiegelter Fläche‘ gleich. Allerdings ist nur rund die Hälfte der Siedlungsfläche tatsächlich bebaut“, so Gößl weiter.

Die Wirtschaft setzt auf Baulückenkataster, maßvolle Nachverdichtung, die Revitalisierung von Brachflächen sowie die engere Zusammenarbeit benachbarter Gemeinden beim Flächenmanagement. Pläne der Staatsregierung für eine Entsiegelungsprämie und die Förderung von innerörtlicher Flächenentwicklung seien ebenfalls zu begrüßen. BIHK-Hauptgeschäftsführer Gößl betont, dass die Wirtschaft schon allein aus Kostengründen an einem sparsamen Umgang mit teurem Grund interessiert sei. Außerdem sei nicht nur für die Betriebe im Tourismusbereich ein landschaftlich attraktiver Standort wichtig. Die bayerischen IHKs haben sich beispielsweise bereits seit Jahrzehnten gegen großflächige Einzelhandelsprojekte auf der grünen Wiese ausgesprochen.

Laut BIHK sind 88 Prozent der Fläche des Freistaats Wälder, Äcker, Naturland und Gewässer. Gewerbe, Industrie und Handel nehmen dagegen nur ein Prozent der Gesamtfläche in Anspruch. Einen deutlich größeren Anteil hat mit drei Prozent der Wohnbau.