01.06.2018

US-Strafzölle verdüstern Aussichten für freien Handel

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© Jan Becke

Die Einführung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium durch US-Präsident Trump alarmiert die bayerische Wirtschaft. „Die USA sind Bayerns wichtigster Exportmarkt und seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Wirtschaftspartner des Freistaats“, sagt Eberhard Sasse, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Sasse kritisiert die Fixierung der US-Regierung auf die Handelsbilanz als Symptom eines überholten Wirtschaftsdenkens.

Sasse: „Handelskrieg kennt nur Verlierer“ / USA sind Bayerns Top-Auslandsmarkt

„Mit den Strafzöllen setzen die USA ein unmissverständliches Zeichen für mehr Protektionismus und verletzen die Grundsätze der Welthandelsorganisation WTO. Heute ist ein schwarzer Tag für die Weltwirtschaft, denn ein Handelskrieg kennt nur Verlierer“, so Sasse. Die EU müsse nun Geschlossenheit zeigen und überlegt Gegenmaßnahmen setzen.

„Die Handelsbilanz ist nur ein Ausschnitt der engen Wirtschaftsverflechtungen zwischen Bayern und den USA. Sie lässt etwa Dienstleistungen außen vor, bei denen die USA deutlich stärker als bei Industriewaren sind. Viele amerikanische Unternehmen produzieren in Bayern oder vermarkten ihre Patente, Urheberrechte und auch digitale Dienstleistungen hier. Sie erwirtschaften damit gute Gewinne für ihre Eigentümer. Umgekehrt sind bayerische Unternehmen in den USA aktiv und dort ein bedeutender Arbeitgeber. Wer diese engen und gegenseitig vorteilhaften Verflechtungen mutwillig aufs Spiel setzt, handelt äußerst fahrlässig“, betont Sasse.

Die konkreten Auswirkungen der Zölle auf den Freistaat sieht der BIHK vorerst als sehr gering an. 2017 exportierte der Freistaat zwar Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro in die USA, dies waren 11,2 Prozent aller bayerischen Exporte. Die USA sind damit Bayerns wichtigster Exportmarkt, vor China und Österreich. Stahl und Aluminium spielen im USA-Geschäft für Bayern aber keine große Rolle. Bayern erzielte in diesen Warenkategorien mit den USA Exporterlöse in Höhe von rund 50 Millionen Euro, dies entspricht lediglich 0,2 Prozent der gesamten Ausfuhren in die USA.