01.09.2017 - Altötting-Mühldorf

Weiterhin viele offene Ausbildungsstellen im Landkreis

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Viele Betriebe im Landkreis Altötting haben auch heuer große Mühe, zum Beginn des Ausbildungsjahrs am 1. September alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Die IHK für München und Oberbayern erwartet erneut, dass eine große Anzahl an Lehrstellen in den Unternehmen frei bleibt. Nahezu ein Drittel der seit Jahresbeginn im Landkreis gemeldeten Ausbildungsangebote war zuletzt noch unbesetzt. Für die rund 250 freien Plätze gab es allerdings nur 141 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

IHK-Betriebe schließen mehr Lehrverträge ab als im Vorjahr

Insgesamt treten laut IHK-Zwischenbilanz diese Woche 472 Jugendliche eine Lehre bei Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen im Landkreis an. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge somit um 4,7 Prozent gestiegen. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe mit den meisten Bewerbern sind Kaufleute für Büromanagement, Chemiekanten, Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer und Kfz-Mechatroniker.

‎„Das Anbieten von Ausbildungsplätzen ist und bleibt die beste Versicherung für ein Unternehmen gegen den Fachkräftemangel. Passende Bewerber für die Lehrstellen zu finden ist aber alles andere als einfach – auch angesichts der aktuell starken Konjunktur“, erklärt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und ‎Vorsitzende des Regionalausschusses Altötting-Mühldorf. Der Engpass, so die Schwindegger Unternehmerin, geht wie schon in den Vorjahren oberbayernweit quer durch alle Branchen: „Es werden zwar nach wie vor besonders angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer, Köche und Hotelfachleute gesucht, aber auch Bürokaufleute, Bankkaufleute und Lagerlogistiker fehlen“. Obermeier-Osl führt den Bewerbermangel auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 57 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu verbessern, fordert Obermeier-Osl eine bessere Berufsorientierung an den Schulen: „Leider wird ein Studium noch viel zu oft als Königsweg für die berufliche Entwicklung gesehen. Hier müssen wir ansetzen, denn tatsächlich ist die duale Ausbildung der Schlüssel zu unserem erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Eltern können deshalb zu Recht stolz sein, wenn sich ihre Kinder für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden“.

Haben Betriebe Probleme in der Ausbildung, geben laut einer IHK-Umfrage 76 Prozent von ihnen an, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger ein Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis Altötting hat im Vergleich zum Vorjahr fast vier Prozent abgenommen. Insgesamt gibt es aktuell 232 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, geringfügig mehr als noch vor einem Jahr. Bayernweit bilden die IHK-Betriebe Jugendliche in mehr als 240 Berufen aus und stehen ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. Die Zahlen der Arbeitsagentur beziehen sich auf alle Ausbildungsbereiche, neben Industrie, Handel und Dienstleistung gehören dazu auch das Handwerk und die freien Berufe.

Zahlreiche freie Lehrstellen in Altötting mit sofortigem Ausbildungsbeginn sind unter www.ihk-lehrstellenboerse.de zu finden. Am 11. November findet außerdem wieder der IHK-Bildungsexpress statt. Jugendliche und ihre Eltern haben dort die Möglichkeit, während einer Sonderzugfahrt von Mühldorf nach Salzburg über 30 Ausbildungsunternehmen aus der Region kennenzulernen und sich dabei über Lehrstellen und Praktika zu informieren.