03.11.2017 - Eichstätt - Ingolstadt - Neuburg-Schrobenhausen - Pfaffenhofen

IHK-Forum diskutiert Nationalpark-Pläne und Zukunft der Automobilindustrie ‎

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© Bösl / IHK

Mit der Suche nach einem dritten Nationalpark sowie der Zukunft der Automobilindustrie widmete sich das jüngste IHK-Forum der Region Ingolstadt zwei Themen, die derzeit viele Menschen und Unternehmer umtreiben. Über 90 Gäste kamen zum jährlichen Treffen der vier IHK-Regional­ausschüsse, das dieses Mal im Kelten-Römer-Museum Manching stattfand. Neben den zahlreich erschienenen Mitgliedern der IHK-Regionalausschüsse Eichstätt, Pfaffenhofen, Ingolstadt und Neuburg-Schrobenhausen folgten der Einladung auch viele Gäste aus der regionalen Politik und Verwaltung, unter ihnen der Eichstätter Landrat Anton Knapp (CSU) und der amtierende Landrat Anton Westner (CSU) aus Pfaffenhofen.

Mehr Transparenz und klare Aussagen beim Nationalpark gefordert

In seinem Grußwort gab Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, seiner Hoffnung Ausdruck, dass insbesondere die Vorträge zur Nationalparksuche zur Klärung der noch vielen offenen Fragen beitragen, die die Wirtschaft bewegen. „Nur auf Grundlage klarer und fundierter Informationen“, betonte Kammerer, „wird es uns gelingen, eine ausgewogene Positionierung der gesamten oberbayerischen Wirtschaft zu dem Thema zu entwickeln.“

Ursula Schuster vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz stellte zunächst den Status quo der Nationalparksuche vor. Im Falle der Donau-Auen könnte dieser, so der aktuelle Stand, die Isar-Auen mit einschließen, um die erforderliche Größe von 10.000 Hektar zu erreichen. Mehrmals betonte Schuster, dass der Suchprozess offen verlaufe, und dass das Ministerium dem Dialog mit den betroffenen Menschen in den Suchräumen Rhön und Donau-Auen, etwa wenn es um die Verfeinerung der Gebietskulisse gehe, oberste Priorität einräume.

Wie sich ein möglicher Nationalpark entlang der Donau zwischen Neuburg und Ingolstadt auf die dort angesiedelten Betriebe auswirken könne, darüber referierte Rechtsanwalt Mathias Reitberger von der Kanzlei Meidert und Kollegen. Sein besonderes Augenmerk galt dem Punkt, wie benachbarte Unternehmen ihre Interessen wahren könnten. Für den Fall negativer Auswirkungen stellte Reitberger eine Checkliste für die Unternehmer vor. Seinen Ausführungen folgte eine lebhafte Diskussion, in der sich auch Franz Leinfelder, Vorsitzender der IHK-Regionalversamm­lung Donau-Ries, zu Wort meldete. Leinfelder berichtete über sehr starke Vorbehalte der Unternehmer in seiner Region gegenüber diesem Projekt. Viele stellten dessen Sinnhaftigkeit in einem so wirtschaftsintensiven Raum in Frage, so der Vorsitzende. Aus dem Publikum kam es vor allem zu Meinungsäußerungen, die klare Aussagen von Seiten der Staatsregierung einforderten, insbesondere was die genauen Abgrenzungen des Parks und den häufig propagierten Nutzen für die Wirtschaft beträfe.

Quo vadis Verbrennungsmotor – die Zukunft der Automobilindustrie

Im zweiten Teil des Abends widmete sich Oliver Falck vom ifo Zentrum für Industrie­ökonomik und neue Technologien dem Verbrennungsmotor und wie sich ein mögliches Verbot ab 2030 zum einen auf die Schadstoffemissionen, zum anderen aber auch auf die Beschäftigungsverhältnisse speziell in Oberbayern auswirken würde.

Es wurde schnell deutlich, dass die Region Ingolstadt mit etwa 24.500 Beschäftigten, die in vom Verbrennungsmotor abhängenden Industrieunternehmen arbeiten, im bayern- und bundesweiten Vergleich erstaunlich hoch betroffen wäre. Insgesamt entspräche diese Beschäftigtenzahl einem Anteil von 52 Prozent der industriellen Gesamtbeschäf­tigung. Laut Falck sei es fraglich, ob in solch einem kurzen Zeitraum der Beschäftigungs­wechsel eines Großteils dieser Angestellten in Richtung Elektromobilität zu ermöglichen wäre. Um dem Vorwurf mangelnder Innovationsbemühungen seitens der deutschen Automobilindustrie zu begegnen, stellte Falck interessante Zahlen zu den Patentanmel­dungen deutscher Automobilbauer vor. Hier zeigte sich, dass Deutschland zwischen 2010 und 2015 nicht nur führend bei den weltweiten Patentanmeldungen für Verbrennungsmotoren (40 Prozent) war, sondern auch bei Elektrofahrzeugen mit 34 Prozent und bei Hybridfahrzeugen mit 32 Prozent.

Der informative Abend führte den Gästen vor allem eines vor Augen: sowohl die Nationalparksuche als auch die Zukunft des Verbrennungsmotors werden die Region auch weiterhin stark beschäftigen. Um gemeinsam zukunftstaugliche Lösungen zu entwickeln, braucht es vor allem die Dialog- und Konsensbereitschaft aller involvierten Parteien.