Energie

Sauber und kostengünstig

Die Wittmann Kies + Beton GmbH bezieht seit kurzem Strom aus einem Solarpark direkt vor dem Werkstor und drückt so die Energiekosten. JOSEF STELZER

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Solarpark Neuburg

Wie lässt sich die Energiewende in der betrieblichen Praxis umsetzen? Welche Vorteile können sich dabei für die Unternehmen ergeben? Die Wittmann Kies + Beton GmbH in Neuburg an der Donau hat hierzu eine vielversprechende Lösung gefunden. Dreh- und Angelpunkt ist ein etwa zwei Hektar großer Solarpark mit Photovoltaikanlagen, der das Unternehmen seit März dieses Jahres mit Strom versorgt.

„Wir werden von dort circa 30 Prozent unseres jährlichen Stromverbrauchs von rund 600 Megawattstunden beziehen, den Rest erhalten wir aus dem öffentlichen Netz“, erklärt Prokuristin und Projektleiterin Ulrike Wittmann (43). Den Anteil des Solarstroms will sie im Laufe der Zeit deutlich erhöhen. „Damit reduzieren wir unsere Stromkosten weiter und leisten einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz sowie zur regionalen Wertschöpfung.“

Aufgebaut ist das Kraftwerk auf einem gerade mal 20 Meter entfernten Areal gegenüber dem Wittmann-Werkstor. Betreiber ist die Ingolstädter Anumar Solarpark Neuburg GmbH & Co. KG, die das Grundstück gepachtet hat. Vom Neuburger Solarpark, der jährlich rund 1 000 Megawattstunden Strom produziert, pachtet wiederum Wittmann ein Drittel. Der im Solarpark erzeugte Strom fließt über ein neu verlegtes Kabel direkt auf das Wittmann-Gelände. Das öffentliche Netz wird hierzu nicht genutzt. Für den oberbayerischen Hersteller von Betonfertigteilen dürfte sich die Solarpartnerschaft rasch rechnen. Denn das Unternehmen zahlt laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Pächter für den Solarstrom nur 40 Prozent der derzeit geltenden EEG-Umlage in Höhe von 6,88 Cent/Kilowattstunde. Hinzu kommt der Pachtzins in Höhe von umgerechnet rund 9,5 Cent/Kilowattstunde. Stromsteuer und Netzentgelte entfallen für Wittmann komplett.

Sinkende Stromkosten für den Pächter

Den Investitionsaufwand für den Bau des Kraftwerks – etwa 1,2 Millionen Euro – übernahm die Betreibergesellschaft. „Dank unseres Energy2Business-Geschäftsmodells werden die Stromkosten für den Pächter unterm Strich um bis zu zehn Prozent sinken, schätzungsweise um 10 000 bis 25 000 Euro pro Jahr“, erläutert Anumar-Geschäftsführer Andreas Klier (36). Der nicht verbrauchte Solarstrom fließt ins öffentliche Netz. Der Betreiber erhält dafür eine Einspeisevergütung in Höhe von etwa neun Cent/Kilowattstunde. Eine solche Partnerschaft beziehungsweise der Gang in die Eigenversorgung ist für viele Unternehmen der einzige Weg, ihren Standort in Bayern aufrechtzuerhalten und die immer weiter steigenden Stromkosten zu senken. Gerade für viele mittelständische Industriebetriebe hat Deutschland seit Beginn 2017 die höchsten Stromkosten in der EU.

Eine Studie der Technischen Hochschule Ingolstadt untersucht, inwieweit Unternehmen ihre Kosten mit einem solchen Modell reduzieren können. „Energy2Business eignet sich nur, wenn sie von der EEG-Umlage nicht befreit sind“, betont Klier. Profitieren könnten vor allem Betriebe mit einem jährlichen Stromverbrauch von über einem Gigawatt. Zudem muss in ihrer näheren Umgebung ein ausreichend großes Gelände zur Errichtung eines Solarkraftwerks verfügbar sein. Der Neuburger Solarpark jedenfalls sorgt für Aufsehen. Mit einem Elektronikhändler in Memmingen unterzeichnete der Anumar-Geschäftsführer im Mai dieses Jahres einen Vertrag für die Nutzung einer vergleichbaren Anlage. „Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt, in Kürze noch weitere Energy2Business-Projekte auf den Weg zu bringen“, so Klier.