Nina Hugendubel

‎„Wir sind wieder ein echtes Familienunternehmen“‎

Vor drei Jahren steckte der Buchhändler Hugendubel in einer schweren Krise. Geschäftsführerin Nina Hugendubel gelang es mit ihrem Bruder, das Unternehmen neu auszurichten. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 25.04.17 Unternehmergespräch Harriet Austen mit Nina Hugendubel, Hugendubel Buchhandlungen Foto: Marion Vogel
Unternehmerin Nina Hugendubel, Foto: Marion Vogel

Nina Hugendubel schwärmt von ihrem Vater. „Er strahlte Gelassenheit und Ruhe in aufregenden Zeiten aus“, beschreibt sie Heinrich Hugendubel, der 1964 die Geschäftsführung von seiner Mutter übernahm und aus der Münchner Buchhandlung den größten inhabergeführten Filialisten in Deutschland machte.

Er war mit seinem Humor, Einfallsreichtum und der Nähe zu den Mitarbeitern ein großes Vorbild für seine Tochter. Hat sie diese Eigenschaften übernommen? „Ich hoffe, dass ich so wahrgenommen werde“, sagt die 46-Jährige, die das Unternehmen heute zusammen mit ihrem Bruder Maximilian (48) führt. 2014 wurden diese Eigenschaften auch dringend gebraucht.

In jenem Jahr rutschte das Buchhandelsunternehmen in eine „echt heftige Krise“, wie Nina Hugendubel sagt. Auslöser war die überraschende Insolvenz des Joint-Venture-Partners Weltbild. Sie katapultierte Hugendubel beinahe ins Aus. Nina und Maximilian Hugendubel versuchten, ohne Panik und Hektik „eine gewisse Ruhe ins Unternehmen reinzubringen“, das Geschäft weiter zu betreiben und die Mitarbeiter so gut wie möglich mitzunehmen und zu informieren. Um Zuverlässigkeit und Vertrauen zu vermitteln, achteten die Geschwister auch darauf, wie sie ihre Botschaften aussendeten: „Wie wir aussahen und uns verhielten, war damals von zentraler Bedeutung“, stellt Nina Hugendubel im Nachhinein fest.

„Ich habe oft überlegt, wie es wäre, wenn es das Unternehmen nicht mehr gäbe“, sagt sie heute. Langwierige und komplizierte Verhandlungen mit den Banken retteten damals die Buchhandlung, die jedoch schmerzhafte Einschnitte verkraften musste. „Trotzdem waren alle erleichtert“, betont Nina Hugendubel. Der Hauptgrund: „Wir sind wieder wir – ein echtes Familienunternehmen.“ Das ermögliche eigenständiges Agieren, schnellere Entscheidungswege, Handeln mit Augenmaß, Kontinuität. „Die Rückkehr zu den Wurzeln“ gebe ihr Auftrieb, sagt sie. Sie sei ein Mensch, „der nach vorne schaut“ und auf neue Dinge neugierig ist – eine Eigenschaft, die sich wie ein roter Faden durch ihr Berufsleben zieht.

Unternehmerische Verantwortung übernehmen

Eigentlich wollte Nina Hugendubel Journalistin werden. Doch während des Studiums wurde ihr klar, dass „das nicht meine Welt war“. Sie entschied sich „nach einer vorsichtigen Frage des Vaters“, 2001 als Marketingleiterin in sein Unternehmen einzutreten. Sie hätte es schade gefunden, dem Familienbetrieb den Rücken zu kehren, ohne es wenigstens ausprobiert zu haben. Außerdem bekam sie die Chance, sehr rasch unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

„Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt die Geschäftsführerin heute. Dass sie offen für Neues ist und eigene Wege geht, bewies sie gleich nach ihrem Eintritt. Sie holte die ausgelagerte Marketingarbeit wieder zurück ins Unternehmen und baute das Potenzial des Internets, das sie zu einer Zeit erfasst hatte, „als der Vater noch abgewunken hatte“, systematisch aus. Die Mitgründung der tolino-Allianz für digitales Lesen, die Übernahme von eBook.de und den Ausbau der Onlineshops gestaltete sie wesentlich mit. Bis heute ist sie zuständig für das wachsende Digitalgeschäft, das inzwischen rund zehn Prozent zum Umsatz beiträgt. „Nach der Trennung von Weltbild war endlich Zeit für die eigene Plattform hugendubel.de“, freut sich Nina Hugendubel. Sie kann die Krise inzwischen positiv sehen: „Gerade in solchen Zeiten ergeben sich die größten Möglichkeiten für Veränderungen.“

Da ist in der Tat aufgrund des schwierigen Marktumfelds und des Strukturwandels in der Branche einiges geschehen. Der seit 2009 „behutsam und mitarbeiterverträglich“ betriebene Restrukturierungsprozess ist beendet, eine neue Organisations- und Führungsstruktur einge-zogen. Die Unternehmensfinanzierung wurde neu geordnet, die Multi-Channel-Strategie fest verankert, ein Konzept zum Umbau der Buchhandlungen zu „Begegnungsstätten“ auf kleineren Flächen entwickelt. Ist für Nina Hugendubel jetzt mehr Ruhe eingekehrt? Die Managerin schüttelt lachend den Kopf. Jetzt können liegen gebliebene Projekte vorangetrieben und neue Kooperationen überlegt werden. „Wir sind immer in Aufbruchsstimmung“, erklärt sie fröhlich auf der Homepage der Buchhandlung.

Das gilt offensichtlich auch für sie persönlich. Als Mitglied im Frauenbeirat der HypoVereinsbank (HVB) setzt sie sich für Frauen in Führungspositionen ein. Außerdem nimmt sie am HVB-Gründerinnenprogramm teil und stellt ihre Fähigkeiten und Kenntnisse, die „mit den Herausforderungen gewachsen sind“, auch dem Nachwuchs zur Verfügung. Derzeit kümmert sich die Mentorin um eine junge Frau aus Dresden, die ein Homelabor entwickelt hat. Die Zusammenarbeit gefällt ihr. „Ich bin neugierig, mit welchen Ideen neue Firmen ins Leben gerufen werden, und bewundere den Mut und die Ausdauer der jungen Frauen“, sagt die Hugendubel-Chefin und fügt dann hinzu, dass auch sie selbst profitiere: „Ich schaue dann mit einem frischen Blick auf unser eigenes Geschäft.“