IHK Magazin

Kooperation: Fliegendes Kraftwerk

Ein bayerisches Traditionsunternehmen kooperiert eng mit einem Start-up. Wie die Zusammenarbeit funktioniert und welche Vorteile sie beiden Seiten bietet. JOSEF STELZER

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Drohne mit Hybridantrieb. Foto: BEE appliance GmbH

Eine Partnerschaft mit einem Start-up? Unternehmer Dominik Biersack hatte dies ursprünglich gar nicht angepeilt. »Per Zufall sind wir Anfang 2017 auf die BEE appliance GmbH gestoßen«, erinnert sich der Geschäftsführer der Biersack Gruppe aus Beilngries. »Nachdem wir deren Geschäftsidee genauer unter die Lupe genommen hatten, waren wir schlichtweg begeistert und haben die Zusammenarbeit dann rasch auf den Weg gebracht.«

Die Wurzeln der Biersack Gruppe gehen auf das Jahr 1949 zurück. Das Familienunternehmen beliefert Kunden in verschiedenen Branchen und produziert Präzisionsbauteile sowie Baugruppen für Flugzeughersteller. Die Firmengruppe, die der studierte Wirtschaftsingenieur gemeinsam mit seinem Cousin Michael Biersack leitet, beschäftigt in vier Tochtergesellschaften rund 150 Mitarbeiter. Kern der Geschäftsidee des Biersack-Partners BEE sind neuartige Drohnen mit einem Hybridantrieb. Das Fluggerät startet und landet wie ein Hubschrauber, allerdings autonom, also ohne Piloten. Angetrieben wird die Drohne, die einen Durchmesser von insgesamt vier Metern aufweist, von sechs Rotoren mit jeweils einem Elektromotor. Wesentliche Besonderheit des sogenannten Multicopters: Für die Stromerzeugung an Bord sorgt eine separate Gasturbine. Die eingebauten Lithium-Ionen-Batterien dienen für den mittels Turbine erzeugten Strom lediglich als Pufferspeicher.

Das Konzept hat gegenüber rein elektrisch angetriebenen Fluggeräten einen gravierenden Vorteil: Weil die Gasturbine permanent Strom erzeugt – vergleichbar mit einem Gaskraftwerk –, erreicht die Drohne vergleichsweise hohe Reichweiten und ermöglicht weitaus längere Flugzeiten bei deutlich größeren Transportkapazitäten. »Der Multicopter ist so ausgelegt, dass er über zwei Stunden ohne Zwischenlandung fliegen kann und dabei eine Nutzlast von 60 Kilogramm und mehr transportiert«, verspricht Felix Arnold, Gründer und Geschäftsführer der BEE appliance GmbH, Beilngries.

Eine zweisitzige Version für die Personenbeförderung ist bereits in Planung. Ende 2017 beschlossen Biersack und Arnold ihre Zusammenarbeit. Praktisch starteten sie im März 2018, als BEE in die Biersack-Produktionshalle mit einem eigenen Fertigungsbereich und separaten Büros einzog. Mehr noch: »Wir haben BEE-Firmenanteile erworben und sind für unseren Start-up-Partner auch Teilelieferant«, so Biersack. Der 39-jährige Unternehmer erhofft sich von der Partnerschaft den Einstieg in einen wachstumsträchtigen Zukunftsmarkt. »Wir erwirtschaften aktuell rund 50 Prozent unseres Umsatzes im Luftfahrtbereich und erkennen in Drohnen sowie in Lufttaxis einen Megatrend für die ganze Branche, und da wollen wir von Anfang an dabei sein.«

Fluggeräte für Gütertransport

Der Erstflug des Multicopters fand im Januar 2019 über dem Biersack-Firmengelände statt. Seither tüfteln die BEE-Ingenieure an technischen Details und verbessern Schritt für Schritt das Referenzmodell. Biersack fertigt Bauteile wie etwa Motorengehäuse und hilft bei der Entwicklung der Steuerungselektronik. »Wir können uns gut vorstellen, die Produktion für den Multicopter deutlich auszuweiten und gemeinsam mit BEE die Herstellung für eine erste Kleinserie auf die Beine zu stellen.« Dabei denkt er an Fluggeräte für den Gütertransport zum Beispiel in der Landwirtschaft, für Grenzsicherungsaufgaben, zur Versorgung von Erdölplattformen und für eilige Arzneimittellieferungen in abgelegene Regionen.

Der Produktionsstart für eine kundenspezifische Kleinserie ist für Ende 2020 vorgesehen. Die Drohnen werden per Funk gesteuert, auch programmierbare Flugrouten sind möglich, so dass der Multicopter seine Flugziele automatisch findet. Das junge Unternehmen BEE appliance profitiert von der engen Zusammenarbeit in mehrfacher Hinsicht. Über das Biersack-Lieferantennetz bezieht das Start-up zahlreiche Bauteile für den Multicopter. »Dieses Netzwerk ist für uns extrem wichtig, zumal wir als unbekanntes Start-up durch die Partnerschaft mit der Traditionsfirma bei Lieferanten wie auch bei Versicherungen und Kreditinstituten auf Anhieb viel Vertrauen genießen«, betont der 58-jährige BEE-Gründer, der derzeit fünf Mitarbeiter beschäftigt.

Zudem dient die Biersack Gruppe, die dieses Jahr ihr 70-jähriges Firmenjubiläum feiert, als praktisch unverzichtbarer Zulieferer etwa für hochpräzise Alu-Fräs- teile im Bereich von einigen Hundertstel Millimetern. Weil die Partnerfirmen unter einem Dach arbeiten, kann Arnold jederzeit auf Beratung und Unterstützung zählen, etwa beim Marketing oder bei der Personalrekrutierung. »Biersack bringt seine Kompetenzen mit Leib und Seele ein, und das hilft uns enorm weiter«, freut sich Arnold. Ihre Zusammenarbeit wollen die Partnerfirmen weiter vertiefen.

Geplant sind beispielsweise gemeinsame Messeauftritte auf den bedeutenden Luftfahrtmessen in Berlin oder Paris, um die Vorzüge des Multicopter-Konzepts dem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Überdies suchen sie weitere Investoren, da die Entwicklung bis zur Serienreife extrem kapitalintensiv ist.

Hybrider Antrieb hat Vorzüge

Der Multicopter sorgt bei Experten jedenfalls für Furore. Harry Wagner (47), Professor für Automotive & Mobility Management an der Technischen Hochschule Ingolstadt, betont die Vorzüge, die das Fluggerät aufweist: »Ich schätze rein elektrisch betriebene Drohnen für den Güter- oder Personentransport im Moment als unrealistisch ein, weil die physikalischen Rahmenbedingungen für vertikales Starten und Landen derzeit nicht den Anforderungen entsprechen.« Ein hybrider Antrieb wie der von BEE appliance mit einem Batteriespeicher und einer Gasturbine sei »im Moment der einzig geeignete Antrieb für funktionierende kommerzielle Anwendungen«.