Japan

Der Ferne Osten rückt näher

Japan ist kein einfacher Markt – aber ein lukrativer. Von dem neuen Freihandelsabkommen des G7-Staats mit der Europäischen Union kann die bayerische Wirtschaft nur profitieren. MECHTHILDE GRUBER

Harmonisch - Japaner schätzen ihre deutschen Geschäftspartner. Foto: mokra/freeimages.com

Sie wollen ein Zeichen setzen für den freien und fairen Handel: Japan und die EU haben sich grundsätzlich über ein Freihandelsabkommen geeinigt. Anfang 2019 – noch vor dem Brexit – soll es in Kraft treten. Das neue Abkommen Jefta (Japan EU Free Trade Area), über das seit 2013 verhandelt wurde, ist eines der größten weltweit. Es betrifft fast 30 Prozent der Weltwirtschaft und mehr als 30 Prozent des globalen Handels.

„Unternehmen werden es in Zukunft leichter haben, mit Japan Geschäfte zu machen“, sagt Ilga Koners, Asienexpertin bei der IHK für München und Oberbayern. Dabei geht es nicht nur um eine Kostenersparnis durch weniger Zölle und einen geringeren Logistikaufwand. Das Handelsabkommen öffnet den japanischen Markt für europäische Agrarprodukte und schafft auch in anderen Branchen neue Geschäftschancen. In Bayern werden vom Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse vor allem Nahrungsmittelexporteure insbesondere von Milchprodukten sowie die Automobilindustrie profitieren. „Japan rückt näher“, sagt Expertin Koners.

Der Handel wächst

Mit seinen 127 Millionen Einwohnern ist das Land der aufgehenden Sonne weltweit einer der lukrativsten Märkte mit großer Kaufkraft. Das Handelsvolumen zwischen Bayern und Japan ist in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich gewachsen. 2016 betrug es sieben Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten 2017 stiegen die bayerischen Exporte um 6,3 Prozent – 2016 waren es sogar fast zehn Prozent. Japan steht nun auf Rang 14 der wichtigsten Handelspartner des Freistaats.

„Deutsche Unternehmen sind in Japan sehr erfolgreich und profitabel“, sagt Marcus Schürmann, Geschäftsführer der Auslandshandelskammer in Tokio. Laut der aktuellen AHK-Geschäftsklima-Umfrage erwirtschaften fast 90 Prozent der 450 deutschen Firmen in Japan einen Vorsteuergewinn. Besonders interessant sind die Absatzmärkte für Maschinen- und Anlagenbauer, Industrieausrüster, IT-Dienstleister sowie Automobilzulieferer.

Chancen für deutsche Firmen

Der Einstieg ist nicht einfach, betont Schürmann: „Japan ist ein hoch entwickelter reifer Markt, man muss sein Produkt in etablierten Strukturen anbieten.“ Ein Trend begünstigt allerdings die Chancen deutscher Firmen: Wegen der begrenzten Wachstumsaussichten im eigenen Land müssen japanische Unternehmen verstärkt internationalisieren. 2015 investierten sie mehr als 130 Milliarden US-Dollar im Ausland. Neben Europa sind die südostasiatischen ASEAN-Staaten die größte Zielregion. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies zwar mehr Wettbewerber auf den globalen Märkten. Andererseits bieten sich neue Geschäftsmöglichkeiten. Japanische Firmen wollen die Großprojekte im Ausland oft nicht allein stemmen und sind deshalb auf der Suche nach leistungsfähigen Partnern.

„Bei den hohen Qualitätsanforderungen der Japaner sind deutsche Unternehmen dabei erste Wahl“, sagt IHK-Expertin Koners. Ebenso schätzen Japaner, dass Deutsche für die gleichen Tugenden stehen wie sie selbst: Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe und Loyalität. Mehr als die Hälfte der deutschen Firmen mit Niederlassung in Japan haben oder planen laut AHK-Umfrage bereits Projekte mit japanischen Partnern in Drittmärkten. „Über ein anderes Land – hier Japan – Märkte zu bedienen, wird ein immer wichtigeres Thema“, so Koners.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Bei vielen Trends und Zukunftstechnologien arbeiten Deutsche und Japaner schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Der demografische Wandel, Gesundheitsthemen und besonders die Digitalisierung sind für die Entwicklung beider Länder relevant. „Vor allem bei der Industrie 4.0 schauen die Japaner nach Deutschland“, sagt AHK-Geschäftsführer Schürmann. Der deutsche Mittelstand sei beispielsweise Vorbild bei der Integration unterschiedlicher Systeme. Japanische Unternehmen suchen deutsche Kooperationspartner, um ihr Produktportfolio international wettbewerbsfähig zu halten.

Dass auf diesem Gebiet deutsches Know-how auch von kleineren mittelständischen Firmen gefragt ist, bestätigt Albert Sedlmaier, Geschäftsführer der data M Sheet Metal Solutions GmbH in Valley. Das oberbayerische Unternehmen mit 29 Mitarbeitern ist auf Softwarelösungen für die blechverarbeitende Industrie spezialisiert. Dazu gehört auch die Entwicklung neuartiger Maschinentechnologie. „Japan ist für uns ein strategisch wichtiger Markt“, sagt der 60-jährige Unternehmer. „In den Bereichen Elektronik, Schwerindustrie und Automotive sind japanische Firmen technologisch ähnlich aufgestellt wie deutsche. Deshalb benötigen auch die japanischen Unternehmen unsere Software.“

Mit seinem Nischenprodukt ist data M in Japan mittlerweile ein gefragter Geschäftspartner – ein Erfolg, der nur mit großer Geduld zu erreichen war, betont der Firmenchef. „Es hat viele Jahre gedauert, bis wir uns den heutigen Ruf erarbeitet hatten: Wir liefern nicht nur die versprochene Qualität, wir sind auch zuverlässig und engagieren uns langfristig.“

Grundlage für den anhaltenden Erfolg sei vor allem die gute Arbeit für den ersten Kunden in Japan gewesen, einen angesehenen Werkzeughersteller. Dessen Empfehlung sicherte weitere Aufträge. „In den Netzwerken spricht sich das herum. Nur so funktioniert das in Japan“, sagt Sedl-maier. Er investiert viel Zeit, um die Geschäftsbeziehungen zu pflegen, so seien schon Freundschaften entstanden. Das Engagement im wichtigsten Exportmarkt will der Unternehmer ausweiten. Mit der Entwicklung von Maschinentechnologie für die Industrie 4.0 baut data M ein neues Standbein auf. Ein japanischer Maschinenbaukonzern unterstützt das Vorhaben als Partner und verfolgt die Arbeit des kleinen bayerischen Unternehmens mit großem Interesse, sagt Sedl-
maier.