Innenstädte

Das Zentrum pulsieren lassen

Auf vielen Einkaufsmeilen sind heute deutlich weniger Menschen unterwegs als noch vor einigen Jahren. Das liegt nicht nur am Onlinehandel. Wie lassen sich Innenstädte vital und attraktiv erhalten? EVA ELISABETH ERNST

Business people blur. Lots of people walking in modern hall during the lunch time. Marble walls and floor reflect the lights. Business and modern life concept
© IR_Stone Erlebnis Einkaufen - die Verbraucher honorieren neue Angebote

Dass es in den Innenstädten von Murnau und Weilheim ein breites Angebot an Fachgeschäften gibt, bezeichnet Unternehmer Christian Echter als ausgesprochenes Glück: „Eine gesunde Einzelhandelsstruktur macht einen Standort erst lebendig.“ Dabei tragen auch die Läden der Echter-Firmengruppe selbst zur Attraktivität der Einkaufsmeilen bei. In beiden Städten betreibt Echter Modehäuser, in Murnau dazu noch Echter Wohnen. „Wir investieren kontinuierlich in unsere Immobilien, unsere Mitarbeiter und das Ambiente unserer Geschäfte“, sagt der 51-Jährige. Das Ergebnis ist sichtbar: Die Umsätze sind gewachsen, obwohl seit etwa drei Jahren in beiden Innenstädten von Montag bis Freitag deutlich weniger Menschen unterwegs sind. „Lediglich samstags bis in die frühen Abendstunden ist die Zahl der Passanten und Kunden höher als früher“, beobachtet Echter.

Mit seinen Erkenntnissen steht der Unternehmer nicht allein da: In der Konjunkturumfrage 2016 des Handelsverbands Deutschland (HDE) klagten 58 Prozent der Firmen über (deutlich) sinkende Kundenfrequenzen. Immer wieder ist die Rede davon, dass sich rund 20 Prozent weniger Passanten in den Innenstädten aufhalten als noch vor einigen Jahren. Roland Wölfel (55) kennt diesen Wert. „Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede“, relativiert der Partner und Geschäftsführer der CIMA Beratung und Management GmbH, die sich unter anderem auf Stadt- und Regionalentwicklung spezialisiert hat. „In prosperierenden Metropolen wie München trifft das mit Sicherheit nicht zu.“

Auch in vielen mittelgroßen und kleineren Städten, darunter vor allem die sogenannten Schwarmstädte mit wachsender Bevölkerung, dürfte dieser Wert zu hoch gegriffen sein. Schwieriger sei die Lage jedoch in manchen Mittelstädten ohne Handelshäuser mit Magnetwirkung, bei denen es selbst in 1-a-Lagen zu Leerständen komme.

Shoppen gehört zum städtischen Leben

Ob das Herz einer Stadt pulsiert oder langsam verödet, bestimmt der Einzelhandel maßgeblich mit. Der CIMA-Monitor 2016 zeigt, dass Einkaufsmöglichkeiten der entscheidende Punkt sind, wenn Menschen die Attraktivität von Innenstädten beurteilen. Kultur- und Freizeitangebote, Gastronomie, öffentliches Grün und das Vorhandensein einer Fußgängerzone folgen mit erheblichem Abstand.

Das bedeutet jedoch nicht, dass allein die Handelsunternehmen für vitale Innenstädte sorgen können. „Auch die Kommunen mit ihren Entscheidungen rund um die Gestaltung des öffentlichen Raums spielen eine wichtige Rolle“, betont CIMA-Geschäftsführer Wölfel. Sie bestimmen mit, wie gerne sich die Einheimischen und die Touristen in einer Innenstadt aufhalten. Der Experte sieht es daher als Aufgabe von Städten und Kommunen, eine langfristig orientierte Standort- und Flächenpolitik zu verfolgen – nicht zuletzt im Hinblick auf Handelsagglomerationen auf der grünen Wiese, die Kunden und Kaufkraft aus den Zentren abziehen. „Zur Belebung einer Innenstadt trägt aber auch bei, wenn Rathaus und Krankenhaus im Stadtzentrum bleiben oder Ärzte, Physiotherapeuten und andere Dienstleister dort arbeiten“, betont Wölfel.

Das Positionspapier zum Handel, das die IHK für München und Oberbayern Ende 2016 verabschiedet hat, fordert von den Kommunen ebenfalls eine strategische Stadtentwicklung sowie die Steigerung der Attraktivität unter anderem durch geeignete Architektur, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und die Sicherung der Erreichbarkeit des Ortskerns – und zwar für den öffentlichen Nah-, den Individual- und den Wirtschaftsverkehr gleichermaßen. Die IHK hält auch ein ausreichendes und kostengünstiges Parkraumangebot in Verbindung mit einem intelligenten Verkehrsmanagement- und Parkleitsystem für notwendig, um die Erreichbarkeit der Zentren zu verbessern und die Verweildauer in der City zu erhöhen. Darüber hinaus enthält das Papier klare Positionen, um insbesondere der Politik die Herausforderungen des Handels aufzuzeigen.

Das Positionspapier steht online zum Download bereit: www.ihk-muenchen.de/de/Wirtschaftsstandort/Branchen/Handel/Positionen-zur-Handelspolitik