02.06.2017

Durststrecke für Gründer in Bayern geht weiter

Immer weniger Menschen im Freistaat wollen ihr eigener Chef werden. Die Existenzgründerzahlen sind 2016 bereits das siebte Mal in ‎Folge gesunken, teilt der Bayerische ‎Industrie- und Handelskammertag (BIHK) mit. Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr im Freistaat 99.219 Personen ein Gewerbe an, ein Minus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gewerbeanmeldungen seit sieben Jahren rückläufig / Auch Betriebsnachfolger sind Mangelware‎

In 90.479 Fällen handelte es sich dabei um Firmenneugründungen, ein Rückgang von 4,5 Prozent. Die Zahl der Betriebsübergaben an einen Nachfolger hat noch deutlicher nachgelassen und sank laut BIHK-Angaben um 12,9 Prozent auf 8.740.

Der BIHK führt den abnehmenden Gründergeist an erster Stelle auf die andauernd gute Wirtschaftslage zurück: „Der bayerische Arbeitsmarkt bietet fast flächendeckend Vollbeschäftigung“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Damit sinke erfahrungsgemäß das Interesse an einer unternehmerischen Selbstständigkeit und den damit verbundenen Risiken. Der BIHK-Präsident fordert deswegen mehr Unterstützung für Gründer und Betriebsnachfolger. „Wir brauchen ein besseres Gründungsklima mit weniger Bürokratie und einfacheren Steuerregeln. Bereits in der Schule müssen die Chancen und der Wert des Unternehmertums für die Gesellschaft deutlich gemacht werden“, so Sasse. Der BIHK-Präsident unterstreicht die Rolle der Existenzgründer für die Wirtschaft: „Start-Ups und neue Unternehmen beflügeln Innovationen und Dynamik. Sie sind damit unerlässlich für unseren zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg. Auch alteingesessene Betriebe sind bedroht, wenn sich keine Nachfolger finden, die das unternehmerische Risiko von der vorhergehenden Generation übernehmen wollen.“

Regional noch ausgeprägter ist der Rückgang bei den Gründungen in Oberbayern: Hier ging die Zahl der Gewerbeanmeldungen im vergangenen ‎Jahr um 8,5 Prozent auf 40.409 zurück. Bei den Betriebsübernahmen gab es einen regelrechten Einbruch mit einem Minus von 27,2 Prozent: Nur noch 3.014-mal wechselte ein Unternehmen den Besitzer, ein Rückgang von über 1.000 Fällen gegenüber dem Vorjahr. Die BIHK-Auswertung beruht auf Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik.