IHK Ratgeber

Jahreswechsel: Tipps zum Thema Steuern

recht_steuern_ratgeber

Was ändert sich 2021/2022 im Steuerrecht? Die Steuergesetzgebung auf Bundes- oder Landesebene sieht auch für das Jahr 2022 wieder Änderungen vor. Hier finden Sie ausgewählte Neuerungen für Unternehmen im Überblick.

Inhalt

Neuerungen durch das Steuerentlastungsgesetz 2022 (rückwirkend)

Die Bundesregierung hat am 16. März 2022 den "Entwurf eines Steuerentlastungsgesetzes 2022" beschlossen. Der vorherige Referentenentwurf vom 2. März 2022 ist den Verbänden nur nachrichtlich übersandt worden. Mit dem Gesetz sollen insbesondere Beschlüsse des Koalitionsausschusses vom 23. Februar 2022 umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund der jüngsten Preiserhöhungen insbesondere im Energiebereich sind folgende steuerlichen Maßnahmen geplant:

  • Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags bei der Einkommensteuer um 200 Euro auf 1.200 Euro rückwirkend zum 1. Januar 2022,
  • Anhebung des Grundfreibetrags für 2022 von derzeit 9.984 Euro um 363 Euro auf 10.347 Euro rückwirkend ab dem 1. Januar 2022 und
  • Vorziehen der bis 2026 befristeten Anhebung der Entfernungspauschale für Fernpendler (ab dem 21. Kilometer) rückwirkend ab dem 1. Januar 2022 auf 38 Cent.

Dies soll jeweils rückwirkend ab 2022 umgesetzt werden und entsprechend auch bereits für den Lohnsteuerabzug 2022 zu berücksichtigen sein. Insofern ist zu erwarten, dass die Finanzverwaltung nach der Verabschiedung des Gesetzes entsprechend neue Programmablaufpläne für den Lohnsteuerabzug aufstellt und bekannt macht.

Das Gesetz muss im Bundestag sowie Bundesrat beraten und beschlossen werden. Das Verfahren soll in der ersten Jahreshälfte 2022 abgeschlossen sein.

Neuerungen bei der Umsatzsteuer 2021/2022

Steuersatzsenkung für Gastronomie verlängert

Der Gesetzgeber hat im Rahmen des Dritten Corona-Steuerhilfegesetzes die Umsatzsteuersätze für Restaurant- und Verpflegungsleistungen für Speisen befristet bis 31. Dezember 2022 auf 7 Prozent gesenkt. Davon ausgenommen sind Getränke. Weiterführende Informationen finden Sie hier.

Steuerbefreiung für Verwaltung von Wagniskapitalfonds

Die Steuerbefreiung für die Verwaltung von Investmentvermögen (§ 4 Nr. 8h UStG) wurde durch das Fondstandortgesetz auf die Verwaltung von Wagniskapitalfonds ausgedehnt.

Änderungen bei den Durchschnittssätzen für land- und forstwirtschaftliche Betriebe

Der Gesetzgeber hat bereits im Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020) in § 24 Abs. 1 UStG (Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe) eine Umsatzgrenze i. H. v. ‎‎600.000 Euro eingefügt, die erstmals auf Umsätze anzuwenden ist, die nach dem 31. Dezember 2021 ‎bewirkt werden.

Neuerungen bei den Ertragsteuern 2021/2022

Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts

Option zur Körperschaftsbesteuerung

Mit dem “Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts“ (KöMoG) vom 25. Juni 2021 wurde eine Option zur Körperschaftsbesteuerung eingeführt. Personenhandels- und Partnerschaftsgesellschaften wird damit die Möglichkeit eingeräumt, ohne tatsächlichen Rechtsformwechsel ertragsteuerlich wie eine Kapitalgesellschaft behandelt zu werden. Dies soll vor allem die internationale Wettbewerbsfähigkeit von mittelständischen Familienunternehmen in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft oder einer offenen Handelsgesellschaft stärken. Hintergrund ist, dass Personengesellschaften gewerbesteuerrechtlich als eigenständige Steuersubjekte behandelt werden. Für Zwecke der Einkommensbesteuerung sind dies hingegen ausschließlich die an ihr unmittelbar oder mittelbar Beteiligten. Dies könne im Einzelfall zu teils erheblichen Abweichungen bei Steuerbelastung und Bürokratieaufwand im Vergleich zu Kapitalgesellschaften führen, heißt es in der Gesetzesbegründung.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Verlängerte Fristen beim Investitionsabzugsbetrag

Der Gesetzgeber änderte im Jahressteuergesetz 2020 die Investitionsabzugsbeträge. Sie zählen zu den bedeutenden Steuerbegünstigungen für kleine und mittlere Betriebe – mit dem Ziel, ihre Investitionsbereitschaft zu steigern.

Für Investitionsabzugsbeträge, die Firmen in nach dem 31. Dezember 2016 und vor dem 1. Januar 2018 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen hatten, wurde die Investitionsfrist bereits auf vier Jahre ausgedehnt, d. h. aber auch, Unternehmen müssten bis zum Ende des 2021 endenden Wirtschaftsjahres Investitionen vornehmen oder die Investitionsabzugsbeträge gewinnerhöhend auflösen. Durch das KöMoG wurde die Investitionsfrist nun auf fünf Jahre ausgedehnt, sodass auch eine Investition, die erst im vor dem 1. Januar 2023 endenden Wirtschaftsjahr vorgenommen wird, noch fristgerecht bleibt. Auch wurden die entsprechenden Fristen für Investitionsabzugsbeträge, wenn die Unternehmen diese in nach dem 31. Dezember 2017 und vor dem 1. Januar 2019 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch nahmen auf vier Jahre erweitert, sodass solche Investitionen noch in den vor den 1. Januar 2023 endenden Wirtschaftsjahren möglich sind.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Verlängerung der Reinvestitionsfrist

Durch das KöMOG wurde die Reinvestitionsfrist um zwei Jahre verlängert. Damit können Firmen Gewinne aus dem Verkauf bestimmter Wirtschaftsgütern steuerfrei als Rücklagen einstellen. Wenn die Reinvestitionsrücklage am Schluss des nach dem 28. Februar 2020 und vor dem 1. Januar 2021 endenden Wirtschaftsjahr noch vorhanden ist und aufzulösen wäre, wird die Reinvestitionsfrist und damit die Pflicht zur Auflösung der Rücklage auf das Ende des zweiten darauffolgenden Wirtschaftsjahres verschoben.

Abzugsteuermodernisierungsentlastungsgesetz

Durch das Abzugssteuerentlastungsmodernisierungsgesetz vom 2. Juni 2021 wurde der Steuerabzug bei der Kapitalertragsteuer neugeregelt, um sich gegen Missbrauch und Betrug zu wappnen. Bei beschränkt Steuerpflichtigen wurden die Regeln zur Überlassung von Rechten an EU-Vorgaben angepasst.

Fondstandortgesetz - Mitarbeiterbeteiligung

Durch das Fondstandortgesetz vom 3. Juni 2021 wurde die Mitarbeiterbeteiligung neugeregelt. Seit dem 1. Juli 2021 ist es für Beschäftigte in Start-ups und anderen Kleinunternehmen attraktiver Firmenanteile zu übernehmen.

Neu ist u.a. die Erhöhung des steuerfreien Höchstbetrag von 360 Euro auf 1440 Euro jährlich; dies gilt ebenso für die Beiträge zu den Sozialversicherungen. Ferner werden die Einkünfte aus der Übertragung von Anteilen an den Unternehmen der Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen erst später besteuert. Relevant können hier der Zeitpunkt des Verkaufs (spätestens aber nach zwölf Jahren) oder ein Arbeitgeberwechsel sein.

Pandemiebedingte Fristverlängerungen

Die Zahlungsfrist für die Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen wurde bis zum 31. März 2022 verlängert

Außerdem wurde die Abgabefrist für die Steuererklärung 2020 in bestimmten Fällen um drei Monate, also bis zum 31. Mai 2022, verlängert.

Änderungen bei den Sachbezügen

Durch das Jahressteuergesetz 2020 steigt ab dem Jahr 2022 die Sachbezugsfreigrenze von 44 auf 50 Euro pro Monat.

Neuerungen bei der Grund- und der Grunderwerbsteuer

Grundsteuerreform-Umsetzungsgesetz

Mit dem Grundsteuerreform-Umsetzungsgesetz vom 16. Juli 2021 soll die Grundsteuer-Reform erleichtert werden. Die rechtzeitige Umsetzung der Grundsteuerreform und die verfassungskonforme Bewertung für die Grundsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer und die Grunderwerbsteuer soll so abgesichert werden.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Gesetz zur Änderung des Grunderwerbsteuergesetzes

Ziel des Gesetzes zur Änderung des Grunderwerbsteuergesetzes vom 12. Mai 2021 ist die Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen über Share Deals (Anteilskauf). Durch das Gesetz werden u. a. die Frist von fünf auf zehn Jahre sowie die Vorhaltensfrist auf fünfzehn Jahre verlängert. Dadurch werden auch Anteilseignerwechsel ab einer Höhe von mindestens 90 Prozent bei Kapitalgesellschaften erfasst. Die Änderungen gelten bereits seit 1. Juli 2021.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

Neuerungen bei den Verbrauchsteuern 2021/2022

Tabaksteuermodernisierungsgesetz

Die Steuer für Tabakprodukte steigt ab 2022: Das Tabaksteuermodernisierungsgesetz wurde am 17. August 2021 im Bundesgesetzblatt verkündet und tritt am 1. Januar 2022 bzw. 1. Juli 2022 in Kraft.

Änderungen erfolgen u.a. für folgende Produkte:

  • Vorgesehen ist die höhere Besteuerung für E-Zigaretten und Tabakerhitzer, aber auch für herkömmliche Zigaretten, Zigarren und Zigarillos.
  • Auch erhitzter Tabak und Wasserpfeifentabak (Shishas) wird künftig besteuert.
  • Substitute für Tabakwaren - zum Beispiel Liquids - werden ebenfalls künftig der Tabaksteuer unterworfen.