Luxus aus dem Freistaat

Bavaria mondän

Der weltweite Markt für Luxusartikel wächst. Davon profitieren zahlreiche Unternehmen aus Oberbayern, die mit exklusiven Produkten und Dienstleistungen sehr erfolgreich sind. SABINE HÖLPER

Annette Kopp hat einiges zu erzählen, zum Beispiel von den Ereignissen im Jahr 2002: „Es war zu der Zeit, als die große Überschwemmung in Dresden war“, beginnt sie ihre Geschichte. „Es war ganz in der Früh.“ Kopp räumte gerade ihren Laden ein, als sie kurz durch das Schaufenster nach draußen sah – und Patti Smith erkannte. Die US-amerikanische Punk- und Rocklegende stand vor dem Geschäft und schaute sich die Auslage an. Nur einen Augenblick später betrat sie den Laden. „Ein Peacezeichen hatte es ihr angetan“, erzählt Kopp. „Sie hatte ihren Glücksbringer verloren und suchte nun einen neuen.“

Prominente spazieren bei Cada-Schmuck in München häufig in den Laden. Caroline von Monaco gehört zu den Kunden des Unternehmens und viele bekannte Musiker, Schauspieler und Profisportler. Sie kaufen die Kollektionen von Annette und Herbert Kopp, die das Unternehmen vor 30 Jahren gegründet haben. Längst zählen die Münchner zu den erfolgreichsten Schmuckunternehmen der Welt. In internationalen Designergeschäften wie Colette in Paris liegt Geschmeide der Oberbayern in der Auslage. Die Hochglanzzeitschrift „Vogue“ zeigt regelmäßig die neuesten Stücke.

Cada ist kein Einzelfall. Etliche Luxusartikelanbieter sitzen in Oberbayern, sei es die Porzellan Manufaktur Nymphenburg oder der Schuhspezialist Eduard Meier, ehemals königlich bayerischer Hoflieferant. Die britische Modedesignerin Vivienne Westwood soll mit ihrem Mann Andreas Kronthaler öfter zum Shoppen in die Münchner Brienner Straße kommen. Die am Tegernsee ansässige Büttenpapierfabrik Gmund ist weit über Oberbayern hinaus für ihre edlen Papiere bekannt. Ebenfalls aus Gmund kommt die Schmuckdesignerin Tamara Comolli. In der jüngsten Studie der Beratungsunternehmen EY und Inlux zum Luxusmarkt landete Comolli unter den Top 25 der deutschen Edelunternehmen (s. Tabelle S. 36). Als besonders erfolgreiche Nobelmarke gilt außerdem Gaggenau. Der Münchner Hersteller von exklusiven Einbaugeräten für die Küche ist das einzige Unternehmen aus Oberbayern, das sowohl in der letzten EY-Studie erscheint als auch im Top-30-Ranking des Münchner Beratungsunternehmens Biesalski & Partner, das seit 2005 regelmäßig die besten deutschen Luxusmarken kürt. Wie in jedem Jahr sind dort auch 2016 wieder überproportional viele Oberbayern vertreten. Zum Beispiel Talbot Runhof, die seit 16 Jahren von München aus Mode an internationale Stars verkaufen, das Münchner Beleuchtungsunternehmen Occhio oder das Luxus-Wellness-Hotel Schloss Elmau.

Die Luxusbranche prosperiert. Jahr für Jahr wächst der weltweite Markt für Luxusartikel. 2015 durchbrach er erstmals die Umsatzmarke von einer Billion Euro, ermittelte die aktuelle EY-Studie. Obwohl sich das Wachstum zuletzt verlangsamte und die Umsätze in den großen Schwellenländern wie China und Russland zurückgehen, stieg das weltweite Marktvolumen der Luxusartikel im Vergleich zu 2014 um fünf Prozent.

Auch für die Zukunft prognostiziert EY Zugewinne: „Die Aussichten für die Luxusbranche in Deutschland sind nach wie vor sehr vielversprechend.“ Ein Grund für die Zuversicht ist, dass immer mehr Menschen das Geld haben, sich Kostbares leisten zu können. Aber selbst Durchschnittskunden spüren mehr Lust auf erlesene Kleidung, Schmuck und Hotels. In einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger erklärte bereits vor sechs Jahren fast die Hälfte der 21- bis 30-jährigen und mehr als die Hälfte der 51- bis 60-jährigen Deutschen: „Manchmal leiste ich mir bewusst die allerbeste Qualität.“

Die Auswahl an Luxusprodukten ist groß, der Markt ist international. Natürlich konkurrieren da die oberbayerischen Anbieter mit Unternehmen aus der ganzen Welt. Mit globalen Marken wie
Louis Vuitton, Gucci oder Chanel. Doch so renommiert diese Firmen auch sind: Sie sind längst nicht die einzigen, die von der steigenden Lust auf Premiumprodukte profitieren.
Im Gegenteil: Der Stern vieler Konzerne sei im Sinken begriffen, sagt Petra-Anna Herhoffer (51), Inhaberin des Instituts für Luxus Inlux, das auch den jährlich in München stattfindenden „Luxury Business Day“ organisiert. „Die Labelmania hat sich abgeschwächt.“ Selbst in den aufstrebenden Ländern, in denen weltbekannte Marken bisher großen Zuspruch fanden, besinne man sich mittlerweile auf eine andere Form des Luxus. „Gefragt sind Einzelstücke“, sagt Herhoffer: „Die Menschen schätzen Produkte und Leistungen von kleineren, inhabergeführten Unternehmen.“ Sie suchten Indivi-dualität und Authentizität.

Gefragt sind Einzelstücke. Die Menschen schätzen Produkte und Leistungen von kleineren, inhabergeführten Unternehmen.

Petra-Anna Herhoffer, Inhaberin des Instituts für Luxus Inlux

Kunden wählen einzigartige Produkte
Genau das verkörpern die oberbayerischen Unternehmen im Luxussegment trefflich. Sie sind mittelständisch geprägt, oft inhabergeführt. Sie sind nicht uniform, sondern erzählen ihre ganz persönliche Geschichte. Deshalb profitieren sie stark vom Trend zum einzigartigen Luxus. „Wir konnten im vergangenen Jahr gut zweistellige Zuwachsraten verzeichnen“, sagt Tamara Comolli, die seit 24 Jahren unter dem gleichnamigen Label Schmuck entwirft und vertreibt. Ein Grund für das rasante Wachstum sei, so die 55-Jährige, dass „wir tragbaren, lässigen Luxus anbieten“. Ihre Kollektionen seien „unprätentiös, entspannt, sie werden mit Selbstverständlichkeit getragen“. Genau da „geht die Reise hin“, glaubt Comolli. „Die Menschen präferieren kleine Marken mit einer eigenen Handschrift.“

In der Tat liegen Firmen im Trend, die sich von Massenware und industrieller Fertigung distanzieren und stattdessen auf Handarbeit setzen. So rühmt sich die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, die „letzte Reinst-Manufaktur weltweit“ zu sein. „Alle Schritte der Herstellung werden in reiner Handarbeit von den Kunsthandwerkern in den Meisterwerkstätten durchgeführt“, sagt Geschäftsführer Anders Thomas (39). Tradition ist wichtig: Nymphenburg verweist gern darauf, dass das Unternehmen 1747 von Max III. Joseph von Bayern im Münchner Vorstadt-Schlösschen Neudeck gegründet wurde.

Den Parfumhersteller Lengling Luxury in Gräfelfing bei München gibt es erst seit zwei Jahren – und doch hat er etwas gemeinsam mit dem Nymphenburger Traditionsunternehmen. So versteht Inhaber Christian Lengling sein Unternehmen als „erste Münchner Parfummanufaktur“. Die edlen Flakons würden von Hand abgefüllt, der Silberverschluss von Hand poliert. Auch das Bekenntnis zur Heimat findet sich wieder. Lengling hat einen Duft „Eisbach“ getauft, den Verschluss des Flakons „Original Isarkiesel“ und spricht von einer „sehr persönlichen Hommage an München“.

Emotional aufgeladene Produkte, verbunden mit exzellenter Qualität bringen den Erfolg. Dabei ist der in beiden Fällen alles andere als selbstverständlich. „Für ein Unternehmen wie die Porzellan Manufaktur Nymphenburg, die allerhöchste Perfektion verkörpert, ist es sehr schwer, profitabel zu sein“, sagt Alexander Biesalski, Chef des gleichnamigen Beratungsunternehmens. Lengling Luxury wiederum brachte erst im vergangenen Sommer die erste Kollektion mit sieben Düften heraus. Ein Neuling also, und die Konkurrenz ist groß. Doch die Eheleute Christian und Ursula Lengling konnten sich schnell einen Namen machen. Bereits heute verkauft Lengling seine Produkte in acht Länder, die weitere Expansion ist geplant.

Trotz vieler Gemeinsamkeiten der Luxusanbieter – eine für alle gültige Erfolgsformel gibt es nicht. Individuelle und authentische Produkte lassen sich gerade nicht am Reißbrett entwerfen. Einzigartigkeit kann nur bieten, wer selbst einzigartig ist. Und selbst das ist nicht genug, um langfristig zu bestehen. „Wir müssen die Menschen immer wieder aufs Neue begeistern“, sagt Schmuckdesignerin Comolli. Für sie besteht deshalb die größte Herausforderung darin, „sich stets neu zu erfinden und sich dabei trotzdem treu zu bleiben“.

Sich selbst treu bleiben – das ist auch das Motto von Cada-Schmuck. Das Unternehmen setzt im 30. Jahr seines Bestehens nur 1,5 Millionen Euro um, Comolli kommt auf das Zehnfache. Aber die Cada-Chefs Annette und Herbert Kopp wollen es nicht anders. „Für uns ist wahrer Luxus, die Freiheit zu besitzen, so klein zu sein“, sagt die Unternehmerin. Der Name Cada steht für „Creativity, Art, Design und Anarchy“ und sagt einiges über die Einstellung der Kopps aus.

Die Begegnung der Unternehmer mit der Musikerin Patti Smith ging übrigens weit über ein gewöhnliches Verkaufsgespräch hinaus. Dass Annette Kopp der „Godmother of Punk“ eines ihrer Schmuckstücke verkauft hat, erwähnt sie ganz beiläufig. Viel spannender findet die Unternehmerin, was danach geschah: Die Musikerin lud die Kopps am Abend in ein kleines Restaurant ein, wo sie ein Spendenkonzert für die Hochwassergeschädigten in Sachsen gab. „Wir saßen auf dem Boden zu ihren Füßen, und sie spielte mit ihrem Sohn und trug Gedichte vor“, schwärmt Kopp. „Es war ein unvergesslicher Abend.“

Für uns ist wahrer Luxus, die Freiheit zu besitzen, so klein zu sein.

Annette Kopp, Inhaberin von Cada

TOP 25 Luxusunternehmen

Die stärksten deutschen Luxusunternehmen. Quelle: EY, Luxury Business Report 2016

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