Konux GmbH

Start-up mit smarten Sensoren

Die Münchner Konux GmbH überzeugt mit ihren Sensorsystemen für Industrie-4.0-Anwendungen nicht nur Großunternehmen. Die Gründer gewannen in kürzester Zeit auch namhafte Investoren für ihre Firma.

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© Konux Entwickeln Lösungen für die Industrie 4.0 – Konux-Gründer Dennis Humhal, Andreas Kunze und Vlad Lata (v. l.)

Auf den ersten Blick ist es kaum zu erkennen, das kleine graue Kästchen, das auf dem Gleis einer Bahnweiche angebracht ist. Nach einer Anwendung von Industrie 4.0 sieht es zunächst auch nicht aus. Doch das Kästchen verfügt über ein spannendes Innenleben: ein Sensorsystem, das bei jedem darüber hinwegfahrenden Zug misst, wie weit die Weiche ins Gleisbett gedrückt wird. Die erhobenen Daten werden in Echtzeit per GSM-Modul an ein Rechenzentrum gesendet, in einer Datenbank gesammelt und analysiert. Dadurch wird es möglich, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

„Die Weichen müssen nicht mehr von Wartungsteams vor Ort überprüft werden, die ohnehin nur eine Momentaufnahme liefern“, erklärt Andreas Kunze (25), Gründer und Geschäftsführer der Konux GmbH, die das Sensorsystem und das Analysetool entwickelt hat. Derzeit befindet sich das Sensorsystem in der Feldtestphase. Doch bereits im kommenden Jahr könnten die kleinen grauen Kästchen in Serie produziert und an knapp 30 000 Weichen im Netz der Deutschen Bahn AG angebracht werden.

Für das Münchner Start-up wäre das ein riesiger Meilenstein in einer beeindruckend kurzen Unternehmenshistorie. Schließlich gibt es Konuxerst seit März 2014. Neben Andreas Kunze zählen Vlad Lata (25) und Dennis Humhal (26) zu den Unternehmensgründern, die auch heute noch an Bord sind. Kunze und Humhal lernten sich als Studenten im Rahmen des Qualifizierungsprogramms „Manage & More“ von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der TU München, kennen. Auch der Kontakt zu Lata kam über UnternehmerTUM zustande.

„Wir wollten von Anfang an Lösungen für die Industrie 4.0 entwickeln“, betont Kunze. Die erste Idee, Assistenzsysteme für die Autobranche zu konzipieren, verwarfen sie vor allem aufgrund der hohen Eintrittsbarrieren. „Doch die Möglichkeiten von Sensoren in Kombination mit der heute verfügbaren Rechenpower faszinierte uns“, erinnert sich Kunze. „Als wir herausgefunden hatten, dass für die Bestimmung von Wartungsintervallen selbst hoch komplexer und teurer Maschinen noch kaum Daten erfasst und analysiert werden, war uns schnell klar, dass wir unser Geschäftsfeld gefunden hatten.“ Die Sensorlösungen von Konux erlauben eine komplette Digitalisierung manueller Messungen. Sie analysieren die Daten, bereiten sie verständlich auf und ermöglichen die vorbeugende Instandsetzung von Maschinen und Anlagen.

Von Preis zu Preis

Als Startkapital standen den Jungunternehmern gerade einmal 4 000 Euro aus privaten Rücklagen zur Verfügung. Damit mussten sie allerdings nicht lange haushalten. Gleich zu Anfang gewannen sie beim Münchner Businessplan Wettbewerb 2 500 Euro. Fast parallel dazu setzten sie sich mit ihrer Idee beim europaweiten Start-up-Wettbewerb EIT ICT Labs Idea Challenge durch. Preisgeld: 40 000 Euro. Außerdem wurde Konux in das einjährige Accelerator-Programm Founder.org der Silicon-Valley-Ikone Michael Baum aufgenommen, dort als eines der zehn erfolgversprechendsten Start-ups weltweit des Jahres 2014 ausgezeichnet und mit 100 000 Euro Kapital ausgestattet.

Andreas von Bechtolsheim, Gründer von Sun Microsystems und erster Investor von Google, wurde auf Konux aufmerksam und engagierte sich als Business Angel. Als Seedfinanzierung erhielt das Start-up von ihm sowie den Investoren Michael Baum und Lothar Stein zwei Millionen US-Dollar – eine solide finanzielle Basis, um die Technologie weiterzuentwickeln und erste Kundenprojekte zu akquirieren. Im April 2016 stiegen die US-amerikanische Venture-Capital-Gesellschaft New Enterprise Asso-ciates aus dem Silicon Valley, der deutsche MIG Fonds sowie der UnternehmerTUM-Fonds ein. Das Konsortium investierte zusammen rund 7,5 Millionen US-Dollar.

Intensiv auf Investorensuche

Wie gelang es Konuxbinnen eines guten Jahres derart erfolgreich, so viel Kapital einzusammeln? „So komplex ist das Ganze gar nicht“, sagt Kunze. Informationen über Venture Capital seien öffentlich zugänglich, dazu gebe es online viele Portale und Blogs. „Man muss sich eben intensiv damit beschäftigen, genauso wie mit der Kundenakquisition: Da habe ich auch mit Hunderten von Menschen gesprochen, den Bedarf ermittelt und unsere Lösungen vorgestellt.“ Allerdings habe die Begleitung von UnternehmerTUM auch in diesem Bereich von Anfang an sehr geholfen.

Kunze und seine Mitstreiter hatten zudem noch eine weitere gute Idee, die US-Investoren den Einstieg erleichterte: Sie gründeten Ende 2014 die Konux Inc. im Silicon Valley, mit dem vorrangigen Ziel, die Finanzierung zu ermöglichen. „In Deutschland fanden wir keine VC-Gesellschaft, die bereit war, drei Studenten mit einer guten Idee genügend Geld zu geben.“ Andererseits, so Kunze weiter, würde es kein amerikanischer Investor auf sich nehmen, in eine deutsche GmbH zu investieren. „Das deutsche Rechtssystem inklusive der notariellen Beurkundungen wirkt abschreckend.“ Die US-Gelder flossen daher zunächst in die Konux Inc. und wurden an die Konux GmbH weitertransferiert. „Das haben wir natürlich juristisch korrekt geregelt.“ Künftig soll über die US-Gesellschaft der amerikanische Markt erschlossen werden. „Und auch ein Börsengang“, so Kunze, „ist in den USA deutlich einfacher.“

In der derzeitigen Phase des Start-ups liegt der geografische Fokus jedoch auf Deutschland: Das Team im Münchner Büro besteht derzeit aus 20 fest angestellten Mitarbeitern und zwölf Teilzeitkräften sowie Studenten, die ihre Masterarbeit bei Konux verfassen. Die von ihnen entwickelten Lösungen befinden sich bei der Deutschen Bahn und mehreren deutschen Maschinenbaufirmen im Praxistest. 2017 will Konux in die Serienproduktion einsteigen. Dafür steht am Firmensitz in der WerkStadt Sendling, einem Gründerzentrum auf dem ehemaligen Philipp Morris-Gelände, noch ausreichend Platz zur Verfügung. Das Unternehmen arbeitet mit rund 30 Lieferanten zusammen, die alle in Deutschland produzieren.

Neue Kunden akquiriert Kunze derzeit nicht: „Jetzt geht es um die Abwicklung erster Projekte mit unseren Kunden.“ Dazu zählt unter anderem die Überwachung von Gleisinfrastruktur, Industriepumpen und Werkzeugmaschinen. „Wir unterstützen klassische Industrieunternehmen dabei zu digitalisieren“, beschreibt Kunze das Geschäftskonzept. Sören Hein, Partner der MIG Verwaltungs AG und Investor, bringt die Erfolgsformel so auf den Punkt: „Das Team von Konux vereint die Stärken von zwei Technologiezentren: die Geschwindigkeit und Innovationskraft des Silicon Valley mit der Qualität und Präzision deutscher Ingenieurskunst.“