Juni-Ausgabe

Industrie 4.0: Vernetzt und flexibel

Die Digitalisierung ermöglicht neue zukunftweisende Geschäftsmodelle. Etablierte Unternehmen aus traditionellen Branchen können davon enorm profitieren.

Einen Bagger leihen? Per Mausklick?

Young businessman holding modern digital icon application in his hand
© sdecoret – fotolia.com Geschäftsmodelle können durch die Digitalisierung optimiert werden

Auf klickrent.com ist das möglich. Unternehmen und Privatpersonen können über die Plattform Maschinen, Geräte und Zubehör von verschiedenen Herstellern und Anbietern mieten oder auch selbst vermieten. Klickrent erhält dafür eine Provision. Das Onlineangebot gehört zum Baumaschinenkonzern Zeppelin GmbH in Garching, der sich traditionell auf den Vertrieb und den Service von Maschinen des US-Herstellers Caterpillar konzentriert. Mit klickrent.com geht das Unternehmen nun neue Wege. „Wir wollen mit dem Geschäftsmodell auch über Deutschland und Europa hinaus“, bekräftigt Christoph Schmaltz, der bei Zeppelin das Digital-Business leitet. Die ersten Mietgeschäfte wurden über den Marktplatz bereits abgewickelt.

Wie Zeppelin gehen immer mehr Firmen quer durch alle Branchen vor. Sie entwickeln Geschäftsmodelle, die auf digitalisierten Abläufen mit weithin vernetzten Wertschöpfungsketten beruhen. Praktisch alle Bereiche können eingebunden sein – von der Produktionsplanung bis zum Kundenservice. Unternehmen, die Digitalisierung konsequent denken, stoßen meist auf mehrere Einsatzfelder. So ist auch Klickrent nur eine von zahlreichen Initiativen bei Zeppelin. Der Konzern setzt auf die digitale Transformation etablierter Geschäftsmodelle. Beim Flottenmanagement etwa benötigen die Kunden nur einen Internetzugang, um beispielsweise die Auslastung ihrer Maschinen auf einen Blick zu erkennen. Per Smartphone können sie Leerlaufzeiten feststellen und bei Bedarf eingreifen.

Digital macht Tempo

Auch die internen Abläufe beschleunigten sich bei Zeppelin deutlich, nachdem der Konzern Anfang 2015 im Service-Bereich das sogenannte Dispotool eingeführt hatte. Der Dreh dabei: Die Wartungstechniker können mit diesem digitalen Werkzeug via Smartphone oder Tablet Kundenaufträge annehmen oder Reparaturen an Baumaschinen bestätigen. Mehr noch: „Die ganze Auftragsabwicklung lässt sich elektronisch mit dem Dispotool viel schneller, transparenter und effizienter bewältigen, als dies früher per Telefon, E-Mail oder Fax möglich war“, fasst Schmaltz die bisherigen Erfahrungen zusammen. So entfällt das früher übliche, zeitraubende Übertragen von Papiernotizen komplett. Die Zentrale kann die Einsätze der Servicemitarbeiter viel schneller planen, weil sie den aktuellen Arbeitsstatus der Außendienstmitarbeiter jederzeit im Blick hat. Mittlerweile ist fast der gesamte Zeppelin-Service mit dem Dispotool ausgerüstet.

Welche großen Zeit- und Kostenersparnisse digitale Geschäftsmodelle bringen können, zeigt auch die Traunreuter Hofmann Druck + Medien GmbH & Co. KG. Bei den Druckaufträgen, die das Unternehmen für einen Hausgerätehersteller abwickelt, entstehen durch den Einsatz der digitalen Technologien exakt so viele Montageanleitungen oder andere Druckerzeugnisse, wie der Kunde gerade benötigt – jeweils gebündelt zu fertigen Informationspaketen. Hofmann druckt in 24 Sprachen, auf Wunsch farbig, mit variablen Umfängen von acht bis 80 Seiten und genau im richtigen Takt mit der Geräteproduktion. Das Druckprocedere startet erst vier bis 24 Stunden vor der Gerätefertigung des Kunden. „Just in time“ liefert Hofmann sechs bis achtmal täglich direkt in die Hausgerätefabrik. Die kostspielige Lagerhaltung von Broschüren wird überflüssig. Zudem ist sichergestellt, dass den Geräten nur Anleitungen in jenen Sprachen beigefügt werden, die zum Zielland passen. „Möglich wird dies, weil wir Ende 2014 unseren gesamten Workflow mit diesem Kunden in einer enormen Prozesstiefe komplett digitalisiert haben und weil wir uns täglich alle drei bis vier Stunden in sein SAP-System einloggen“, erläutert Thorsten Kelp, Mitglied der Hofmann-Geschäftsführung und Vertriebsleiter. Dadurch sei für das Druckunternehmen die gesamte Produktionsplanung des Kunden sichtbar, Änderungen in den Fertigungsabläufen ließen sich auf einen Blick erkennen. Kelp: „Das läuft quasi wie Synchronschwimmen.“

Hofmann hat alle am Druck und an der Qualitätssicherung beteiligten Maschinen – von den Digitaldruckern bis zu den Konfektionierungsanlagen – per Software miteinander vernetzt. Dies ermöglicht durchgängig automatisierte Prozesse. Davon profitieren die Kunden.

Druck 4.0 ist bei uns längst Realität, unsere Auftraggeber sparen in der Summe aller Prozesse letztlich Millionenbeträge ein.

Thorsten Kelp, Mitglied der Hofmann-Geschäftsführung und Vertriebsleiter

Der Druckerei, die knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, kommen die Neuerungen ebenfalls zugute. So reduzierten sich die hausinternen Durchlaufzeiten gravierend. Hinzu kommt der Imagegewinn. Immer wieder reisen Besucher aus der ganzen Welt ins oberbayerische Traunreut und lassen sich vorführen, wie bei Hofmann produziert wird. Kelp: „Unser 4.0-Know-how ist sehr gefragt, wir konnten dadurch auch neue Kunden gewinnen.“