IHK-Abschlüsse

Höhergestuft

Die IHK-Abschlüsse Geprüfter Betriebswirt und Geprüfter Technischer Betriebswirt sind jetzt der hochschulischen Bildung gleichgesetzt – und noch attraktiver als bisher.

F lorian Kunze arbeitet seit 22 Jahren bei der Höhenrainer Delikatessen GmbH in Großhöhenrain. Seit 2002 ist er im Unternehmen für die Ausbildung verantwortlich, seit 2007 auch für die Personalentwicklung. Kunze weiß deshalb, was der Spezialist für Geflügelprodukte besonders schätzt: Mitarbeiter, die sich weiterbilden und ihr neues Wissen schnell im Betrieb anwenden können. In der Regel seien das keine Uniabsolventen, sondern Arbeitnehmer, die sich nebenberuflich qualifizieren und auf eine mehrjährige Berufspraxis aufbauen. Leute wie er selbst.

Kunze ist Geprüfter Betriebswirt IHK. Zwei Jahre lang bildete er sich bei der IHK Akademie München und Oberbayern weiter und machte 2007 den Abschluss. Der 38-Jährige ist seither Leiter Organisation & IT und Ausbilder für Industriekaufleute bei Höhenrainer. „Der Weg hat sich bezahlt gemacht“, sagt Kunze. „Ohne den Abschluss wäre ich heute nicht in einer leitenden Position tätig.“

„Ohne den Abschluss zum Geprüften Betriebswirt wäre ich heute nicht in einer leitenden Position tätig.“

Florian Kunze, Höhenrainer Delikatessen GmbH

Fortbildungsabschlüsse wie der Geprüfte Betriebswirt oder der Geprüfte Technische Betriebswirt sind in der Wirtschaft schon immer besonders angesehen. Die Absolventen der Fortbildungen sind hoch qualifiziert und praktisch versiert. Sie können erlerntes Wissen in kürzester Zeit im Betrieb einbringen. Jetzt sind die Abschlüsse noch wertvoller. Die Gremien für den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) haben die beruflichen Fortbildungen dem Niveau sieben zugeordnet – damit stehen sie auf einer Stufe mit universitären Masterabschlüssen.

Die IHK für München und Oberbayern begrüßt den Schritt. „Die Entscheidung verdeutlicht die Gleichwertigkeit von beruflicher und hochschulischer Bildung“, sagt Jana Lamanna, Studienmanagerin bei der IHK-Gesellschaft für Berufs- und Weiterbildung mbH. „Sie bringt zum Ausdruck, dass Bildungsformate, die für unterschiedliche Handlungsfelder qualifizieren, das gleiche Anforderungsniveau aufweisen können.“ Durch die Heraufsetzung werde die hohe Qualität der beruflichen Fortbildung in Deutschland europaweit deutlich gemacht. Auch die Absolventen freuen sich über die Aufwertung ihrer Abschlüsse. „Die Angleichung ist eine Bestätigung der Leistung, die man nebenberuflich erbringt“, sagt Kunze. Das Pensum von Arbeit plus Studium sei nicht geringzuschätzen. Für ihn ist die Niveau-Anhebung die Anerkennung dieser „Doppelbelastung“. Albert Seidl sieht das ähnlich. Er ist seit 2012 Technischer Betriebswirt und Projekt- und Produktmanager bei der Heinziger electronic GmbH in Rosenheim. Als Technischer Betriebswirt könne man Verantwortung übernehmen und „ein gutes Gehalt bekommen“, sagt der 44-Jährige. Trotz der Gleichstellung von IHK-Abschluss und Master sieht Seidl einen deutlichen Unterschied. Beim Master dominiere die Theorie, beim IHK-Abschluss der Praxisbezug. Entscheidend sei aber, dass jetzt beide Abschlüsse „gleich erstrebenswert sind“. Für sich persönlich sieht der Manager einen klaren Vorteil: Die Verbindung von kaufmännischem Wissen und technischem Know-how beim Technischen Betriebswirt sei einzigartig.