E-Werke Haniel

Gut und günstig

Die E-Werke Haniel in Haimhausen haben die Liberalisierung des Energiemarkts klug genutzt. Mit der Positionierung als Ökostrom-Anbieter aus der Region konnten sie die Zahl ihrer Kunden mehr als verdoppeln. STEFAN BOTTLER

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"Wasserkraft ist der älteste erneuerbare Energieträger", Andrea von Haniel, Geschäftsführerin der E-Werke Haniel Haimhausen OHG Foto: E-Werke Haniel

Gerade einmal drei Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms stammen aus Wasserkraft – 2015 waren das 647 Milliarden Kilowattstunden. In der öffentlichen Diskussion um die Energiewende spielt diese Quelle kaum eine Rolle. Für Andrea von Haniel (54) ist dies unverständlich. „Wasserkraft ist der älteste erneuerbare Energieträger“, versichert die Geschäftsführerin der E-Werke Haniel in Haimhausen im Landkreis Dachau. „Mit Wasser aus der Region produzieren wir seit 114 Jahren Ökostrom.“ Als die ausgebildete Fotografin mit ihrer Schwester Henriette von Haniel 1998 – fast zeitgleich mit der Liberalisierung des Strommarkts – die Geschäftsführung in vierter Generation übernahm, hatte das 1902 gegründete Familienunternehmen knapp 1 300 Kunden in Haimhausen. Heute beziehen auch Betriebe und Haushalte in Dachau, Eching, Fahrenzhausen, Unterschleißheim und in weiteren Kommunen nördlich von München Strom der E-Werke Haniel. Mit 2 600 Kunden – darunter über 320 Gewerbetreibende – setzte das Unternehmen im Vorjahr 4,3 Millionen Euro um. „Wir liefern ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen“, grenzt von Haniel das Unternehmen vom Wettbewerb ab. Die E-Werke verzichten vollständig auf Energie aus Kohle und anderen konventionellen Quellen. Sie verkaufen auch keinen sogenannten Graustrom, dessen Herkunft unbekannt ist. Mit Anzeigen, Veranstaltungen wie einem Tag der offenen Tür oder Unternehmensführungen und weiteren Werbeaktionen machte von Haniel die E-Werke in der Region bekannt. Auf Gewerbeschauen in den umliegenden Städten und Gemeinden stellt sie das Unternehmen regelmäßig als Energieversorger aus der Nachbarschaft vor. „Hier haben wir viele gewerbliche Kunden gewonnen“, sagt die Unternehmerin. Für die Region engagiert sie sich auch ehrenamtlich. Sie ist Mitglied des IHK-Regionalausschusses Dachau. Knapp 40 Prozent des Stroms werden an kleine und mittlere Firmen verkauft. Das entspricht ungefähr der Menge, welche die drei Kraftwerke an der Amper und anderen Gewässern erzeugen. Weil deren Produktionsvolumen von jährlich knapp 4,5 Millionen Kilowattstunden trotz Modernisierungsmaßnahmen kaum weiter gesteigert werden kann, kaufen die Haimhausener regenerativen Strom von externen Anbietern hinzu. Gegenwärtig beziehen sie Energie von einem norwegischen Wasserkraftwerk, ab Ende 2016 liefert außerdem ein Windkraftpark in Unterfranken zu. Weiteren Strom ordert von Haniel auf der Leipziger Strombörse EEX zu möglichst günstigen Preisen. „Der Einkäufer muss ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt entwickeln“, sagt die Unternehmerin. Bei politischen Erschütterungen wie dem Brexit-Referendum oder unerwarteten Angebotsengpässen beziehungsweise -überschüssen können die tagesaktuellen Preise schon einmal um nahezu 100 Prozent schwanken. Mit ihrer Einkaufsstrategie ist von Haniel bislang gut gefahren. Die Tarife der E-Werke liegen zum Teil sogar unter denen vieler großer Energieversorger, die überwiegend oder ausschließlich konventionellen Strom verkaufen. Hierzu trägt auch die schlanke Struktur des Unternehmens bei. Nur zehn Mitarbeiter warten die Anlagen und betreuen die Kunden. Für die Zukunft stellt sich von Haniel auf Wachstum ein – aber nicht um jeden Preis. „Die E-Werke müssen ihre Identität als regionaler Versorger mit persönlichem Service bewahren“, lautet für die Geschäftsführerin der Schlüssel zum Erfolg. „Mit 5 000 Kunden ist diese Voraussetzung noch vorhanden, mit 50 000 hingegen nicht.“