Exportpreis Bayern

Im Ausland ganz groß

Der Exportpreis Bayern feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr sicherten sich auch zwei oberbayerische Unternehmen die begehrte Trophäe. JOSEF STELZER


Um auf internationalen Märkten erfolgreich zu sein, braucht ein Unternehmen keine riesige Exportabteilung. Im Prinzip genügen interessante Produkte und ein kluges Vertriebskonzept, um international erstaunliche Ergebnisse zu erzielen. Wie das konkret funktioniert, zeigen die Exportpreissieger jetzt im zehnten Jahr. Die Auszeichnung geht an Firmen, die erfolgreich im Auslandsgeschäft tätig sind und nicht mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Verliehen wird der Exportpreis vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag sowie von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit Bayern International. Ausgezeichnet werden Unternehmen in den vier Kategorien Industrie, Handel, Dienstleistung und Handwerk. Das Auslandsgeschäft spielt für die bayerische Wirtschaft eine herausragende Rolle. Im vergangenen Jahr lieferten Unternehmen aus dem Freistaat Waren im Wert von 179 Milliarden Euro ins Ausland – 6,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Gerade kleinere Betriebe stehen jedoch vor großen Herausforderungen, wenn sie international Fuß fassen wollen. Schließlich verteilen sich die zahlreichen Aufgaben auf nur wenige Mitarbeiter. Der Exportpreis Bayern soll daher kleine Firmen würdigen, „deren Strategie und deren Mut, Ideen und Durchhaltevermögen zu besonderen Erfolgen bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland geführt haben“, wie es die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner formuliert. Sie zeichnete die vier Sieger der Jubiläumsrunde bei einer feierlichen Abendveranstaltung am 23. November 2016 aus. Wir stellen die beiden Preisträger aus Oberbayern vor.

Kategorie Industrie: MIPM – in Asien besonders stark

Das Mammendorfer Institut für Physik und Medizin (MIPM) ist auf die Herstellung kernspintauglicher Medizinprodukte spezialisiert. „Unsere Produkte, mit denen Ärzte menschliche Vitalfunktionen wie etwa den Blutdruck oder das EKG ablesen, sind an die Bedingungen der Umgebung in den Kernspintomografen angepasst und vor den magnetischen sowie elektromagnetischen Einflüssen besonders gut abgeschirmt“, erklärt MIPM-Geschäftsführer Hans Schwaiger (60). „Unser Know-how liegt in den komplexen Abschirmmaßnahmen und Filtertechniken, mit denen wir die Geräte schützen.“ Dass die Exportpreisjury den oberbayerischen Hersteller von medizinischen Geräten zum Sieger kürte, hat gute Gründe. MIPM erreichte 2015 eine Exportquote von satten 83 Prozent und ist seit Jahren in asiatischen Boomregionen erfolgreich. Zu den Kunden gehören Fachhändler etwa in Malaysia, Indien oder Indonesien. Aber auch im europäischen Ausland sowie im Mittleren Osten, etwa in Saudi-Arabien oder Kuwait, liefert das 1982 gegründete Mammendorfer Unternehmen an Fachhändler, die MIPM-Geräte an Kliniken verkaufen. Produziert wird weiterhin in Bayern. MIPM entwickelt und fertigt jedoch nicht nur eigene Produkte, sondern ist zudem für namhafte Medizintechnikanbieter tätig. Im Vorjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 7,7 Millionen Euro. Für die Zukunft haben sich die beiden Geschäftsführer, Michael N. Rosenheimer (60) und Hans Schwaiger, sowie Prokuristin Jennifer Rosenheimer (30) einiges vorgenommen. Das Vertriebsgeschäft in den USA läuft erfolgreich an. Kanada, Japan und Brasilien haben sie als weitere lukrative Zielmärkte bereits im Blick. Dass MIPM beim Exportpreis zu den Gewinnern gehört, dürfte den Markteintritt spürbar erleichtern. „Die Auszeichnung wird unseren Bekanntheitsgrad bestimmt steigern und uns bei diversen Werbe- und Marketingaktivitäten weiterhelfen“, sagt Schwaiger. Positiv auswirken dürfte sich auch der weltweit hervorragende Ruf Bayerns als Standort für Technologieunternehmen.

Kategorie Handel: Hermith – durch und durch international

Das Münchner Unternehmen Hermith beliefert Kunden aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt sowie der Medizintechnik mit dem Werkstoff Titan. Dieses Material eignet sich besonders für Anwendungen, bei denen es auf hohe Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit sowie ein möglichst geringes Gewicht ankommt, etwa in der Luft- und Raumfahrt. „In der Automobilindustrie wird Titan beispielsweise für Federn oder andere Fahrwerkteile in Zukunft vermehrt eingesetzt“, sagt Hermith-Geschäftsführer Alexey Rasskazov (55). Da die Unternehmen in den Zielbranchen sehr international arbeiten, ist die starke Ausrichtung auf das Auslandsgeschäft fast selbstverständlich. So erreicht die Exportquote des 2004 gegründeten Unternehmens 73 Prozent. Ebenso international aufgestellt ist das Team: Die 17 Mitarbeiter kommunizieren in insgesamt zehn Sprachen. Das erleichtert natürlich das Exportgeschäft – und den Einkauf. Denn auch das Material kommt aus dem Ausland; derzeit aus Russland, den USA und China. Hermith liefert Titan in Form von Blechen, als Drähte, Platten oder Rundstäbe. Das Lager bietet ein umfangreiches Produktsortiment. Zum Dienstleistungsspektrum zählen neben der Materialverarbeitung nach Maß auch die Lagerung sowie diverse Transportservices samt Kundensupport. Zudem entwickelt das Unternehmen kundenspezifische Lösungen und forscht an innovativen Titanlegierungen, etwa für Kardanwellen und Federn im Automobilbau, sowie an Titanschweißdraht für die Fertigung in der Luft- und Raumfahrt. „Wir arbeiten eng mit den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Industrie sowie mit Forschungseinrichtungen an Universitäten zusammen“, sagt Rasskazov. Dass er auf dem richtigen Weg ist, beweist nicht zuletzt die Auszeichnung beim Exportpreis Bayern. „Das ist eine wichtige Visitenkarte und kann uns den Eintritt in neue Märkte deutlich erleichtern.“