Carsharing

Mieten statt Kaufen

Von Parkplatznot bis Stau – Carsharing kann dazu beitragen, die Verkehrsbelastung in den Ballungszentren zu reduzieren. Neue Konzepte und Anbieter helfen dabei.

Carsharing boomt. In Deutschland waren Anfang 2016 bereits 1,26 Millionen Kunden registriert, 220 000 mehr als im Vorjahr. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Art Kurzzeitmiete, etwa für Fahrten innerhalb der City oder zum nächsten Flughafen. Bequem für Kunden: Sie können auf das eigene Auto verzichten und sind trotzdem mobil. Die Zahl der Städte und Gemeinden mit Carsharing-Angeboten erhöhte sich 2015 von 490 auf 537. Mehr als 16 000 Fahrzeuge stehen mittlerweile bundesweit zur Verfügung. Zwar gibt es auch stationsgebundene Systemen, aber die sogenannten Free-Floating-Angebote dominieren längst den Markt. Hierzu gehören etwa car2go, das Daimler und Europcar aus der Taufe gehoben haben, und das von BMW und Sixt gegründete DriveNow. Diese Anbieter ermöglichen es, die Fahrten innerhalb der festgelegten Geschäftsgebiete zu starten und am Ziel die Pkws auf öffentlichen Parkflächen abzustellen. Die Fahrzeugbuchung lässt sich einfach per Kundenkarte oder per Smartphone-App direkt am Auto starten oder beenden. Abgerechnet wird in der Regel nach der Mietdauer. Parkgebühren an öffentlichen Straßen und Spritkosten entfallen dabei ebenso wie fixe Jahres- oder Monatsgebühren.

„Mit dem Angebot wollen wir gemeinsam mit den Städten Verkehrsprobleme lösen.“

Nico Gabriel, Geschäftsführer DriveNow GmbH & Co. KG

Der Parkdruck sinkt

Doch nicht nur die Carsharing-Nutzer können profitieren. „Gerade die Lieferverkehre in der City werden durch die zahllosen parkenden Privatfahrzeuge und Staus stark behindert“, sagt IHK-Verkehrsreferent Joseph Seybold. Carsharing könne hier ein Teil der Lösung sein, wenn immer mehr Autofahrer auf solche Angebote umsteigen, anstatt mit dem eigenen Pkw in die Stadt zu fahren. Die günstigen Effekte für die Parkplatzsituation in Ballungsgebieten belegt die WiMobil-Studie der Universität der Bundeswehr München und des Instituts für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Demnach ersetzen die stationslosen Carsharing-Fahrzeuge schon heute dreimal so viele Privatfahrzeuge und machen allein in München eine Parkfläche von mehr als 5 600 Quadratmetern frei.

Nico Gabriel, Geschäftsführer der Münchner DriveNow GmbH & Co. KG, unterstreicht das: „Mit unserem flexiblen Carsharing-Konzept bieten wir eine attraktive Lösung für die Situationen, in denen ein Auto benötigt wird. Mit diesem ergänzenden Mobilitätsangebot wollen wir gemeinsam mit den Städten Verkehrsprobleme lösen.“

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© Linde Hydrogen Concepts Marktneuling – BeeZero startet im Sommer mit 50 wasserstoffbetriebenen Pkws in München

Die Ergebnisse der Münchner WiMobil-Studie hätten gezeigt, dass Carsharing in kurzer Zeit deutlich entlastende Effekte auf den Verkehr mit sich bringe und „essenziell“ für eine zukunftsweisende städtische Mobilitätsstrategie sei. Carsharing bietet den Autofahrern außerdem die Chance, sich mit Elektrofahrzeugen vertraut zu machen.

DriveNow beispielsweise setzt bereits auf die zukunftsträchtige Technik: Von den 550 DriveNow-Fahrzeugen in München werden mittlerweile 85 elektrisch angetrieben. Das Angebot wird genutzt: Die batteriebetriebenen BMW i3 in der deutschen DriveNow-Flotte sind nahezu identisch ausgelastet wie die flotteneigenen Verbrennungsfahrzeuge. An der Spitze fährt ein i3-Mieter in Berlin, der den Elektro-BMW bisher schon mehr als 150-mal gebucht hat. Die WiMobil-Untersuchung zeigt, dass E-Carsharing-Fahrzeuge genauso genutzt werden wie Pkws mit herkömmlichem Antrieb.

Hemmschwellen und Reichweitenangst spielen demnach kaum noch eine Rolle. Carsharing-Kunden sind also offenbar gern in den Stromern unterwegs. Günstige Voraussetzungen für den Marktneuling BeeZero, der in diesem Sommer in München ebenfalls mit elektrisch angetriebenen Autos an den Start geht. Allerdings beziehen die Viertürer den Strom nicht aus der Steckdose, sondern aus den in den Fahrzeugen eingebauten Brennstoffzellen. Damit haben sie ihr eigenes Kraftwerk mit an Bord. Dort reagiert der in einem speziellen Tank gespeicherte gasförmige Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Letztlich entstehen dabei Strom für den Elektromotor sowie Wasser. Pkws mit Brennstoffzellen haben gegenüber anderen Elektroautos einen Vorteil: Die Reichweite beträgt mindestens 400 Kilometer – genug für längere Ausflüge, zum Beispiel an die bayerischen Seen oder in die Berge.

BeeZero gehört zur Münchner Linde Hydrogen Concepts GmbH. Dem Carsharing-Team kommt der enorme Erfahrungsschatz zugute, den der Industriegase-Hersteller Linde AG seit mehr als 100 Jahren zum Thema Wasserstoff gesammelt hat – von der Erzeugung über die Speicherung bis zum praktischen Einsatz. 50 wasserstoffbetriebene Pkws vom Typ Hyundai ix35 Fuel Cell von BeeZero werden in der Münchner Innenstadt – in Schwabing, Haidhausen, in der Au sowie im Glockenbachviertel – zur Verfügung stehen. Die Landeshauptstadt bietet damit den weltweit ersten Carsharing-Service, der ausschließlich mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenautos offeriert. Bequem für die Kunden: Das Auftanken übernimmt das BeeZero-Team