Juni-Ausgabe

Einzelhandel: 1-a-Lage im Internet

Der Onlinevertrieb bildet für den Koffer- und Taschenspezialisten Marstaller ein wichtiges Standbein. Könnte Geschäftsführer Ernst Läuger noch einmal starten, würde er allerdings die Mitarbeiter noch früher einbeziehen.

Die Benno Marstaller KG verschickt täglich an die 58 Pakete mit Koffern, Beauty-Cases, Rucksäcken, Collegemappen, Akten-, Hand- und Reisetaschen an Endkunden rund um den Globus – an 360 Arbeitstagen im Jahr. Alles online bestellt! Kein Wunder, dass Geschäftsführer Ernst Läuger (53) mit seinem Onlineshop Mymarstaller.com ausgesprochen zufrieden ist.

Wie hoch die Umsätze genau ausfallen, will er nicht verraten. Doch angesichts von drei fest angestellten Mitarbeitern, die ausschließlich für Pflege und Weiterentwicklung des Onlineshops zuständig sind, lässt sich die Bedeutung dieses Vertriebswegs für das 1893 als Sattlerei gegründete Münchner Traditionsunternehmen durchaus erahnen.

Wir erwirtschaften mit dem B2C Internethandel eine schwarze Null, obwohl die Kosten für diesen Geschäftsbereich in etwa denen einer Filiale in 1-a-Lage der Münchner Innenstadt entsprechen.“

Ernst Läuger, Geschäftsführer der Benno Marstaller KG

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© Benno Marstaller KG Ernst Läuger, Geschäftsführer der Benno Marstaller KG, mit Sohn Gabriel (r.) vor einer Tagesauslieferung

Marstaller ging vor etwa sechs Jahren online. Die Programmierung des Webshops übernahm Ernst Läugers 25-jähriger Sohn Gabriel. „Über spezielle Programmierkenntnisse verfügte er damals nicht. Aber ihn interessierte das Thema, und er tüftelte rund 600 Stunden an der ersten Version von “, erinnert sich der Vater. Seither ist der Junior für den Onlineshop verantwortlich – zusätzlich zu seinen Aufgaben als Leiter einer Marstaller-Filiale.

„Wir erwirtschaften mit dem B2C-Internethandel eine schwarze Null, obwohl die Kosten für diesen Geschäftsbereich in etwa denen einer Filiale in 1-a-Lage der Münchner Innenstadt entsprechen“, sagt Läuger. In dieser Bilanz berücksichtigt der Chef des Familienbetriebs nicht die positiven Effekte des Onlinehandels auf die stationären Ladengeschäfte. Denn viele auswärtige Kunden, die Marstaller nur aus dem Web kennen, besuchen bei einem München-Aufenthalt auch das Haupthaus in der Pacellistraße oder eine der drei weiteren Filialen in der Stadt – und kaufen ein.

„Die Werbemaßnahmen, mit denen wir Neukunden für ansprechen, sind ein großer Kostenfaktor“, erklärt Läuger. Hier setzt das Unternehmen unter anderem auf Google Ads, also auf Anzeigen, die im Internet über den Ergebnislisten der Suchmaschine erscheinen. Das Unternehmen bezahlt pro Klick auf die Anzeige. „Aufgrund unseres eher hochpreisigen Sortiments und unserer entsprechend hochklassigen Zielgruppe sind die Klickkosten relativ hoch“, sagt Geschäftsführer Läuger. Darüber hinaus wirbt das Unternehmen mit Anzeigen in internationalen Printmagazinen, die Premiumzielgruppen ansprechen. Kooperationen mit Personal Shoppern und Reiseveranstaltern im Ausland sorgen dafür, dass die zahlreichen Kunden in Nordamerika, Russland, Asien und den arabischen Staaten sowohl auf den Onlineshop als auch auf die stationären Ladengeschäfte aufmerksam werden. „Doch auch auf den Websites der Hersteller, deren Produkte wir führen, werden Interessenten auf unseren Onlineshop hingewiesen“, erklärt Läuger.

Vor dem Start des Webshops hatte das Unternehmen bereits Erfahrungen im E-Commerce gesammelt. Für das Geschäftsfeld Industrieprodukte, in dem Marstaller Spezialkoffer für Firmen produziert, dient die Unternehmenswebsite seit Mitte der 1990er-Jahre als digitaler Showroom mit Bestellmöglichkeit. Auch für die handgefertigten Lederwaren aus pflanzlich gegerbtem Rindsleder, die seit mehr als 120 Jahren in der eigenen Manufaktur hergestellt werden, gibt es einen separaten Bereich auf der Unternehmenswebsite. Selbstverständlich weist sie auch auf den Onlineshop hin und verlinkt dorthin.

Die Versandlogistik inklusive Exportabwicklung war für Marstallerkeine große Herausforderung. Das kannte sie bereits aus dem Industriegeschäft. „Schwieriger war es, das Bestandsmanagement in den Griff zu bekommen“, erinnert sich Läuger. Grundsätzlich verschickt das Zentrallager in Warngau die Onlinebestellungen. Doch seltener bestellte Artikel sind manchmal nur in den Filialen vorrätig und werden von dort versandt. „Der Onlinehandel erfordert, dass die Warenbestände genau geplant und gepflegt werden“, weiß Läuger. Eine Besonderheit von ist die versandkostenfreie Lieferung, die auch für Auslandsbestellungen gilt und nach Läugers Erfahrung Käufer dazu animiert, das Unternehmen weiterzuempfehlen. Kunden, die im Umkreis von 50 Kilometern um München wohnen, erhalten ihre Bestellungen auf Wunsch sogar ohne Mehrkosten am selben Tag von den Lieferfahrzeugen, die ansonsten für Industriekunden unterwegs sind.