Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Exponat Mai 2016

Hoher und höchster Besuch

Zu Gast bei Unternehmen

Zu den Kostbarkeiten jedes Rathauses gehört das Goldene Buch der Stadt, in dem sich gekrönte Häupter und sonstige prominente Besucher verewigen. 1888 trug sich als erster Kaiser Wilhelm II. in das neu geschaffene Gedenkbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt München ein.

Im Mai 1906 – vor 110 Jahren – schrieben sich die Mitglieder einer chinesischen Studienkommission in den voluminösen Band mit Goldschnitt ein. Auch ein Besuch am bayerischen Königshof stand für die Delegation auf dem Programm. Die Münchner Stadtchronik verzeichnete ihre Namen: Generalgouverneur Tuan Fang, Ministerialpräsident Tai Hung Tse, Präfekt Lao Ke Alfred Sze, Hanlin Teng Pang She, Taotai Fong Tsiang Kwang, Hanlin Kwan Mien Chun, Oberst Sho Ching Ah, Werftdirektor Basse (ein Deutscher), Lung Kin Chang sowie Mo Do Yü – mit dem Vermerk „studiert in Berlin und spricht deutsch“. Besonders beeindruckte aber die Besucher aus dem Reich der Mitte die Besichtigung der Löwenbrauerei: „Eine Brauerei in dem kolossalen Umfange (…) war ihnen nicht bekannt.“ Auch dem Kaufhaus Oberpollinger statteten die chinesischen Würdenträger einen Besuch ab und „liessen sich dessen Betrieb eingehend erklären.“Überhaupt erfreuten sich die bayerischen Betriebe großer Beliebtheit auch beim Herrscherhaus der Wittelsbacher. Als Isidor Bach 1903 in der Münchner Sendlinger Straße sein neues Geschäftshaus eröffnete, beehrte Prinzregent Luitpold die Inhaberfamilie und die Angestellten mit seinem Besuch. Kurz darauf kam auch sein Sohn Prinz Ludwig in Begleitung seines Adjutanten.

Der Firmenbesuch von Staatsgästen und prominenten Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung hat damals wie heute sehr hohen Stellenwert. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv spiegeln eindrucksvolle historische Fotos diese Begegnungen wider.

Harald Müller M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs