IHK-Positionen zur Landtagswahl 2018

Energie sichern

energiesicherheit
© IHK

Stabile Stromnetze sind für die bayerische Wirtschaft extrem wichtig. Im Zuge des Ausstiegs aus der Kernkraft gibt es jedoch eine große Stromlücke. Was fordert die Wirtschaft, um die Energie zu sichern?

Auf einen Blick

Die bayerische Wirtschaft braucht sichere und stabile Stromnetze. Bereits kurzfristige Schwankungen im Stromnetz können enorme Schäden verursachen und Produktions- und Logistikprozesse behindern. Im Zuge des Kernkraftausstiegs bis 2022 steuert Bayern auf eine immense Lücke bei der Stromerzeugung zu.

Aus Sicht der oberbayerischen Wirtschaft sollte die bayerische Politik zur Sicherung der Energieversorgung:

  • Die drohende Erzeugungslücke für Strom schließen,
  • den Ausbau der Energienetze beschleunigen,
  • den europäischen Energiebinnenmarkt stärken.

Die Energiesicherheit ist trotz Atomausstieg und steigendem Anteil stark schwankender Stromerzeugung sicherzustellen. Gleichzeitig darf der dringend benötigte Netzausbau keine rapide Steigerung der Kosten verursachen.

Dipl.-Ing. (FH) Christian Gottfried, Geschäftsführer Adolf Gottfried Tonwerke GmbH, Mitglied der Vollversammlung und des Umwelt- und Energie-Ausschusses der IHK zu Coburg

Der Ausstieg aus der Kernkraft führt zu einer Lücke in der Stromversorgung

Bisher sieht es gut aus bei der Stromversorgung in Bayern. Lediglich 10 Prozent der bayerischen Unternehmen haben mit Stromausfällen über drei Minuten zu kämpfen, knapp 20 Prozent mit Stromausfällen unter drei Minuten. (Quelle: Energiewendebarometer der IHK, 2017). Noch wird in Bayern so viel Strom produziert wie verbraucht wird.

Durch den Ausstieg aus der Kernkraft wird sich dies ändern. Wenn die restlichen bayerischen Kernkraftwerke ihren Betrieb einstellen, wird ein Drittel des benötigten Stroms fehlen.

Bau von Netzstabilitätsanlagen muss beschleunigt werden

Damit die Stromversorgung stabil bleibt, dürfen die Betreiber von Übertragungsnetzwerken Anlagen errichten, die schnell gestartet werden können und die Netzwerke stabil halten. Hohe Auflagen und Widerstand auf lokaler Ebene drohen den Bau dieser Netzstabilitätsanlagen zu verzögern.

Zur Sicherung der Grundlast müssen Kraftwerke mit erneuerbaren Energie ausgebaut werden

In Bayern gibt es noch Luft bei Kraftwerken aus Erneuerbaren Energien, die die Grundlast sichern können. Ein Beispiel ist die Wasserkraft, die bisher nur 13 Prozent zur Bruttostromerzeugung beiträgt. Die Wasserkraft muss stärker als bisher genutzt werden.

Forderungen

  • Stromerzeugungslücke schließen
  • Bau der erforderlichen neuen Netzstabilitätsanlagen beschleunigen
  • Zügigen Ausbau gesicherter Kapazitäten nach marktwirtschaftlichen Kriterien unterstützen

Im Norden Deutschland nimmt die Stromerzeugung durch die Windenergie zu. Deshalb ist es dringend notwendig, den Netzausbau voranzutreiben. Allerdings werden weder die Gleichstromleitungen Süd-Ost noch SuedLink vor 2025 fertig sein. Schon heute verursacht es enorme Kosten, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur werden die Redispatch-Kosten, um das Netz zu stabilisieren, bis 2023 rund 4 Milliarden Euro betragen.

Deshalb ist es dringend nötig, die Übertragungsnetze zügig auszubauen. Damit würden die Redispatch-Kosten nicht weiter steigen und zudem die Stromversorgung nach Abschaltung der Kernkraftwerke gesichert. Die Landespolitik sollte für die Akzeptanz des Energieleitungsneubau werben.

Forderungen

  • Zügiger Ausbau der Übertragungsentze in Bayern
  • Akzeptanz für den Energieleitungsneubau erhöhen.

Die Elektrizitätsversorgung wird stabiler und wirtschaftlicher, wenn das deutsche Stromnetz mit dem Übertragungsnetz der Nachbarstaaten verknüpft wird. Durch die Verwirklichung der Energieunion könnten in der EU laut EU-Kommission jährlich 40 Milliarden Euro eingespart werden. Dafür ist es jedoch notwendig, die Transportkapazitäten zu erweitern.

Nationale Alleingänge in der Energieversorgung sollten vermieden werden. Eine vollständige Marktöffnung beseitigt Preisverzerrungen.

Forderungen:

  • Grenzüberschreitende Übertragungskapazität erweitern
  • Intensive Zusammenarbeit mit den Nachbarländern.