Unternehmensgründung

Ein Tag muss reichen

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Die IHK fordert bessere Bedingungen für Start-ups: weniger Steuer- und Gründungsbürokratie, mehr Wagniskapital, öffentliche Aufträge und Kontakte zum Mittelstand.

Start-ups: Die Gründerzahlen sind seit Jahren rückläufig. Zu wenige Frauen haben den Mut, ein Unternehmen zu gründen. Gründerinnen haben es auch schwerer als Männern, einen Kredit zu bekommen. Zudem fehlt es zu vielen Start-ups an Qualität. Das Ganze ist für die Entwicklung der bayerischen Wirtschaft unbefriedigend und problematisch. Deshalb ist die Start-up-Förderung ein wichtiger Baustein der IHK-Positionen zur Landtagswahl 2018.

Das Tempo ist entscheidend

Die IHK will, dass sich das Bild grundlegend ändert. Florian Schardt, Chef der Azubiyo GmbH und Mitglied der IHK-Vollversammlung, weiß als Unternehmer sehr genau, wo es klemmt. Gründer, sagt er, müssten sich auf ihre Produkte und Dienstleistungen konzentrieren können. Es sei entscheidend, mit neuen Ideen schnell auf den Markt zu kommen. Das sei nur möglich mit besseren Rahmenbedingungen. Schardt listet auf: schlanke Bürokratie mit digitalen Prozessen, leichterer Zugang zu Kapital- und Fördermöglichkeiten. „Bürokratie für Gründer abbauen“ steht folglich ganz oben auf der IHK-Agenda. „One-Stop-Shops“ sollen Start-ups so weit als möglich von Formalitäten entlasten.

Gründungen sollen künftig an einem Tag möglich sein. Zudem will die IHK mit weniger Steuerbürokratie eine weitere Gründerhürde beseitigen. Die Vorschläge lauten: Statt einer monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung muss ein vierteljährlicher Rhythmus genügen. Einzel- und Personenunternehmen sollen vom Pflichtformular „EÜR“ verschont werden. Der Überschuss soll formlos ermittelt werden können.

Finanzierung als Dauerproblem

Sorgen bereitet der IHK auch die Finanzierung. Banken tun sich schwer damit, Kredite an Start-ups zu vergeben. Vor allem dann, wenn es um die Finanzierung ausgefallener Geschäftsmodelle, beispielsweise um die Entwicklung von komplexer Software oder Wirkstoffen, geht. Noch mehr Probleme haben Start-ups, Wachstum und Expansion zu finanzieren. In Deutschland mangelt es deutlich an Wagniskapital. Die IHK fordert die Landespolitik auf, ihre Start-up-Förderprogramme auszuweiten und die Antragsformalien zu vereinfachen.

Die IHK verweist in ihrem Positionspapier auf den Vergleich mit den USA: Dort werden pro Jahr umgerechnet 53 Milliarden Euro Wagniskapital in Start-ups investiert, in Deutschland sind es nur gut 3 Milliarden (Stand 2015). In den USA geben finanzstarke öffentliche Auftraggeber wie die NASA Start-ups eine Chance, hierzulande ist das nur in Ausnahmen der Fall. Die IHK plädiert ferner dafür, Gründer, Start-ups und Mittelständler zu vernetzen, um Innovationen generell zu fördern. Und schließlich ist es schon Aufgabe der Schulen, eine „Kultur der Selbstständigkeit“ zu vermitteln.