Konjunktur Jahresbeginn 2017

Fulminanter Start ins Jahr der Entscheidungen

Baukräne
© Michael Rosskothen / fotlia

Die bayerische Wirtschaft startet hervorragend ins Jahr 2017. Trotz mannigfaltiger politischer Risiken erreicht die Stimmung gemessen am BIHK-Konjunkturindex, der die Lagebeurteilungen und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammenfasst, mit 130 Punkten annähernd das Rekordergebnis vom ersten Halbjahr 2011. Dies ergibt die Konjunkturumfrage der bayerischen IHKs.

Die konjunkturelle Entwicklung hat weiter an Stabilität gewonnen, denn sowohl im Inland als auch im Ausland hat die Nachfrage zugenommen. Dies sorgt für beste Laune bei den Unternehmen: 52 % bezeichnen ihre aktuelle Lage als „gut“ und nur 6 % sind unzufrieden. Per Saldo klettert die Bewertung auf den höchsten Stand seit 24 Jahren – dem Beginn der BIHK-Konjunkturumfrage 1993. In den vergangenen sechs Monaten hat die Nachfrage aus dem Inland spürbar zugenommen. Höhere Einkommen, mehr Beschäftigung und weiterhin günstige Zinsen sorgen für Kauflaune bei den privaten Haushalten. Hauptprofiteur ist das Baugewerbe, denn zusätzlich drängen Kapitalanleger in den Rendite und Sicherheit versprechenden deutschen Immobilienmarkt. Deutlich angezogen haben die Geschäfte in der Industrie sowie im Großhandel. In allen wichtigen Exportdestinationen wurden bayerische Güter und Dienstleistungen rege nachgefragt. Mehr absetzen konnten die Unternehmen insbesondere in China und Nordamerika. Aber auch innerhalb des europäischen Binnenmarktes waren bayerische Waren stark nachgefragt. Das Startniveau für das Jahr 2017 ist damit äußerst hoch. Dies zeigt der Konjunkturbericht der bayerischen IHKs zum Jahresbeginn 2017.

Ausblick

Obwohl die politischen Unwägbarkeiten aus Sicht der bayerischen Unternehmen beträchtlich sind, blicken sie mit viel Optimismus auf die eigene Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten: Rund ein Viertel der Unternehmen rechnet für 2017 mit einer weiteren Geschäftsverbesserung und nur jedes zehnte mit einer Eintrübung. Per Saldo steigen die Erwartungen von 13 auf 16 Punkte. Damit kann mit einem ähnlich hohen Wachstum wie 2016 gerechnet werden. Zugleich machen sich die Unternehmen wenig Sorgen, dass die Nachfrage abrupt einbrechen könnte: Nur einmal in den vergangenen knapp sieben Jahren war der Anteil der Betriebe, die einen Einbruch der In- und Auslandsnachfrage als Geschäftsrisiko benannten, geringer als jetzt. Die Unternehmen schätzen damit die reinen geschäftsbedingten Aussichten für das Jahr 2017 recht stabil ein.

Bestens bleiben daher auch die Aussichten für den bayerischen Arbeitsmarkt: 20 % der Betriebe wollen zusätzliches Personal einstellen, nur 11 % Stellen streichen. Per Saldo erreichen die Beschäftigungspläne den höchsten Stand seit Frühjahr 2012. Auch die Bereitschaft der Unternehmen im Inland zu investieren ist auf den höchsten Stand seit knapp sechs Jahren gestiegen. Angesichts der äußerst günstigen Finanzierungsbedingungen ist jedoch das Niveau der Investitionstätigkeit niedriger, als man es für so eine Boomphase erwarten darf.

Branchen

Industrie Jahresbeginn 2017
© IHK Industrie in Bayern, Jahresbeginn 2017

Die bayerische Industrie ist in Bestform. Im Vergleich zum Herbst hat die Nachfrage aus dem In- und Ausland nochmals angezogen. Deutlich mehr Unternehmen berichten nun von einem Exportplus innerhalb der Eurozone, nach China und in den übrigen asiatischen und pazifischen Raum. Etwas stärker als zuletzt hat das Nordamerikageschäft zugelegt. Die Unternehmen haben daher ihre Auslastung erhöht: 40 % der Unternehmen produzieren unter Volllast und bei nur 12 % sind die Maschinen nicht ausreichend ausgelastet. Per Saldo erreicht die Kapazitätsauslastung den höchsten Stand seit fünf Jahren.

Obwohl die Unternehmen mit ihren Lageurteilen die Messlatte für eine weitere Erfolgsstory sehr hoch hängen, haben sie ihre Erwartungen nochmals erhöht. 29 % der Betriebe erwarten eine Belebung ihrer Geschäfte und nur 8 % eine Eintrübung. Die Erwartungen sind per Saldo von 16 auf 21 Punkte spürbar angestiegen.

Handel Frühjahr 2017
© IHK Baugewerbe in Bayern, Jahresbeginn 2017

Der Höhenflug des bayerischen Baugewerbes hält weiter an. Günstige Finanzierung, stabile Beschäftigung, steigende Einkommen sowie das Drängen von Investoren in den Wohnimmobilienmarkt, der als sichere und renditeversprechende Anlageform gilt, sind das Grundgerüst für immer neue Rekorde. Nach wie vor berichten die Unternehmen insbesondere im Bereich des Wohnungsbaus von steigenden Aufträgen. Eine stabile Entwicklung melden die Unternehmen beim Wirtschafts- und dem öffentlichen Bau. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und die Betriebe entsprechend stark ausgelastet: 62 % der bayerischen Bauunternehmen sprechen von einer vollen Auslastung und nur 6 % von einer unbefriedigenden.

Die Unternehmen rechnen auch in den kommenden zwölf Monaten mit einem unveränderten Boom: 23 % erwarten sogar eine weitere Verbesserung und nur 7 % eine Eintrübung ihrer Geschäftstätigkeit. Während die Aussichten für den Wohnungsbau gleich gut sind, sind die Unternehmen sowohl bezüglich des Wirtschafts- als auch des öffentlichen Baus etwas zuversichtlicher als 2016. Die Auftragsbücher dürften sich damit weiter füllen und die Unternehmen rechnen folgerichtig mit einer nochmals steigenden Auslastung.

Handel Bayern Jahresbeginn 2017
© IHK Der bayerische Handel, Jahresbeginn 2017

Die bayerischen Händler starten guter Stimmung ins Jahr 2017. Fast jedes zweite Unternehmen ist mit seiner aktuellen Lage zufrieden und nur jedes zehnte unzufrieden. Im Vergleich zum Herbst haben sich die Lageurteile auf sehr hohem Niveau behauptet. Auch für die kommenden zwölf Monate bleiben die Einschätzungen der Händler günstig: Jeder Vierte rechnet mit einer Geschäftsbelebung und nur jeder zehnte mit einer Eintrübung.

Steigende Nachfrage aus dem In- und Ausland haben die Lage im Großhandel weiter verbessert: Mehr als jedes zweite Unternehmen ist mit seiner aktuellen Geschäftslage zufrieden und weniger als jedes Zehnte unzufrieden.

Dienstleistung Jahresbeginn 2017
© IHK Bayerische Dienstleistungswirtschaft, Jahresbeginn 2017

Die bayerischen Dienstleister bleiben auf der Überholspur. Mehr als die Hälfte der Unternehmen ist mit ihrer aktuellen Lage zufrieden und nur 6 % sind unzufrieden. Mit einem Saldo von 47 Punkten bleiben die Lageurteile auf Rekordniveau. Besonders hoch ist die Zufriedenheit in den Architektur- und Ingenieurbüros. Sie profitieren vom aktuellen Bauboom. Im Schatten steht weiterhin das Kreditgewerbe: Die EZB-Niedrigzinspolitik belastet die Zinsmargen, die zunehmende Regulierung
erschwert das Geschäft und die Digitalisierung muss vorangetrieben werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für das bayerische Dienstleistungsgewerbe insgesamt bleiben die Aussichten für 2017 günstig: Ein Viertel der Unternehmen rechnet mit einer anziehenden und 12 % mit einer nachlassenden Geschäftstätigkeit. Damit blicken die Dienstleister ähnlich optimistisch in die Zukunft wie noch im Herbst. Per Saldo sind die Geschäftserwartungen lediglich von 15 auf 13 Punkte gesunken.

Risiken

  • Der Fachkräftemangel bleibt Risiko Nummer eins für die bayerischen Unternehmen – bei jedem zweiten Betrieb gefährdet er die Geschäftsentwicklung.
  • Ein neues Höchstmaß an Risiko geht von den aktuellen politischen Entwicklungen aus: 49 % der bayerischen Unternehmen sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko.
  • Auf der Weltbühne sorgt der neue und unkalkulierbare Kurs der US-Regierung für Unruhe. Die bayerische Wirtschaft ist betroffen, denn einerseits sind die USA der wichtigste Exportmarkt, andererseits können angekündigte protektionistische oder den Freihandel hemmende Maßnahmen die derzeit praktizierte weltweite Arbeitsteilung ins Wanken bringen.
  • Politische Risiken existieren jedoch auch für den europäischen Binnenmarkt: Mit dem Brexit müssen die Handelsbeziehungen zu Bayerns zweitwichtigstem Exportland neu geregelt werden.

Wirtschaftspolitische Forderungen

  • Internationale Arbeitsteilung und Freihandel tragen in erheblichem Umfang zur Sicherung unseres Wohlstands bei. Für die Politik muss der Erhalt des europäischen Binnenmarkts und des Freihandels oberste Priorität haben. Ein möglichst weitgehender Binnenmarktzugang Großbritanniens ist klar im Interesse der bayerischen Wirtschaft.
  • Die Digitalisierung wird betriebliche und gesellschaftliche Strukturen neu ordnen. Fest steht, die Arbeit der Zukunft wird vernetzter, digitaler und flexibler werden. Um erfolgreich diesen Wandel zu meistern, brauchen wir eine Politik, die auf Eigenverantwortung setzt und Freiräume schafft. Hierzu muss das Arbeitsrecht modernisiert und digitale Kompetenzen frühzeitig vermittelt werden. Auch eine stärkere Förderung von Forschung und Entwicklung helfen bei der Transformation ins digitale Zeitalter.
  • Des Weiteren brauchen wir ausländische Fachkräfte – zur Linderung des Fachkräftemangels und zum Import von Know-how. Damit dies gelingt, muss Deutschland eine offene Willkommenskultur leben. Ausländerfeindliche Parolen und Nationalisierungstendenzen sind daher für die bayerische Wirtschaft ebenso schädlich wie Protektionismus und Beschränkungen des Freihandels.

Methodik

Für den bayerischen Konjunkturbericht wurden insgesamt 4.000 Unternehmen von den bayerischen IHKs schriftlich befragt. Die Konjunkturumfrage wird drei Mal im Jahr durchgeführt.