Bayerische Konjunktur Jahresbeginn 2016

Gelungener Start, aber hohe Risiken

Der Jahresauftakt 2016 ist geglückt. Die bayerische Wirtschaft startet gut gelaunt ins Jahr 2016. Der BIHK-Konjunkturindex, in dem die Stimmung der Unternehmen abgebildet wird, klettert nach kurzer Verschnaufpause im Herbst auf 129 Punkte nach oben. Dies ist der höchste Stand seit Frühjahr 2014.

DerKonjunkturbericht zum Jahresbeginn 2016 zeigt, dass sich die bayerische Wirtschaft weiterhin quer über alle Branchen hinweg im Boom befindet. Sowohl im In- als auch im Ausland sind die hier hergestellten Güter und Dienstleistungen wettbewerbsfähig und erfreuen sich reger Nachfrage. Dennoch wollen sich die Unternehmen bei ihren Investitionen zurückhalten. Den Personalaufbau wollen sie auch in denkommenden zwölf Monaten fortsetzen.

Die sehr gute Arbeitsmarktentwicklung schiebt das Wachstum an: Der Beschäftigungsaufbau hat die Lohnsumme insgesamt erhöht. Die Reallöhne steigen. Die privaten Haushalte nutzen den Ausgabenspielraum zum Konsum sowie zu größperen Anschaffen, wie z.B. zum Kauf von Immobilien. Damit sprudeln auch die Steuereinnahmen, was die Ressorts zu höheren Ausgaben veranlasst.

Einflussfaktoren auf die Wirtschaft

Zusätzlichen konjunkturellen Rückenwind liefern drei Sonderfaktoren. Erstens: die niedrigen Zinsen schaffen einerseits günstige Finanzierungsbedingungen für Staat, Haushalte und Unternehmen. Andererseits machen sie die klassische Geldanlage unattraktiv. Der Anreiz zum Geld ausgeben ist damit hoch, der zum Sparen hingegen gering. Zweitens eröffnen die gesunkenen Öl- bzw. Benzinpreise den haushalten zusätzliche Konsummöglichkeiten, entlastet werden aber auch die Unternehmen Drittens beflügelt der starke Dollar die bayerischen Exporte.

Getrübt werden die sehr guten Aussichten durch die momentan hohen Risiken: Hausgemachte Probleme wie in der Wirtschaft- oder in der Energiepolitik dämpfen das Wachstum ebenso wie die wletweiten politischen Krisen.

Vor allem der Kurs der aktuellen Wirtschaftspolitik wird derzeit von den Unternehmen äußerst kritisch gesehen. Fast jedes zweite Unternehmen sieht hierin ein Risiko, welches die eigene Geschäftsentwicklung belastet, wie z.B. die Regulierung von Werk- und Zeitverträgen,d ie Begrenzung der Zeitarbeit sowie die langwierigen Energiedebatten. Im Kreditgewerbe sowie in der Versicherungswirtschaft sind die Sorgen besonders groß. Die Niedrigzinspolitik sowie staatliche Regulierungsmaßnahmen hinterlassen im Finanzsektor deutliche Spuren.

Branchen

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Zum Jahresbeginn 2016 sieht die Industrie optimistisch in die Zukunft.

In der bayerischen Industrie laufen die Gechäfte weiterhin sehr gut.Fast jedes zweite Unternehmen ist mit seiner aktuellen Lage zufrieden. Die Unternehmen berichten, dass die Nachfrage aus demIn- und Ausland in den vergangenen Monaten angezogen hat. Das Inlansgeschäft profitiert von der Kauflaune der privaten Haushalte.

Die Aussichten für das Jahr 2016 bleiben günstig. Nach der spürbaren Korrektur vom Herbst blicken die Unternehmen wieder deutlich optimistischer auf die kommenden zwölf Monate. Sowohl im In- als auch Auslandsgeschäft rechnen sie mit einem Auftragsplus.

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Die bayerischen Bauunternehmen starten mit guter Stimmung ins Jahr 2016.

Mit bester Stimmung starten die bayerischen Bauunternehmen ins neue Jahr. Die Lagebewertungen der Unternehmen liege nahe an ihrem bisherigen Rekord vom Herbst 2015. Besonders gut läuft es bei den Unternehmen, die auf Wohnbauten spezialisiert sind. Der Wohnungsbau floriert, da die Finanzierungsbedingungen günstig und die Beschäftigungssicherheit hoch sind.

Die Aussichten für das bayerische Baugewerbe bleiben gut. Drei Viertel der Unternehmen rechnen mit einer günstigen Entwicklung. Im Wohnungsbau erwarten die Unternehmen sogar eine weiter steigende Nachfrage.

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Sehr zufrieden mit seiner Lage ist der bayerische Handel.

Der bayerische Handel startet gut gelaunt in das Jahr 2016. Die Händler sind mit ihrer Geschäftslage sehr zufrieden. Optimistischer als noch im Herbst blicken sie auf die kommenden zwölf Monate. Ein wichtiger hierfür dürfte der nochmals gesunkene Öl- und Benzinpreis sein, der Unternehmen und Haushalten zusätzliche Ausgabenspielräume eröffnet.

Gleichzeitig bestehen die günstigen Rahmenbedingungen fort. Steigende Einkommen, weiterer Beschäftigungsaufbau und günstige Finanzierungsbedingungen.

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Lage gut, Stimmung gut: Das bayerische Dienstleistungsgewerbe zum Jahresbeginn 2016.

Im bayerischen Dienstleistungsgewerbe ist die Stimmung sehr gut. Mehr als jedes zweite Unternehmen ist mit seiner gegenwärtigen Geschäftslage zufrieden. Die Lageurteile liegen damit auf Rekordniveau. Lediglich das Kreditgewerbe ist vergleichsweise zurückhaltend. Die Niedrigzinspolitik der EZB sowie staatliche Regulierungen belasten die Banken.

Die Aussichten für das bayerische Dienstleistungsgewerbe sind für die kommenden zwölf Monate günstig. Die Erwartungen sind wieder leicht gestiegen.

Wirtschaftspolitische Folgerungen

Die bayerische Wirtschaft hat nach der Finanzkrise eine fulminante Entwicklung genommen. Dies zeigt sich am eindrucksvollsten auf dem Arbeitsmarkt. Grundvoraussetzung für diese Entwicklung waren und sind wettbewerbsfähige und weltweit gefragte Produkte und Dienstleistungen. Die Bedeutung des Außenhandels ist für die bayerische Wirtschaft weiterhin enorm: Die Industrie setzt fast jeden zweite Euro im Ausland um und rund ein Viertel aller Arbeitsplätez in Bayern hängen vom Export ab.

  • Deshalb dürfen die Unternehmen nicht mit neuen Belastungen verunsichert werden. Regulierungen von Zeitarbeit oder von Werk- und Dienstverträgen sind kontraproduktiv, da sie die Flexibilität reduzieren.
  • Es muss endlich mit dem Bau der Stromtrassen begonnen werden. Eine güsntige und sichere Energieversorgung ist einer der entscheidenden Standortfaktoren.
  • Wir brauchen mehr europäische Lösungen anstatt Kleinstaaterei. Die Aufweichung des Schengenabkommens schadet der bayerischen Wirtschaft erhebtlich.

Methode

Für den bayerischen Konjunkturbericht zum Jahresbeginn 2016 wurden zwischen und 2016 insgesamt Unternehmen in ganz Bayern schriftlich befragt. Die Konjunkturumfrage der bayerischen IHKs wird drei Mal im Jahr durchgeführt.